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Hormus bleibt das Risiko Ölpreis fällt um 19 Prozent: Ist die Iran-Hoffnung nur eine Illusion?

Grafik: ChatGPT

Der Ölpreis hat im Mai einen historischen Rückgang erlebt. Brent verlor zeitweise rund 19 Prozent, während WTI um etwa 18 Prozent nachgab. Auslöser war die wachsende Hoffnung auf eine diplomatische Lösung zwischen den USA und dem Iran. Doch genau darin liegt das Risiko: Handelt der Markt bereits die Realität – oder lediglich die Hoffnung auf einen Durchbruch, der bislang noch nicht erreicht wurde?


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Iran-Hoffnung belastet den Ölpreis

Auslöser der jüngsten Verkaufswelle beim Ölpreis waren Berichte über Fortschritte in den Gesprächen zwischen Washington und Teheran. Mehrfach hatte US-Präsident Donald Trump zuletzt signalisiert, dass eine Einigung mit dem Iran näher rücke. Auch die Nachrichtenplattform Axios berichtete wiederholt über konkrete Verhandlungsfortschritte und einen möglichen Plan zur Verlängerung der Waffenruhe um weitere 60 Tage.

Die Aussicht auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus sorgte dabei für große Erleichterung an den Rohstoffmärkten. Während des anhaltenden Iran-Konflikts hatte die faktische Blockade der wichtigen Schifffahrtsroute einen globalen Energieschock ausgelöst und Millionen Barrel täglicher Öllieferungen vom Markt genommen.


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Doch trotz des Optimismus gibt es weiterhin keine endgültige Vereinbarung. Selbst Vizepräsident JD Vance erklärte zuletzt, es sei noch zu früh, um sagen zu können, „ob und wann“ ein Abkommen tatsächlich zustande komme.

Fragile Grundlage für Entspannung

Genau darin liegt das Risiko. Die Märkte haben einen großen Teil der positiven Erwartungen bereits eingepreist, obwohl zentrale Streitpunkte weiterhin ungelöst sind. Dazu gehören das iranische Atomprogramm, mögliche Sanktionserleichterungen sowie die langfristige Kontrolle über die Straße von Hormus.

Aaron Stein, Präsident des Foreign Policy Research Institute, warnt daher vor übertriebenem Optimismus. „Wir nähern uns langsam und äußerst zäh dem, was derzeit als mögliche Einigung verkauft wird“, sagte er. Zwar gebe es Fortschritte in den Verhandlungen, doch selbst eine Verlängerung der Waffenruhe im Iran-Konflikt würde an der grundlegenden Lage zunächst wenig ändern. Entscheidend sei vielmehr, ob beide Seiten tatsächlich bereit seien, ihre gegenseitigen Blockaden schrittweise abzubauen und damit die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entspannung in der Straße von Hormus zu schaffen.

Hinzu kommt, dass selbst ein politischer Durchbruch nicht automatisch zu einer schnellen Normalisierung der Versorgung führen würde. Minen in den Schifffahrtsrouten müssten geräumt, stillgelegte Förderfelder wieder hochgefahren und beschädigte Energieinfrastruktur repariert werden. Zudem würden Tanker mehrere Wochen benötigen, um die Importländer wieder zu erreichen.

Dass die Lage weiterhin fragil bleibt, zeigen auch die jüngsten militärischen Zwischenfälle. So führten die USA in dieser Woche mehrfach Angriffe auf iranische Stellungen in der Nähe der Straße von Hormus durch, darunter Berichten zufolge auch gegen eine Drohnenstellung. Die Vorfälle stehen im Kontrast zur aktuellen Euphorie an den Märkten und erinnern daran, dass die Gefahr einer erneuten Eskalation keineswegs gebannt ist.

Versorgungslage bleibt kritisch

Während die US-Börsen auf eine Entspannung setzen und von Rekord zu Rekord klettern, zeichnen die Fundamentaldaten weiterhin ein deutlich angespannteres Bild.

Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt vor einer kritischen Versorgungslage am globalen Ölmarkt. Die weltweiten Lagerbestände sinken seit Monaten, während die Auswirkungen der Störungen im Nahen Osten weiterhin spürbar bleiben. Besonders kritisch ist die Entwicklung der strategischen Ölreserven. Diese wurden in den vergangenen Monaten genutzt, um Lieferausfälle teilweise auszugleichen und befinden sich inzwischen auf historisch niedrigen Niveaus.

Kurzfristig haben die strategischen Reserven geholfen, die Folgen der Lieferausfälle abzufedern. Gleichzeitig wurde aber ein wichtiger Sicherheitspuffer aufgezehrt. Denn die freigegebenen Bestände müssen irgendwann wieder ersetzt werden – und genau diese zusätzliche Nachfrage könnte den Ölpreis mittelfristig weiter stützen.

Auch die jüngsten US-Daten senden Warnsignale. Wie Bloomberg berichtet, sind die Rohölbestände im wichtigen Lagerzentrum Cushing bereits die fünfte Woche in Folge auf 23 Millionen Barrel gefallen. Damit nähern sie sich der Marke von 20 Millionen Barrel, die von Marktteilnehmern allgemein als das Mindestniveau für einen reibungslosen Betrieb angesehen wird. Gleichzeitig erreichten die Destillatbestände den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Ryan McKay, Rohstoffstratege bei TD Securities, erwartet deshalb auch bei einer politischen Einigung im Iran-Konflikt keine schnelle Entspannung. Aufgrund der langen Vorlaufzeiten bei Produktion und Transport könnten die globalen Ölmärkte selbst während einer Erholungsphase noch erhebliche Angebotsverluste verzeichnen.

Zwischen Hoffnung und Realität

Der starke Rückgang des Ölpreises im Mai zeigt vor allem eines: Die Märkte setzen auf einen sogenannten „Hope Trade“ – also auf die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung. Doch bislang gibt es weder ein endgültiges Friedensabkommen noch eine verbindliche Lösung für die Straße von Hormus. Im Gegenteil: In zentralen Streitfragen liegen die Verhandlungsparteien weiterhin weit auseinander.

Solange diese Unsicherheiten bestehen, bleibt das Risiko eines deutlich Preissprungs beim Ölpreis bestehen. Sollte sich die politische Lage erneut verschlechtern oder die Verhandlungen scheitern, könnte die geopolitische Risikoprämie schnell zurückkehren. Die Hoffnung auf Frieden hat die Ölpreise gedrückt – die fundamentalen Risiken sind jedoch noch längst nicht verschwunden.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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4 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Im Moment laufen die Wetten gegen einen steigenden Ölpreis….die Zocker haben sich entsprechend positioniert….

  2. So ises. Die WM und der Independence Day sollten noch in scheinbar guter Lage abgehalten. Das wünscht sich Trump.
    Und die Zeit kann genutzt werden für Vorbereitungen Millitärischer Art.

  3. Die Tatsache, daß im Rahmen aktueller Verhandlungen von Fall zu Fall zumindest Fortschritte zu verzeichnen waren, ist sicherlich der Grund, daß der Ölpreis im Mai um ca. 19% gefallen ist.

  4. Der Iran ist wohl der Einzige, der unsere Verkehrsprobleme (z. B. am Brenner oder mit überfüllten Lufträumen) lösen könnte. Es geht doch nicht, daß man Staus mit Tankrabatt oder österr. „Spritpreisbremse“ unterstützt oder die Verlärmung und Verpestung durch die Fliegerei mit geminderter Flugticketabgabe gefördert wird. Entweder Sprit ist zu teuer, oder es gibt keine Staus (vor allem an langen Wochenenden mi privatem Freizeitverkehr, nicht mit Fahrzeugen der kritischen Infrastruktur). Beides zusammen geht nicht und beißt sich.

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