Folgen Sie uns

Märkte

Ölpreis-Krieg? Goldman´s „Rohstoff-Guru“ hat seine ganz eigene merkwürdige Sicht auf die Dinge

Ende 2014 starteten die Saudis den sogenannten Ölpreis-Krieg gegen die Fracker in den USA, die immer mehr Öl aus Gesteinsschichten tief im Erdreich herauspressten. Heute ist die Lage deutlich…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Ende 2014 starteten die Saudis den sogenannten Ölpreis-Krieg gegen die Fracker in den USA, die immer mehr Öl aus Gesteinsschichten tief im Erdreich herauspressten. Heute ist die Lage deutlich komplizierter geworden. Aufgrund gestiegener Fördermengen durch die OPEC seit Ende 2014 brachen die Preise massiv ein, viele Fracker gingen pleite – andere aber fusionierten, erhielten Kreditverlängerungen durch Banken und Anleger, und fuhren ihre Bohranlagen erst mal runter.

In der Zwischenzeit wurde die Fracking-Technologie in den letzten zwei Jahren massiv verbessert, so dass der Break Even für die Öl-Förderung durch Fracking massiv gesunken ist. Es gibt diverse Sichtweisen. Der eine spricht von neuen Break Even-Levels bei 20 Dollar, andere bei 30 Dollar. Viele ältere Anlagen dürften erst bei höheren Preisen profitabel werden.

Jetzt wo die OPEC versucht mit weniger Förderung den Preis hochzuschrauben, werden die Fracker um so aktiver und profitabler. Das spürt man seit Wochen und Monaten anhand der ständig zunehmenden Zahl aktiver Bohrstellen und der steigenden Fördermenge in den USA. Haben wir aktuell eine neue Art von Ölpreis-Krieg? Nicht so richtig, denn die OPEC senkt die Menge, und weiß ganz genau, dass die Fracker dann ihre Menge hochfahren können bei steigenden Preisen. Und jetzt wird es interessant oder besser gesagt merkwürdig.

Jeffrey Currie, Goldman Sachs-Chefstratege für Rohstoffe und damit vermeintlich einer der wichtigsten Menschen auf dem Planeten für die Beurteilung der aktuellen Lage am Ölmarkt, sagt doch tatsächlich, dass die Fracker jetzt die Freunde der OPEC seien. Wenn man erst einmal eine dominante Technologie besitze (die Fracker), dann nutze man das auch aus, so Currie. Das OPEC-Kartell sollte wohl (so Currie) aktuell die Fördermengen-Ausweitung der Fracker begrüßen.

Dies ist wohl so zu verstehen, dass Goldman denkt OPEC + Fracker als „virtuell gemeinsamer Block“ der Billigproduzenten (niedrige Gewinnschwelle) können nun die Hochpreis-Produzenten mit größeren Angebotsmengen und „relativ“ niedrigen Preisen vom Markt fegen. Obwohl es so eine Allianz nicht gibt, sieht Currie es wohl so, dass beide die selben Interessen haben und jetzt gefühlt im selben Lager sind, weil sie beide so geringe Produktionskosten haben. Bei einem Ölpreis von bis zu 55 Dollar im Brent-Öl sei für die OPEC-Mitglieder noch jede Menge Luft um die Fördermenge hochzufahren.

Also, OPEC und Fracker werden zusammen deutlich mehr fördern, den Preis nicht über 55 Dollar steigen lassen und so die Produzenten, die hohe Break Evens haben, vom Markt fegen? Die Theorie ist zwar inhaltlich gerade so nachvollziehbar. Aber dass es hier auch nur virtuell eine Art Übereinstimmung gibt um zum Beispiel die Kanadier mit ihrem extrem teuer produziertem Ölsand zu vernichten, das glauben wir nicht wirklich. Aber wir sitzen auch nicht im Glaspalast in Downtown Manhattan.

