Folgen Sie uns

Märkte

Ölpreis fällt überraschend über Nacht – was ist da plötzlich los?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Der Ölpreis fällt über Nacht, und das recht unerwartet. Von heute Nacht 34 Dollar fällt WTI-Öl aktuell auf 31,63 Dollar. Dafür gib es handfeste Gründe! Erst gestern fragten wir im Zuge unserer Berichterstattung über den immer weiter steigenden Ölpreis, ob nun keine Gründe mehr vorhanden seien für einen plötzlichen Kursrückschlag. Wir nannten möglichen Risiken, unter anderem auch die Eskalation im Handelskrieg zwischen China und den USA.

Ölpreis fällt wegen Neuigkeiten aus China

Zunächst wäre da die aktuelle Aussage vom chinesischem Volkskongress, wo die Regierung in Peking erstmals seit dem Jahr 1990 kein Ziel mehr für die Wachstumsrate der heimischen Wirtschaft genannt hat. Das schürt natürlich die Angst vor einem weiterhin schwachen Wachstum nach dem Ende der Coronakrise in China. Das lässt weniger Öl-Nachfrage vermuten, was negativ für den Ölpreis zu werten ist. Und oben drauf kommt aktuell noch (viel beachtet auch in US-Medien), dass die chinesische Regierung jetzt offensichtlich in Hongkong härter durchgreifen will. Laut Berichten will Peking für Hongkong ein neues schärferes Sicherheitsgesetz einführen. Lesen Sie dazu gerne auch beim Klick an dieser Stelle den aktuellen Artikel von Markus Fugmann.

Angeblich sollen durch das neue Gesetz Abspaltungen, ausländischer Einfluss, Terrorismus und alle aufständischen Aktivitäten verboten werden, die den Sturz der Regierung in Peking zum Ziel hätten. Tja, kann man dann quasi alle demokratischen Aktivitäten in Hongkong dank solch eines Gesetzes in Zukunft unter Strafe stellen? Der Aktienindex in Hongkong jedenfalls fällt heute um 5 Prozent. Dies dürfte den jüngsten Drohungen von Donald Trump in Richtung China Auftrieb verleihen. Donald Trump könnte sich zusätzlich zu seiner Corona-Kritik gegenüber China im Zusammenhang mit der Coronakrise nun auch als Verfechter der Freiheit positionieren (Republikaner machen Druck). Mehr Streit zwischen den USA und China, Angst vor neuen Zöllen. Das drückt auch gegen den Ölpreis. Und so rutscht er heute Vormittag ab.

Wie geht es weiter?

Nach einem Plus von 14 Dollar in nur wenigen Tagen im Ölpreis sind solche Nachrichten aus China sicherlich auch ein willkommener Anlass für Spekulanten, ihre sensationellen Long-Gewinne der letzten Tage glattzustellen, was den Ölpreis heute im Verlauf des Tages weiter unter Druck setzen könnte. Auch muss man bedenken, dass in den USA am Montag Memorial Day ist. Die Amerikaner stehen also vor einem langen Wochenende. Und wollen deshalb umso mehr Trader Long-Gewinne heute lieber noch sichern? Abgesehen vom heutigen Handelsverlauf darf man nicht vergessen, dass die Öl-Lagerbestände in den USA jüngst überraschend die zweite Woche in Folge rückläufig waren. Weitere Rückschläge im Ölpreis nach den sensationellen Kursgewinnen der letzten Tage sind zwar denkbar. Aber es ist gut möglich, dass nach einer Pause der Aufwärtstrieb wieder die Oberhand gewinnt. Positiv für die Öl-Bullen ist aktuell zum Beispiel auch zu werten, dass Aussagen aus Russland zufolge die dortige Produktion noch lange brauchen könnte um das Volumen von vor der Coronakrise zu erreichen.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Ölpreis Verlauf seit dem 15. Mai
Im Chart sehen wir den WTI-Ölpreis seit dem 15. Mai.

