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Märkte

Ölpreis im Warte-Modus: Handelskrieg & Konjunktur vs OPEC + Russland

Claudio Kummerfeld

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am

Zuletzt berichteten wir am Freitag über die aktuellen Vorgänge am Ölmarkt. Der Ölpreis richtete sich die letzten beiden Wochen eindeutig nach der globalen Konjunktur und dem Handelskrieg aus. Aber seit Donnerstag war eine bedeutende Wirtschaftskonferenz in St. Petersburg im Fokus der Terminhändler. Hier war Öl quasi das Hauptthema, und die wichtigen Player äußerten sich auch.

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Der WTI-Ölpreis liegt mit aktuell 53,82 Dollar vereinfacht gesagt auf dem selben Niveau wie Freitag Nachmittag. Zwar lag der Kurs Sonntag Abend und Montag gut 1 Dollar höher, aber er konnte sich dort nicht halten. Was ist also seit Freitag Nachmittag passiert? Versucht der Ölmarkt einen Turnaround im Ölpreis hinzulegen, wie wir es am Freitag schon fragend ansprachen? Die Antwort lautet: Es gibt momentan eine Art Patt-Situation!

Nach wie vor schweben die Konjunktursorgen und Ängste bezüglich des Handelskriegs durch die Termin-Sääle (auch wenn der Handel fast nur noch elektronisch läuft). Diese Ängste sorgen dafür, dass man von weniger Wirtschaftsleistung ausgeht, was auch automatisch bedeutet, dass weniger Öl benötigt wird. Dies dämpft die Nachfrage nach Öl, und somit ist dies ein negativer Faktor für den Ölpreis.

Verlängerung der Fördermengenkürzungen?

Positiv ist zu berücksichtigen, dass die Wahrscheinlichkeit doch offenkundig zunimmt, dass die OPEC sowie ihr großer mächtiger Partner Russland die Ende Juni auslaufende Fördermengenkürzung für den Rest des Jahres verlängern werden. Noch am Freitag kamen aus Russland Signale, dass man sich noch nicht entschieden habe, ob man bei der Kürzung weiter mitmacht. Aber inzwischen hat der russische Finanzminister Siluanov eine interessante Aussage getroffen.

So sagte er nämlich, dass der Ölpreis (Brent) unter 40 Dollar fallen könnte, wenn OPEC und Russland ihre Kürzungsvereinbarung nicht verlängern würden. Und ja, so meinen wir, das ist durchaus möglich. Denn wird der Deal nicht verlängert, kommen womöglich 1 oder 1,5 Millionen zusätzliche Barrels pro Tag auf den Weltmarkt. Das überflutet alles, und der Preis fällt wohl weiter. Da müssten die Saudis in Eigenregie ihre Produktion schon massiv abbauen, um dagegenzuhalten. Aber ob sie dazu bereit wären?

Also dürften die Saudis wohl derzeit bemüht sein alles dafür zu tun, dass die Russen mit an Bord sind. Und auch wenn die Russen nicht so extrem abhängig vom Öl sind wie die Golfstaaten. Einen weiter fallenden Ölpreis wollen sie sicher auch nicht hinnehmen. Eine offizielle Mitteilung, dass die Kürzungen bis Jahresende verlängert werden, sollte/könnte dem Ölpreis gut auf die Beine helfen.

Russische Aussagen sind derzeit extrem wichtig

Aber nach wie vor ist Russland Stand heute der einzige wichtige Player in dem erweiterten Kartell, der einer zeitlichen Verlängerung offenbar noch nicht zugestimmt hat. Für die Russen könnte eine Überlegung sein, ob man weiter kürzen soll, während die Fracker in den USA einem quasi Marktanteile abjagen. Sozusagen: Russen und Golfstaaten machen die Drecksarbeit (Mengen kürzen für hohe Preise), und die Fracker in den USA produzieren immer mehr, und genießen die Vorteile hoher Preise. Was für ein Dilemma. Russen und Golfstaaten brauchen die Einnahmen aus dem Öl für ihre Staatshaushalte, und wollen daher höhere Preise erzielen.

Senken sie die Mengen, nehmen die Fracker dankend ihren Platz ein. Aber erhöhen sie die Mengen für höhere Einnahmen, sinken die Preise. Die letzten Jahre zeigten: Die Fracker in den USA überlebten viel tiefere Kurse, sie konnten sich (unglaublich aber wahr) jahrelang durch die Krise retten, als die Preise unter ihren Produktionskosten lagen. Wie gut, dass der US-Kapitalmarkt sie mit billigem Geld füttern konnte. Aber wir schweifen ab. Russlands Energieminister Novak sagte jüngst, er könne einen Ölpreis-Rutsch sogar auf 30 Dollar nicht ausschließen, wenn die Kürzungsvereinbarung nicht verlängert werde. Es gebe immer noch das große Risiko einer Überproduktion, so seine Worte.

Wohin jetzt mit dem Ölpreis?