Ja, er wolle im Öl definitiv long sein so Currie. Denn beim Öl gebe es aktuell gerade ein Angebotsdefizit, das schon im Juli bei 2 Millionen Barrels pro Tag liegen könne. (dass aktuelle OPEC-Daten ein anderes Bild zeigen, geschenkt). Goldman sieht Brent-Öl bei 55 Dollar, und gegen Ende des Jahres bei 57 Dollar. Fazit: Also (theoretisch) drückt der angeblich aktuelle Überhang bei der Nachfrage den Ölpreis ein wenig nach oben um vielleicht 5 Dollar? Da es aber nicht weiter geht nach oben, gehen den Kanadiern und anderen Förderern die Mittel aus, und OPEC, Russen und Fracker teilen sich den Markt auf?

Wir hoffen, dass wir alles richtig verstanden haben? Wichtig: Goldman Sachs liegt (manchmal) kräftig daneben mit seinen Prognosen, denn auch dort kocht man nur mit Wasser!


Brent-Öl seit Oktober 2016.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Zinsangst

    12. Mai 2017 18:27 at 18:27

    Wenn man sich die prekäre Situation im saudischen Staatshaushalt anschaut, ist diese Argumentation Bullshit. Man darf nie vergessen, dass die meisten Banker schlicht Verkäufer sind, quasi Gebrauchtwagenhändler auf intellektuell höherem Niveau.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Finanznews

Aktienmärkte: Warum fallen sie denn? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Ja warum fallen sie denn, die Aktienmärkte? Dass die so verwöhnte Wall Street (und auch der Dax) heute unter Druck kommt, hat mehrere Gründe: erstens Zweifel, ob Biden wirklich sein Stimulus-Programm verwirklichen kann. Dann, zweitens, wieder schwache US-Einzelhandelsumsätze – und schließlich die Nachricht, dass Pfizer deutlich weniger Impfstoff in den nächsten Wochen für die EU liefern wird. Im Grunde sind angesichts der absehbaren Verschärfungen der Lockdowns in Europa die Prognosen für ein starkes wirtschaftliches Jahr 2021 schon jetzt obsolet. Aber ein Rücksetzer der Aktienmärkte war ohnehin überfällig, zuletzt fehlte es deutlich an Dynamik auf der Oberseite. Vielleicht spielt auch die Unruhe vor der Amtsübernahme von Biden schon eine Rolle, man fürchtet erneute Ausschreitungen..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

Veröffentlicht

am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

weiterlesen

Anleihen

Goldpreis vs Anleiherenditen: Eindeutiger Langfristvergleich

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Mehrere Gold-Barren

Der Goldpreis wird von vielen Faktoren beeinflusst. Da wäre zum Beispiel der US-Dollar, und natürlich das allgemeine Risk On/Risk Off-Szenario. Sind die Anleger bereit aufgrund diverser Faktoren mehr Risiko einzugehen, verkaufen sie Gold und kaufen Aktien, und umgekehrt. Je mehr die Notenbanken Geld drucken und je mehr die Staaten sich verschulden, desto wichtiger erscheint vielen Anlegern auf lange Sicht auch Gold als sicherer Fluchthafen vor Inflation, und der Goldpreis steigt.

Aber vor allem werden auch die Anleiherenditen als wichtiger Beeinflussungsfaktor für den Goldpreis herangezogen. Je mehr Rendite man für Staatsanleihen erhält, desto weniger attraktiv ist das zinslose Gold bei Anlegern. Schauen wir daher mal auf den folgenden Chart, ob man langfristig eine echte Verbindung zwischen Gold und Anleiherenditen erkennen kann. Hier sehen wir seit Anfang 2016 in blau den steigenden Goldpreis, der seitdem 69 Prozent zulegen konnte. Die in orange verlaufende Anleiherendite (für zehnjährige US-Staatsanleihen) ist seitdem um 46 Prozent gesunken (langfristig gesunkenes Zinsniveau). Man sieht eine klare negative Korrelation. Je tiefer die Anleiherenditen, desto besser für den Goldpreis. Das jüngste Ansteigen in der Rendite hat dem Goldpreis einige Schwierigkeiten bereitet, und seinen weiteren Anstieg erst einmal ausgebremst.

Chart zeigt Goldpreis gegen Anleiherenditen seit dem Jahr 2016

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage