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Ölpreis fällt – OPEC-Einigung gut oder schlecht? Experte geht in die Details

Öl-Pumpe in der Wüste

Der Ölpreis ist seit gestern Nachmittag spürbar abgesackt. WTI-Öl fällt um 2,30 Dollar auf aktuell 72,41 Dollar. Was ist da los? Wir schauen zurück auf gestern Mittag. Eigentlich müsste Öl doch ansteigen? Denn gestern sickerte durch, dass sich Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) angeblich auf eine Fördermengenausweitung im Rahmen der OPEC geeinigt haben sollen – nach einem Scheitern der Gespräche am 5. Juli. Dies stand einer Einigung der Gruppe OPEC+ noch im Weg. Damit sah es gestern so aus als könne die Gruppe auch die nächsten Monate die Öl-Fördermengen kontrolliert ansteigen lassen, was wohl positiv für den Ölpreis sein müsste. Denn nichts wäre schlimmer als keine Einigung – dann würden einige OPEC-Mitglieder wie der Irak womöglich auf eigene Faust deutlich mehr Öl fördern – was letztlich unkontrolliert zu viel Öl auf den Weltmarkt gebracht hätte.

Probleme bei der OPEC

Also, warum reagierte der Ölpreis letztlich doch negativ auf die vermeintliche Einigung zwischen Saudis und den VAE? Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank geht diesbezüglich in seiner aktuellen Analyse in die Details. Demnach soll den VAE ein um gut 500.000 Barrel pro Tag höheres Ausgangsniveau zugestanden werden, von dem die Produktionskürzung erfolgen soll. Dafür sollen sich die VAE bereiterklärt haben, das Kürzungsabkommen (planmäßig schrittweise Rücknahme der Kürzungen) der OPEC+ (OPEC und externe Partner wie Russland) bis Ende 2022 zu verlängern.

Doch es bleiben laut Carsten Frisch noch einige Fragen offen. So hätten die VAE eine Einigung mit den Saudis dementiert. Die Gespräche würden noch anhalten. Zudem bleibe zu klären, ob die höhere Ölproduktion der VAE auf die geplante Erhöhung der OPEC+-Produktion angerechnet wird, was den anderen Ländern eine geringere Produktionserhöhung erlauben und von diesen kaum toleriert werden würde. Ansonsten würde die höhere Ölproduktion der VAE laut Carsten Fritsch zur beabsichtigten Produktionsausweitung der OPEC+ dazukommen, was am Ende zu viel Öl an den Markt bringen könnte. Zudem könnten andere Länder wie der Irak nun ebenfalls eine höhere Produktion für sich beanspruchen. Schließlich habe auch der Irak seine Produktionskapazität in den letzten Jahren deutlich erhöht.

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Also, es ist weiterhin eine wacklige Kiste. Wenn ein OPEC-Mitglied aus dem Gleichschritt ausschert und auf eine Extra-Behandlung besteht, könnten in der Tat andere Mitglieder folgen und auch mehr Öl fördern wollen. Treten dann die Saudis auf den Plan wie bereits Anfang 2020? Damals kam es auch zu keiner Einigung im Kreise der OPEC, und die Saudis fluteten absichtlich den globalen Ölmarkt mit einer um mehrere Millionen Barrels pro Tag erhöhten Fördermenge an Öl. Dies diente der Disziplinierung der anderen OPEC-Mitglieder, denn durch das Fluten der Ölmärkte mit zu viel Fördermenge rauschte der Ölpreis in den Keller. Hauen die Saudis auch dieses Mal auf den Tisch, wenn Sonderwünsche die Funktionsfähigkeit des Kartells zu sehr in Frage stellen? Um 13:50 Uhr deutscher Zeit soll die OPEC heute ihren monatlichen Ölmarktbericht veröffentlichen. Wird dann auch ein konkreter Zeitpunkt für ein neues Online-OPEC-Meeting bekanntgegeben?

Chart zeigt Ölpreis-Kursverlauf der letzten 30 Tage
Der Chart zeigt den Verlauf im WTI-Ölpreis in den letzten 30 Tagen. Nach einem monatelangen Anstieg weiß der Markt aktuell noch nicht, wie man mit dem derzeitigen OPEC-Chaos und der möglichen Einigung umgehen soll.



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