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Ölpreis-Korrektur: Blick auf den Suezkanal und wie es weitergehen könnte

Öl-Pumpe in der Wüste

Der Ölpreis befindet sich seit dem 18. März in einer Korrektur. Den Hochpunkt hatte WTI-Öl allerdings bereits am 8. März bei fast 68 Dollar gesehen. Jetzt haben wir aktuell einen Kurs bei 59,88 Dollar. Jüngst mit verantwortlich dafür war auch der deutlich gestiegene US-Dollar. Diese negative Korrelation belastet den Ölpreis aber erst seit vorgestern. Im Chart sehen wir seit dem 26. Februar den steigenden US-Dollar in blau gegen den fallenden Ölpreis in rot-grün.

Blockierter Suezkanal hilft dem Ölpreis kurzfristig

Wir hatten die letzten Wochen schon mehrfach darüber gesprochen. Bei dem seit Monaten kräftig gestiegenen Ölpreis war eine Korrektur längst überfällig, unabhängig von zahlreichen zu nennenden konkreten Gründen für eine Kursschwäche. Gestern lag WTI-Öl im Tief sogar bei 57,33 Dollar. Aber aktuell mit wie gesagt fast 60 Dollar hat sich der Ölpreis doch etwas stabilisiert.

Diese Ruhe könnte nur einige Tage anhalten. Denn wir alle haben die TV-Bilder gesehen. Im Suezkanal steht derzeit ein gigantisches Containerschiff quer. Es ist länger als der Suezkanal breit ist, und derzeit kriegen die Schlepper es wohl nicht kurzfristig wieder in die Fahrrinne. Was das bedeutet, sollte wohl klar sein. Öl-Tanker aus dem Nahen Osten können ihre Kunden in Europa nicht beliefern. Der Umweg mit einer südlichen Umrundung des afrikanischen Kontinents würde 15 Tage dauern. Weniger Öl-Angebot sorgt für Verknappung, und hilft folglich dem Ölpreis auf die Beine.

Wie geht es weiter?

Aber wie bei Stürmen im Golf von Mexiko oder sonstigen Ereignissen kann man auch in diesem Fall sagen: So ein blockierter Kanal bleibt nicht ewig blockiert. Danach schwappt die aufgestaute Menge an wartenden Tankern mit dem geladenen Öl auf den Weltmarkt, und der Ölpreis kann sich wieder entspannen. Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank erwähnt aktuell auch, dass die Blockade des Suezkanals dem Ölpreis Auftrieb gegeben habe.

Es könne laut Ausführungen von Carsten Fritsch womöglich noch bis Montag dauern, wenn der Wasserstand im Kanal durch die Flut etwas steigt und somit die Bergung ermögliche. Angaben der Ölanalysefirma Vortexa zufolge sollen derzeit 10 Öltanker mit einer Ladung von 13 Millionen Barrels Rohöl im Suezkanal blockiert sein. Das entspreche in etwa der Tagesproduktion von Saudi-Arabien und dem Irak, den beiden größten OPEC-Produzenten. Mit jedem Tag der Blockade kommen weitere Lieferungen hinzu, die sich stauen.

Laut Carsten Fritsch dürfte sich die Nachfrage nach Öl in der Zwischenzeit erst einmal auf andere Anbieter verlagern. Für europäische Raffinerien käme insbesondere Öl aus Nordafrika und Westafrika in Frage, möglicherweise auch aus den USA. Spätestens mit der Bergung des Containerschiffes dürfte sich seiner Meinung nach die Lage Anfang nächster Woche wieder normalisieren und der Fokus zurück auf die Nachfragerisiken richten. Also, kann der Ölpreis nächste Woche weiter schwächeln und seine Korrektur fortsetzen? Oder nimmt der Ölmarkt das Blockade-Ende schon jetzt vorweg?

Chart zeigt Ölpreis-Kursverlauf seit Ende Februar gegen den US-Dollar



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