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Ölpreis haussiert auf 9-Jahreshoch – Russland-Angst – heute OPEC!

Öl-Pumpe

Der Ölpreis kennt jetzt in seinem Anstieg kein Halten mehr. WTI-Öl notierte gestern früh noch unter 97 Dollar, jetzt bei 111,21 Dollar – der höchste Stand seit 9 Jahren! Das europäische Brent-Öl notierte gestern früh noch bei 99 Dollar, jetzt bei 112,29 Dollar. Schauen wir auf die aktuelle Lage und auf heute Nachmittag!

Markt enttäuscht von Öl-Reserven – Ölpreis mit Mega-Rally

Seit gestern Nachmittag ist die Rally im Ölpreis so richtig ins Laufen gekommen. WTI-Öl notierte noch um 16 Uhr bei 105 Dollar. Dann kam die Meldung der Internationalen Energie-Agentur (IEA), dass 31 Staaten insgesamt 60 Millionen Barrels Öl aus ihren Reserven auf den Markt werfen, um die Angst zu beenden, dass durch denkbare Verknappung von russischer Seite eine globale Unterversorgung mit Öl entstehen könnte. Aber offenkundig war man am Terminmarkt für Öl enttäuscht – wollte man eine viel größere Hausnummer von vielleicht 100 Millionen Barrels oder noch mehr sehen? Denn nach der Verkündung stieg der Ölpreis bis heute früh noch weitere 6 Dollar nach oben.

Angst vor Russland-Verknappung

Die Angst ist enorm, dass Russland Öl als Sanktionswaffe gegen den Westen einsetzen könnte – indem man wenig oder gar kein Öl mehr liefert. Der Krieg in der Ukraine eskaliert, und je schlimmer es wird, desto größer sind die Befürchtungen. Laut Wall Street Journal schrecken Raffinerien bereits davor zurück russisches Öl zu kaufen, und Banken weigern sich, Lieferungen russischer Rohstoffe zu finanzieren, da sie die Auswirkungen von Finanzsanktionen fürchten. Solche Meldungen verschärfen nur noch den Aufwärtstrieb im Ölpreis. Oben drauf kommt noch die Information des American Petroleum Institute von gestern Abend. Demnach sind die Öl-Lagerbestände in den USA im Wochenvergleich um 6,1 Millionen Barrels gesunken.

Heute ist OPEC-Tag

Heute um 13:30 Uhr will die OPEC zusammen mit ihren externen Partnern (gemeinsam OPEC+) die monatliche Entscheidung zu den Fördermengen treffen. Zur OPEC+ gehört auch Russland. Es wird nun richtig spannend. Wird die OPEC für sich genommen ein starkes Statement geben, dass man die globale Öl-Versorgung sicherstellen wird, auch wenn Russland verknappen sollte? Vor allem Saudi-Arabien hätte zu schnellen und umfangreichen Ausweitungen der Öl-Fördermenge die Möglichkeit. Wird die OPEC+ heute mehr als nur die üblichen 400.000 Barrels pro Tag anheben? Wir werden heute Nachmittag über die OPEC-Entscheidung berichten, die den Ölpreis deutlich in Bewegung bringen kann.

Aktuelle Analystenaussagen

Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst beim Broker Swissquote, spricht aktuell den dramatischen Anstieg im Ölpreis an. Die Grausamkeit des Ukraine-Krieges habe die USA dazu veranlasst hat den Kauf von russischem Öl zu verbieten (FMW: Offiziell nicht, aber viele Käufer unterlassen es) – auch spricht sie die Freigabe von 60 Millionen Barrel aus den strategischen Reserven an. Die strategischen Reserven werden ihrer Meinung nach jedoch nur für eine gewisse Zeit zur Erhöhung des Ölangebots beitragen – es handele sich nicht um eine dauerhafte Lösung. Daher sei die heutige OPEC-Sitzung von entscheidender Bedeutung.

Bisher habe das Kartell bestätigt, dass es an der OPEC+-Vereinbarung mit Russland festhält, und es sei nicht zu erwarten, dass es seine Pläne zur Produktionssteigerung trotz des Ukraine-Kriegs ändern wird. Sollte dies der Fall sein, wird sich der positive Druck auf den Ölpreis oberhalb der 100-Dollar-Marke verstärken, und das Barrel US-amerikanischer Rohölsorte könnte in Richtung 125/150 Dollar steigen. Dies sei weltweit ein großes Problem, auf das die Regierungschefs reagieren könnten, da Joe Biden beispielsweise die OPEC seit Monaten auffordert, die Produktion zu erhöhen.

Es sei sehr schwer vorherzusagen, was passieren wird, aber irgendwann könnten die OPEC-Länder laut Ipek Ozkardeskaya beschließen, aus dem OPEC+-Bündnis auszusteigen, wenn das russische Öl in erheblichem Umfang verboten wird. Russisches Öl werde bereits mit einem erheblichen Abschlag gegenüber WTI- und Brent-Rohöl gehandelt, da Raffinerien und Handelshäuser aus Angst und in Vorbereitung auf künftige Sanktionen von russischen Rohölkäufen Abstand nehmen. Exxon Mobil habe angekündigt, die Produktion in Russland ebenfalls einzustellen. Das Unternehmen teilte mit, es werde sich schrittweise aus dem riesigen Offshore-Ölfeld Sachalin zurückziehen, das es seit 1995 betreibt, und erklärte, es bedauere Russlands Militäraktion, die die territoriale Integrität der Ukraine verletze und deren Bevölkerung gefährde. Total Energies, das an Russlands größtem LNG-Produzenten beteiligt ist, erklärte hingegen, dass es sich vorerst nicht aus Russland zurückziehen, aber nicht mehr in neue Projekte investieren werde. Die Ankündigung konnte nicht verhindern, dass der Aktienkurs weiter fiel.

Infolgedessen wird die OPEC laut Ipek Ozkardeskaya zunehmend unter politischen Druck geraten, da sich der Ukraine-Krieg zu einer globalen Krise entwickelt, deren indirekte Auswirkungen in der ganzen Welt zu spüren sind, insbesondere über die steigenden Öl- und Rohstoffpreise, und die Staats- und Regierungschefs der Welt würden ihr ganzes Gewicht in die Waagschale werfen. Man solle für die heutige OPEC-Entscheidung keine allzu großen Erwartungen hegen, denn die OPEC werde nicht auf magische Weise zur Rettung kommen.

Ölpreis im Verlauf der letzten zehn Tage. WTI-Ölpreis im Verlauf der letzten zehn Tage.



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4 Kommentare

  1. „… und die Staats- und Regierungschefs der Welt würden ihr ganzes Gewicht in die Waagschale werfen.“

    Was für ein dümmlicher Satz. Als wenn „die Staatschefs“ gemeinsame Interessen hätten. Die arabischen Staaten können nun ihre Kassen wieder füllen (die sich in den letzten Jahren bedenklich geleert haben), Venezuela wird es auch freuen und der Iran kriegt jetzt wieder ordentlich Kohle aus dem Land des Erzfeindes. Da kann er dann in Ruhe seine Bombe fertig basteln.

    Wenn dann mal der Lebensstandard in den auseinanderfallenden Gesellschaften des Westens so richtig einbricht, sagen wir mal um 30%, dann wird´s lustig.

    Die spannenden Zeiten kommen erst noch. Und sie werden völlig anders aussehen als unsere „Eliten“ sich das so vorgestellt haben.

    1. Klar Iran, Venezuela und co. könnten theoretisch daran verdienen. Die Konsequenzen wären aber katastrophal: soziale Unruhe (2ter arabische Frühling, weil die Menschen sich nicht mehr ernähren können) und Terrorwelle in Europa? Es wäre kontra-produktiv.

  2. „…Terrorwelle in Europa?“ – Sollten wütende Autofahrer aus Wut über die hohen Benzinpreise Terror verbreiten? Oder Schutzbedürftige, die vor Krieg und Terror in unser Land geflohen sind?

    1. Ein Teil des Nahen Ostens, Nordafrika und Ostafrika importieren und beziehen Weizen, Mais und Co. aus Russland und der Ukraine. Durch den Krieg werden die Preise durch die Decke gehen. Inflation, Hunger, Perspektivlosigkeit und Wut werden/würden dann die jungen Männer, die nichts mehr zu verlieren haben, in die Armen von Islamistischen Rattenfänger treiben. Der jetzige Krieg – wenn er nicht schnell beigelegt wird – wird schreckliche Konsequenzen (soziale Unruhe, Terrorwelle, etc..) haben. Ich hoffe und bete, dass es nicht dazu kommt.

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