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Ölpreis: Freuen sich die Bullen zu früh?

Von Claudio Kummerfeld

Die Öl-Bullen wittern ihre Chance auf steigende Kurse. Seit Mitte März ist der Ölpreis um satte 16 US-Dollar gestiegen. Viele Anzeichen sprechen für einen bevorstehenden tatsächlichen Rückgang der Fördermenge in den USA. Aber das alleine bringt kaum etwas, denn Saudi-Arabien pumpt derzeit Rekordmengen auf den Markt, um in einem knallharten Wettbewerb seine günstigen Produktionskosten als Trumpf voll auszuspielen.

Ölpumpe in Texas Förderrückgang reicht nicht für steigenden Ölpreis
Ölpumpe in Texas
Foto: Flcelloguy / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

USA und Libyen

Die Ölreserven in den USA sind jüngst erneut leicht angewachsen um 1,9 mi barrel. Aber das Wachstum verlangsamt sich. Die Einlagerungsmenge von Öl im wichtigsten Lagerort in den USA (Cushing Oklahoma), die das ganze Jahr 2015 über angewachsen ist, ging letzte Woche aber erstmals zurück, nämlich um 500.000 barrel. Auch die stetig fallende Anzahl der Bohrlöcher in den USA verleiht dem Ölpreis Aufrieb in der Hoffnung, dass die Fördermenge in den USA nun endlich zurückgeht. Dieser Wendepunkt könnte im Mai tatsächlich erreicht werden, aber die Betonung liegt hier auf dem Wort „USA“.

Öl Lagerbestände USA 29.04.2015
Die Öl-Lagerbestände in den USA sind mit fast 500 Millionen barrel auf einem Rekordhoch.

Was dem Ölpreis aktuell beim Ansteigen hilft, sind auch die jüngsten Aussagen der im östlichen Teil Libyens herrschenden Regierung. Wo man Anfang April noch verkündete man könne evtl. in Kürze wieder Öltanker anlegen lassen, um seine Produktion auf den Weltmarkt zu schmeißen, so hat man dem jetzt eine Absage erteilt. Die Lage sei zu instabil, um dort Schiffe anlegen zu lassen. Diese Tatsache hilft dem Ölpreis derzeit auf die Sprünge, da Libyen ein bedeutender Player auf dem Ölmarkt war. Dies kann man auch schnell wieder werden, aber im Augenblick fehlt diese Angebotsmenge auf dem Weltmarkt.

Saudis sind mit dem aktuellen Ölpreis glücklich

Die Ölbullen könnten die Rechnung trotzdem ohne den Wirt gemacht haben, und der sitzt in Riad und nicht in Washington. Die Saudis weigern sich die Fördermenge für Öl zu reduzieren. Sie berufen sich auf die Nachfrage ihrer Kunden und produzieren munter weiter auf Rekordniveau – so wird dies auch offensiv kommuniziert. Dass die Saudis keinen Anlass sehen ihrerseits die Fördermenge zu reduzieren, zeigt die vor Kurzem getätigte Äußerung des stellvertretenden saudischen Ölministers Prinz Abdulaziz bin Salman „wir werden jede Nachfrage für saudisches Öl befriedigen“ und „Global Oil Markets are in excellent Condition“. Damit will er sagen, dass Saudi-Arabien mit dem immer noch extrem niedrigen Ölpreis zufrieden ist und es ihm egal ist, wenn andere Produzenten „absaufen“, weil sie defizitär produzieren. Wir meinen: Warum sollten die Saudis sich auch anders verhalten? Es ist ja schließlich ein freier Markt, und die Amerikaner selbst propagieren diesen freien Markt ja ständig. Der stärkste und beste Anbieter am Markt setzt sich durch. Also… am Ende könnten die Bullen in der Tat die Rechnung ohne den Wirt in Riad gemacht haben.

Ölpreis
Der Ölpreis ist seit 6 Wochen am Steigen. Es könnte ein brutales Erwachen für HedgeFonds geben, die glauben am Anfang eines großen Aufwärtstrends eingestiegen zu sein.



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