Fracking-Arbeiter in den USA
Ein Arbeiter vor Fracking-Pumpen in den USA. Foto: Joshua Doubek CC BY-SA 3.0

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Finanznews

Aktienmärkte: Trotz Impfstoff-Hoffnung Verluste – warum? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte heute trotz neuer Impfstoff-Hoffnungen im Minus – und das an einem Montag, dem Wochentag, an dem eigentlich Gewinne fast garantiert waren in den letzten Wochen. Warum also steigen die Aktienmärkte nicht mehr trotz guter Nachrichten? Dafür gibt es wohl zwei Antworten: die erste ist, dass alle schon drin sind – wer soll also noch kaufen? Und die zweite Antwort dürfte sein, dass Profi-Investoren (Pensionsfonds, Investmentfonds etc.) in Aktien übergewichtet und in Anleihen untergewichtet sind und nun ihre Portfolios adjustieren müssen (siehe den heutigen Videoausblick) – sie treten daher bis Jahresende tendentiell als Verkäufer und nicht als Käufer auf. Trotz guter Saisonalität für die Märkte besteht also weiteres Korrektur-Potential..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

IHS Markit-Kauf für 44 Milliarden Dollar – wie man gigantisch wächst ohne neue Schulden

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

New York Downtown bei Nacht

In der Branche für Finanzdaten, Börsendaten und ökonomischen Analysedaten nimmt die Konzentration auf wenige große Anbieter immer mehr zu. Es gibt Bloomberg, Reuters, große Börsenanbieter wie die Deutsche Börse oder Euronext, und es gibt gerade den Versuch der London Stock Exchange den Datenanbieter Refinitiv für 27 Milliarden Euro zu übernehmen. Jetzt legt S&P Global (gehört zur Standard & Poors-Gruppe) nach und kauft den Datenanbieter IHS Markit. Und das für satte 44 Milliarden Dollar.

IHS Markit war Ende letzter Woche an der Börse noch 37 Milliarden Dollar wert. S&P Global lag bei 82 Milliarden Dollar. Wie schafft man es so viel Geld auszugeben, mal eben 44 Milliarden Dollar? Nun, in diesem Fall ist das gar kein Problem. Man „kauft“ per Aktientausch. Ein richtiger Kauf ist es dann gar nicht. Man fusioniert, und der „Käufer“ erhält an der neuen Firma die Aktienmehrheit. Oder besser gesagt, die bisherigen Aktionäre des größeren Fusionspartners halten dann später auch die Mehrheit am neuen Unternehmen.

So kommt es, dass die bisherigen Aktionäre von S&P Global an der neuen Firma 67,75 Prozent der Anteile halten werden, und die bisherigen Aktionäre von IHS Markit 32,25 Prozent. So haben alle was davon, und die Firma hat keine gestiegene Verschuldung durch diese Transaktion. So können große Konzerne schnell weiter wachsen, ohne sich zu verschulden.

Ganz anders lief es vor vier Jahren bei Bayer, wir erinnern uns alle mit Grausen an die Zeit danach. Die Leverkusener kauften Monsanto für 66 Milliarden Dollar in Cash. Dafür musste man damals eine Brückenfinanzierung über 57 Milliarden US-Dollar aufnehmen, also Kredite. So brockt man sich jede Menge Probleme ein, wenn man seine bisherige Aktionärsstruktur beibehalten will.