Im folgenden Chart sieht man den WTI-Ölpreis seit Ende April. Die großen Abwärtsbewegungen resultierten aus den steigenden Öl-Lagerbeständen in den USA (Pfeile). Wer optimistischer Chartist ist, erkennt im blauen Kasten eine Art Seitwärtstrend, der sich gerade ausbildet. Wie gesagt, wer optimistisch ist, erkennt da was! Morgen Nachmittag um 16:30 Uhr deutscher Zeit kommen schon die nächsten US-Lagerdaten. Steigen sie erneut, oder kommt zumindest kein Rückgang, dann könnte der Ölpreis weiter durchsacken. Auch erneute spontane Zoll-Ideen a la Trump könnten WTI und Brent nach unten drücken. Kommen neue Äußerungen von Saudis oder Russen für eine Einigung bei der Verlängerung der Mengenkürzungen, könnte der Ölpreis nach oben tendieren.

Ölpreis WTI-Verlauf seit Ende April

Ölpreis Verlauf aktuell - Beispielbild einer Ölpumpe
Symbolbild einer Ölpumpe in China. Foto: John Hill CC BY-SA 3.0

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Aktien

Bank of America meldet aktuell Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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am

Soeben wurden die Quartalszahlen der Bank of America veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 20,1 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 22,3/Erwartungen 20,2). Der Gewinn liegt bei 0,59 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,74/Erwartungen 0,56).

Die Rückstellung für Kreditverluste sank auf 53 Millionen US-Dollar, was eine Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 828 Millionen US-Dollar bedeutet. Wie die großen anderen US-Banken auch löst man also Rückstellungen auf, weil man wohl auch dank der gigantischen Stimulus- und Hilfsprogramme an weniger Kreditausfälle glaubt.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,5 Prozent.

CEO-Kommentar:

„During 2020, we witnessed the dramatic effects of the health crisis on the economy and our company’s operations. In the fourth quarter, we continued to see signs of a recovery, led by increased consumer spending, stabilizing loan demand by our commercial customers, and strong markets and investing activity. The latest stimulus package, continued progress on vaccines, and our talented teammates – who performed well helping their customers through this crisis – position us well as the recovery continues.

„In the fourth quarter, we saw higher net interest income, higher Consumer revenue, record asset management fees, strong results from our Global Markets teams, and a stronger balance sheet. In 2020, we earned nearly $18 billion and achieved several key strategic objectives: gaining market share in deposits, expanding our digital leadership, and adding thousands of wealth management clients. In addition, we gained market share in investment banking and supported clients with liquidity and superior trading
execution.

„Also we made progress in support of our communities, committing $300 million of our $1 billion four-year initiative to help drive racial equality and economic opportunity.“

Quartalszahlen der Bank of America

Bank of America Logo
Foto: Brian Katt CC BY-SA 3.0

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Anleihen

Coronakrise und die Schulden: Kommen ewige Anleihen?

Wolfgang Müller

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Die Coronakrise, ein gutes Jahrzehnt nach der Finanzkrise, hat zu einem weltweiten Anstieg der Verschuldung geführt, wie es sie außerhalb von Kriegszeiten noch nie gegeben hat. Aus den Schulden herauswachsen, mittels Wachstum? Ist noch nie in großem Umfang gelungen. Mittels Inflation und finanzieller Repression? Hat schon einmal für wenige Länder geklappt. Oder die Schulden auf sehr, sehr lange Zeiten umstellen, in Zeiten von Niedrigstzinsen? Ein Vorschlag des legendären Hedgefondsmanagers George Soros, der nicht neu ist, schon praktiziert wird und bereits eine lange Historie aufweist.

Coronakrise und Schulden: Die Ideen des ungarischen Starinvestors

Der Gründer des legendären Quantumfonds George Soros, der auf eine sehr lange Zeit als Investor zurückblicken kann – so hatte er bereits vor 70 Jahren unter dem Philosophen Karl Popper studiert -, macht sich Sorgen um die Zeit nach der Coronakrise. Man könne zwar auf eine unglaubliche medizinische Entwicklung zur Bekämpfung der Pandemie blicken, die bald unter Kontrolle sein dürfte, was aber bleiben wird, sind die Schulden zur Abmilderung derselben. Die wirtschaftlichen Folgen seien schlimmer als bei der Finanzkrise, deshalb müsse man jetzt bei der Bewältigung der Cornakrise umdenken, die Maßnahmen der EU hätten aufgrund der politischen Konstellationen zu wenig gebracht. Eine Lösung seien ganz lange oder ewige Anleihen.

Ein unbekanntes Kapitel der Geschichte von Anleihen

Wenn man glaubt, dass die heutige Wirtschaft so viel unglaublich Neues produziert, um in Phasen der finanziellen Knappheit ein Schlupfloch zu entdecken, so beweist ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte manchmal etwas anderes. George Soros berichtet von Anleihen, die nie zurückgezahlt werden müssen, sondern nur die jährlichen Zinsen – schon vor Jahrhunderten.

Großbritannien hatte im Jahr 1752 unbefristete Anleihen, Kriegsanleihen zur Finanzierung der napoleonischen Kriege begeben, „Consols“, genannt. Die Vereinigten Staaten folgten mit der Emission von Consols in den 1870er-Jahren. Aber es war die Erfindung der Niederländer, die bereits 1648 unbefristete Anleihen zur Instandhaltung ihrer Deiche ausgegeben hatten. Das Skurrile daran: Diese Anleihen laufen noch heute, mit so niedrigen jährlichen Zinszahlungen, dass kaum jemand von ihrer Existenz weiß.

Die Aufforderung des Ungarn

Die Zeit der Coronakrise wäre günstig für die Einführung ewiger Anleihen, so Soros – weil die internationalen Zinssätze nicht weiter fallen könnten. Der Vorteil wäre für immer festgeschrieben und man könnte diese in Tranchen begeben.

Soros hatte solche Anleihen bereits der Europäischen Union vorgeschlagen, er sieht aber ein, dass dies unter den gegenwärtigen Umständen politisch nicht umsetzbar wäre. Es sollten dies einzelne Mitgliedsländer umsetzen, was auch in Ansätzen geschieht, dazu gleich mehr.

Soros weist darauf hin, dass die Europäische Zentralbank bereits das Instrument der unbefristeten Anleihen eingeführt hat. Durch den Aufkauf von Staatspapieren (Quantitative Easing), die sie nie mehr zurückgeben kann, ohne bestimmten Ländern schwer zu schaden.

Stattdessen ersetzt man bei Fälligkeit der Anleihen diese durch neue. Das Spiel ließe sich ewig fortsetzen, die Langläufer würden in unbefristete Schuldtitel umgewandelt.

Es gibt aber einen großen Unterschied zu den gleich von den Regierungen begebenen ewig langen Anleihen: Man schreibt die Zinsen für 100-jährige oder ewige Anleihen fest, während bei den ständig auslaufenden Titeln möglicherweise deutlich höhere Zinsen geboten werden müssten. Die Frage ist nur, ob man allen EU-Mitgliedsstaaten diese Eternal Bonds abkaufen würde.

Still und leise

Österreich hat es vorgemacht. In den Jahren 2017 und 2018 hatte die österreichische Republik 100-jährige Anleihen begeben, mit einem Zinskupon von damals noch niedrigen 2,1 Prozent. Das Papier war trotzdem 12-fach überzeichnet. Im Juni letzten Jahres legten die Österreicher mit einer weiteren 100-jährigen nach und es musste nur noch ein Kupon von 0.65 Prozent p.a. geboten werden. Inzwischen folgten Irland und Belgien mit eben solchen Langläufern, die von Versicherern begierig aufgenommen wurden.

Aber auch in Deutschland gibt es auf Landesebene bereits solche ultralangen Anleihen. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat die Zeichen der Zeit erkannt und vor ein paar Tagen eine 100-Jährige emittiert mit einem Volumen von 2 Milliarden Euro, die von Investoren mit mehr als 3,25 Milliarden Euro nachgefragt wurde. Die Emissionsrendite sollte 1,11 Prozentpunkte über dem Referenzzins für 50-jährige Zinstauschgeschäfte liegen, bei minus 0,14 Prozent betrug damit der Zinskupon 0,95. Für NRW ist dies bereits die dritte Anleihe in dieser Laufzeit, während es für den Bund immer noch bei 30 Jahren Höchstlaufzeit bleibt. Vielleicht denken die Herren in der Finanzagentur nur an ihre eigene Kalkulationszeit.

Fazit

Die Idee des legendären und bereits 90-jährigen Hedgefondsmanagers Soros könnte in der Coronakrise durchaus in größerem Stile umgesetzt werden, zusammen mit der finanziellen Repression. Die emittierenden Staaten werden dafür auch nicht mehr so lange Zeit haben, um diese Papiere an den Investor zu bringen, schließlich mehren sich die Anzeichen für eine steigende Inflation und steigende Kapitalmarktzinsen. Damit würden auch die Kupons deutlich höher ausfallen als zuletzt. Es verwundert schon ein wenig, warum man im Hause Scholz so zögerlich ist bei der dauerhaften Nutzung niedrigster Zinsen..

Kommen durch die Coronakrise Anleihen mit ewiger Laufzeit?

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Finanznews

Corona – Konsequenzen in Zahlen! Videoausblick

Was bedeutet Corona für die Entwicklung der nächsten Jahre? Von der Ablösung der USA durch China bis zu steigenden Rohstoffpreisen..

Markus Fugmann

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Was bedeutet Corona für die Entwicklung der nächsten Jahre? Weltpolitisch wird China die USA als größte Volkswirtschaft einige Jahre früher überholen als zuvor angenommen, wel das Reich der Mitte die Krise um Corona viel besser gemeistert hat. Heute ist der letzte Regierungs-Tag von Donald Trump – im Fokus aber steht Janet Yellen mit ihren Aussagen vor dem US-Senat mit dem Tenor: „go big“! Wohl in Vorfreude auf dieses „go big“ steigen die US-Futures über Nacht deutlich an, der Dax eröffnet über der Marke von 13900 Punkten. Die Reaktionen auf die Coronakrise haben aber auch jenseits der Aktienmärkte Konsequenzen, die uns noch lange beschäftigen werden..

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