Märkte

Ölpreis fällt deutlich – China, Trump und Hormus als Top-Faktoren

Der Ölpreis fällt. Trump-Hoffnungen, Berichte über China-Ölnachfrage und eine durchlässige Straße von Hormus bilden eine Gemengelage.

Tankstelle in Hamburg. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.de

Der Ölpreis am Terminmarkt fällt! Seit Montag früh fällt Brent-Öl von 97,60 Dollar auf aktuell 91,24 Dollar. US-Öl fällt parallel und notiert jetzt unter 88 Dollar. Im Chart sehen wir seit Mitte Mai den Verlauf von europäischem und amerikanischem Rohöl am Terminmarkt. Aktuell gibt es mehrere Faktoren, die die Schwäche klar befeuern. Aber es ist auch ein Tanz auf dem Vulkan!


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Ölpreis-Verlauf seit Mitte Mai

Fallender Ölpreis: China als Top-Faktor

China hat zuletzt deutlich weniger Öl aus dem Ausland eingekauft. Folglich muss man mehr aus den heimischen Reserven leben. Das kann gefährlich werden, wenn die Knappheit auf dem Weltmarkt weiter anhält, und man immer weiter eigene Reserven aufzehrt! Die Einkäufe des Riesenreichs fielen im Mai auf 7,8 Millionen Barrel Öl pro Tag, der niedrigste Stand seit mehr als acht Jahren. Diese sinkende Nachfrage vom Mega-Verbraucher China hilft derzeit dabei Druck vom internationalen Ölpreis zu nehmen. Parallel exportieren die USA auch so viel Rohöl auf den Weltmarkt wie nur irgend möglich. Auch das hilft für den Augenblick.

Der Energieexperte Javier Blas schrieb bereits letzte Woche auf X: Warum bezeichne ich das Folgende als die wichtigste Entwicklung in den Märkten und der Geopolitik? Würde China nicht deutlich weniger importieren, läge der Ölpreis weit, weit über 100 Dollar. Die Fed wäre gezwungen, die Zinsen anzuheben, was die Wall Street zum Einsturz bringen würde. Präsident Trump stünde bei den Verhandlungen mit dem Iran unter Zeitdruck.

Vermehrt kommen Tanker durch die Straße von Hormus


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Aktuell gibt es Berichte, wonach vermehrt Öltanker die Straße von Hormus durchqueren, in dem sie ihre Transponder abschalten. Sozusagen ungesehen durch die Meerenge fahren. Das dürfte ebenfalls ein entlastender Faktor für den Ölpreis sein. Denn jeder Tanker, der auf den Weltmarkt kommt, erhöht die globale Angebotsmenge.

Ein erheblicher Teil des Öls aus dem Nahen Osten wird per Tanker über die Straße von Hormus aus dem Persischen Golf transportiert (zusätzlich zu den Umgehungs-Pipelines). Ein deutliches Anzeichen dafür ist der Rückgang der Rohölvorräte an Land in den letzten Wochen. Hinzu kommt der sprunghafte Anstieg der STS-Aktivitäten direkt vor der Straße von Hormus, so Javier Blas heute.

Verdeckte Tankertransporte haben Kuwaits zweimonatiges Exportverbot erfolgreich durchbrochen und zu einem erheblichen Abbau der Lagerbestände in Mina Al Ahmadi geführt, da die Betreiber auf verdeckte Transporte zurückgreifen, um regionale Seeblockaden zu umgehen, so die Energieexpertin Amena Bakr heute.

Märkte hoffen auf Trump?

Auch hat jüngst geholfen, dass Iran und Israel gegenseitige Angriffe eingestellt haben. Natürlich kann dieser Konfliktherd jederzeit wieder aufbrechen. Aber die Märkte wollen offenbar an ein Kriegsende glauben. Donald Trump hatte zuletzt vermehrt von Fortschritten gesprochen. Man befinde sich in der Endphase eines sehr guten Abkommens. Und bereits in ein oder zwei Tagen könne es soweit sein. Das Problem dabei: Das hat Trump schon wochenlang ständig gesagt. Langsam glaubt man es nicht mehr. Aber den Ölhändlern, die aktuell auf einen fallenden Ölpreis setzen, scheint das sehr gut ins Konzept zu passen- zumindest in diesem Augenblick. Ein Argument mehr für Shorts bei Rohöl?



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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2 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Defacto bleibt die Straße von Hormus geschlossen…auch wenn ein paar wenige Tanker durchfahren…das ändert aber nichts am Grundproblem…das zu wenig Öl die Weltmärkte erreicht…

    Insofern wäre es nicht verwunderlich …wenn die Preise mal wieder die Gegenrichtung einschlagen würden…

  2. Die aktuelle chinesische Ölnachfrage ist erst einmal eine gewöhnliche Marktentwicklung. Ein Tanz auf dem Vulkan findet jedoch zur Zeit im Naher und Mittlerer Osten statt. Ich traue dem 47. US-Präsidenten Donald John Trump zu, daß er die CIA angewiesen hat, Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, daß diverse Öltanker mit abgeschaltetem Transponder die Straße von Hormus nutzen. Vielleicht hat ja auch Premierminister Benjamin Netanyahu hierbei seine Finger im Spiel. Im Iran darf ja demonstriert werden. Das jedoch die zurückliegenden Demos in Teheran so verliefen, wie sie verliefen, war diversen Aktivitäten von Seiten des Mossad geschuldet. Das Präsident Trump zur Zeit die Welt mit Texas-Öl flutet, ist o.k..

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