Will man extern kräftig zukaufen, muss man sich dann wie Bayer massiv verschulden. Um die Last zu reduzieren, muss man dann brutal einsparen, einzelne Sparten verkaufen usw. Gerade große Konzerne mit stark steigenden Aktienkursen können sich über den Weg des Kaufs mit eigenen Aktien (Fusion) andere Unternehmen einfach und bequem einverleiben. Dann werden die Aktionäre der bisherigen Konkurrenzfirma einfach zu Miteigentümern des eigenen Unternehmens gemacht. Und zack, der Konzern wächst kräftig, ohne dabei neue Schulden machen zu müssen. Natürlich hat der einzelne Altaktionär nach der Transaktion weniger Eigentum am Konzern. Aber dafür ist der Konzern an sich ja auch spürbar gewachsen, wodurch eine Kompensation stattfindet. Langfristig können über diese Methode die ganz großen Konglomerate entstehen.

weiterlesen

Märkte

Aktuell: OPEC-Meeting, wichtig für Ölpreis – LIVE-Blog – Update 19:18 Uhr

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Öl-Pumpe in der Wüste

Zwei Mal im Jahr veranstaltet die OPEC in ihrer Zentrale in Wien ihre Treffen. Dieses Mal findet es wegen der Coronakrise nur virtuell statt. Morgen dann folgt die Absprache mit den externen Partnern im Rahmen der „OPEC+“-Vereinbarungen (wichtig hier ist vor allem Russland). Für den Ölpreis ist sehr interessant, worauf man sich heute im Kartell einigt. Wird man wie bisher angedacht ab Januar die Fördermengen für Öl wieder ansteigen lassen, oder die Kürzungen erst einmal weiter aufrecht erhalten? Für die Erholung im Ölpreis könnte die Beibehaltung der bisherigen Fördermengenkürzungen durchaus wichtig sein. Denn die derzeitige zweite Corona-Welle schwächt weltweit die Öl-Nachfrage. Hier zeigen wir fortlaufend aktualisiert die wichtigsten Aussagen vom aktuellen OPEC-Meeting.

19:18 Uhr:

Das Meeting wurde offiziell auf morgen vertagt. Das wird wohl eine harte Nuss morgen, wenn man aktuelle Kommentare von Öl-Ministern (zum Beispiel aus dem Iran) liest.

17:42 Uhr:

Verschiebung der Entscheidung auf morgen wird immer wahrscheinlicher.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

17:17 Uhr:

Die vielleicht renommierteste Reporterin der OPEC-Szenerie Amena Bakr fasst die aktuelle Lage kurz und verständlich zusammen. Offenbar ist man sich bei der OPEC einig, dass man die Kürzungen 3 Monate verlängern will. Nur müssen alle externen Partner dem auch zustimmen, sich auch noch an diese Zusagen halten, und zuletzt zu viel produzierte Mengen kompensieren (und das wäre schon ein kleines Wunder). Bislang noch keine offizielle Mitteilung der OPEC.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

17:06 Uhr:

Gerüchteküche aktuell: Es gibt einige Aussagen von nicht genannten OPEC-Quellen an einige Reporter. Danach sieht es wohl so aus, dass man sich jetzt im Rahmen der OPEC relativ einig zu sein scheint, dass man die jetzigen Fördermengenkürzungen 3 Monate lang ab Januar beibehalten will. Aber man will dies womöglich heute noch nicht offiziell verkünden, sondern erst morgen mit den externen Partnern wie Russland abstimmen.

16:17 Uhr:

Gerüchteküche: Einige Korrespondenten melden aktuell Gerüchte, wonach erst morgen zusammen mit Russland und Co im Rahmen von OPEC+ echte Entscheidungen getroffen werden sollen. Man hört aber auch Stimmen, die aktuell von einer Einigung über 3 Monate Verlängerung der jetzigen Kürzungen sprechen. Alles unklar.

16:05 Uhr:

Das Dilemma der letzten Jahre auch heute? Wir behalten die Kürzungen nur aufrecht, wenn auch wirklich alle mitmachen?

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

14:33 Uhr:

Nach Eröffnungsrede geht man jetzt in die geschlossene Sitzung.

14:24 Uhr:

Das OPEC-Meeting beginnt. Es könnte aber möglicherweise stundenlang dauern bis Tendenzen über eine mögliche Einigung erkennbar werden. Erstmal wird eine Rede verlesen – hier beim Klick an dieser Stelle der Original-Redetext.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage