Folgen Sie uns

Märkte

Ölpreis schwach – Ausblick sowie Argumente für Long und Short

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Der Ölpreis ist diese Woche spürbar gefallen. Zum Wochenstart konnte WTI-Öl zunächst einmal von 56,80 Dollar auf bis zu 58,72 Dollar in der Spitze ansteigen am Dienstag Nachmittag. Das war die Euphoriephase. Dann am letzten Wochenende wurde in Saudi-Arabien der Energigeminister Al-Falih (jahrelang die graue Eminenz des globalen Ölmarktes) entlassen, und durch Prinz Abdulaziz ersetzt, den vierten Sohn des Königs. Diesen Personalwechsel deutete der Markt als Zeichen dafür, dass man im Königshaus enttäuscht war, dass Al-Falih den Ölpreis einfach nicht hochpushen konnte.

Ölpreis mit schwacher Woche

Wie auch, wenn die OPEC ihre Fördermenge zwar immer weiter kürzt, im Gegenzug die Fracker in den USA ihre Mengen aber immer weiter hochfahren! Dann Dienstag Abend der Knaller. Donald Trump entließ für die Öffentlichkeit ziemlich überraschend John Bolton, seinen Nationalen Sicherheitsberater. Bolton war so ziemlich der härteste Hardliner, den man sich nur vorstellen kann. Probleme mit Nordkorea oder Iran? Einfach mit Krieg lösen, so ganz platt formuliert seine Einstellung. Aber nun da er weg ist, hofft der Markt auf eine Entspannung am Golf. Sinkende Kriegsgefahr zwischen Iran, USA und Saudis bedeutet auch eine Entspannung für den Ölpreis. Und so fiel der WTI-Ölpreis auch ab Dienstag Abend auf 57,20 Dollar.

Und am Mittwoch wurde dann bekannt, dass John Bolton gehen musste, weil er nicht damit einverstanden war, dass Donald Trump offenbar über eine Lockerung der Iran-Sanktionen nachdenkt. Ja, das bringt Entspannung in den Nahen Osten! Zack, runter mit Öl. Da konnten auch sinkende Lagerbestände für Rohöl in den USA den fallenden Ölpreis nicht mehr stoppen. Und als reichte das noch nicht, folgte dann am Donnerstag der erste Auftritt von Prinz Abdulaziz als Verantwortlicher für das saudische Öl auf internationalem Parkett. Bei einem Treffen in Abu Dhabi verkündete er, dass es vor dem nächsten regulären OPEC-Treffen in Wien Anfang Dezember keine weiteren Fördermengenkürzungen geben werde. Zack. Was für eine Enttäuschung für die Öl-Bullen, die darauf spekuliert hatten. Der Ölpreis rutschte daraufhin noch weiter in den Keller, von 56 auf fast 54 Dollar.

Ölpreis Verlauf in dieser Woche

Argumente für Long und Short

Puhhhhh. Durchatmen. Was für eine Woche. Jede Menge Nachrichten, die den Ölpreis durchgeschüttelt haben. Und wie sieht die nächste Woche aus, und die nächsten Wochen? Eher Long oder Short? Folgende Argumente sprechen derzeit für einen weiter fallenden Ölpreis. Da wäre zunächst der US-Dollar. Der Dollar-Index zeigt seit gestern Schwäche dank des stärkeren Euro, und vor allem heute dank des stärkeren britischen Pfund. Bei einer möglicherweise rückkehrenden Dollar-Stärke in den nächsten Tagen könnte dies auf den Ölpreis drücken. Die Entlassung von John Bolton wirkt auch noch nach!

Der Iran-Konflikt wird deshalb wohl entspannt (zumindest darf man das annehmen), was auch weiter dämpfend auf den Ölpreis wirken sollte. Nächste Woche will Donald Trump einen neuen Nationalen Sicherheitsberater ernennen. Kaum vorstellbar, dass der genau so ein Hardcore-Hardliner sein wird wie John Bolton. Und da wäre natürlich der vorhin schon erwähnte Fakt, dass die Saudis erstmal bis Dezember die Fördermenge nicht mehr senken wollen. Das bremst die Euphorie der Öl-Bullen. Auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage drückt dazu noch die auf Rekordniveau laufende US-Ölförderung. Auch die Internationale Energie-Agentur hat diese Woche auf den Ölpreis gedrückt, in dem sie vor einer zu hohen Angebotsmenge am globalen Ölmarkt warnte.

Steigender Ölpreis?

So, und nach diesem Trommelfeuer an negativen Einflüssen hier die Gründe, warum der Ölpreis in nächster Zeit vielleicht doch steigen könnte. Hauptsächlich wäre da die Euphorie rund um den Handelskrieg zwischen den USA und China. Diese Woche hat sich die Lage gefühlt entspannt, weil es kleine Signale gibt, dass man sich annähert. Der Aktienmarkt wird dadurch schon positiv beeinflusst. Der Ölpreis steigt aber noch nicht an. Mit aktuell genau 55 Dollar geht WTI-Öl zumindest nach aktuellem Stand ohne klare Richtung ins Wochenende. Neben der Euphorie im Handelsstreit wurde diese Woche vor allem aufgrund wichtigerer Nachrichten übersehen, dass die Lagerbestände für Öl in den USA ja immer weiter sinken. Das zeigt entweder, dass die Nachfrage nach Öl groß ist, oder dass die Angebotsmenge sinkt.

Rücken die Lagerdaten wieder mehr ins Bewusstsein, könnte auch der Ölpreis wieder stiegen. Und zu guter letzt landen wir wieder bei Prinz Abdulaziz. Sollte der Ölpreis weiter schwächeln, oder sogar deutlich fallen, dann könnte er sich genötigt fühlen doch schon vor Dezember die saudischen Fördermengen weiter zu drosseln. Denn der Prinz wurde am letzten Wochenende sicher nicht in diesen Posten gehoben, um einem weiteren Absturz im Ölpreis zuzuschauen. Ganz im Gegenteil. Der König braucht steigende Preise (das darf man vermuten). Also: Kommt es in den nächsten Wochen zu weiter schwachen oder weiter fallenden Ölpreisen? Kommt dann Prinz Abdulaziz auf die Bühne, und senkt die saudische Fördermenge? Dann könnte der Ölpreis sprunghaft steigen.

Das ist natürlich nur ein Szenario. Zum Beispiel könnten plötzlich durch Donald Trump getweetete positive Signale aus den Gesprächen zwischen China und den USA den Ölpreis kräftig nach oben bringen. Also, bitte klammern Sie sich nicht blind an die Aussagen in diesem Artikel, oder an die Aussagen anderer Beobachter. Bitte bilden Sie sich bitte auch immer ihre eigene Meinung. Der Ölmarkt ist und bleibt unberechenbar!

Ölpreis WTI seit März
WTI-Ölpreis seit März. Nachhaltige Anstiege kamen nie zustande.

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Indizes

Aktienmärkte: Heißer Oktober voraus – Unheil mit Ansage?

Unheil an der Börse baut sich immer unerwartet auf – und wird dann in kurzer Zeit in die Aktienmärkte eingepreist. Die aktuellen Belastungsfaktoren sind dagegen allen bekannt..

Avatar

Veröffentlicht

am

Der September geht zu Ende und in diesem Jahr macht er seinem Ruf als schlechtester Börsenmonat für die Aktienmärkte alle Ehre. Vier Wochen fallende Kurse beim Dow Jones sowie beim S&P 500 und ein kleines Wochenplus beim Nasdaq haben etwas Luft aus der Überspekulation aus den Märkten genommen. Aber sind die Abschläge, die die Indizes knapp in den Korrekturmodus von minus zehn Prozent gebracht haben, schon genug? Oder spült der Zinsnotstand die Großanleger wieder zurück in die Aktienmärkte, die in den letzten Wochen ordentlich Kasse gemacht haben? Im Gegensatz zu einem Heer von Kleinanlegern. Die Unsicherheiten an den Märkten haben in der letzten Woche nicht abgenommen, ganz im Gegenteil.

Aktienmärkte: Die derzeitigen Belastungsfaktoren

Es ist Allgemeingut in der Szene, dass derzeit drei große Themen auf den Börsen lasten, abseits von Markttechnik, Saisonalität oder Marktpsychologie:

  • Covid-19
  • das fünfte Stimuluspaket
  • und die großen Spekulationen um den Wahlausgang am dritten November.

In Sache Corona gibt es einfach keine Entspannung, ganz im Gegenteil, die Fälle steigen deutlich an und selbst, wenn es sich um vorwiegende um jüngere Menschen handelt, gibt es sofort behördliche Gegenmaßnahmen: Örtliche Lockdowns (z.B. Madrid), Reisewarnungen, Schulschließungen, mit all den Folgen für die Corona-sensitiven Branchen, aus den x-fach dargestellten Wirtschaftsbereichen. Immer schön an den Börsenkursen ablesbar, Fluggesellschaften als zweites Corona-Worldometer.

Dauerthema Nummer zwei für die Aktienmärkte ist das nächste Rettungspaket, das für viele Menschen unerlässlich ist, um weiter über die Krise hinwegzukommen. Natürlich auch für den Konsum in den USA als Konjunkturpfeiler par excellence. Wie sagte eine US-Expertin letzte Woche im Fernsehen? „Immer noch leben 30 Millionen Amerikaner von so etwas wie Arbeitslosenunterstützung, jeder 10. Haushalt sagt, er habe nicht genug zu essen, man hat zwar immer noch das Moratorium, das vor Zwangsräumungen schützt, aber wenn das ausläuft, stehen Millionen Amerikaner auf der Straße.“

In dieser Situation werden auch politische Taktikspielchen betrieben, weil es den Demokraten bewusst ist, dass fallende Aktienmärkte dem Amtsinhaber schaden. Und dann haben wir natürlich noch die großen Imponderabilien, die direkt mit dem 3. November zusammenhängen.

Das große Damoklesschwert Ausgang der US-Wahlen

Fünf Wochen vor dem großen Wahltag versuchen die Aktienmärkte in irgendeiner Form einzupreisen, welche Folgen nach einem Wahlsieg Bidens oder Trumps zu erwarten sein könnten. Das ganze Spektrum inklusive unterschiedlicher Konstellationen im Kongress. Markus Fugmann hat bereits am Freitag die große Problematik mit der Briefwahl angesprochen, die in diesem Jahr den Wahlausgang zu einer elend langen Prozedur gestalten könnte. Es ist nicht so sehr der Ausgang als solcher, – auch ein Joe Biden wird in den USA keine wirtschaftsfeindliche Politik machen, er ist ein Mann der Mitte.

Aber die große Unsicherheit für die Aktienmärkte geht von einer anderen Thematik aus. Wieso hat Donald Trump schon so früh angekündigt, dass er eine Wahlniederlage nicht akzeptieren werde? Wieso hält er seine Steuerunterlagen der Vor-Präsidentschaftszeit mit aller Macht zurück, entgegen Gerichtsbeschlüssen? Wieso fabuliert er ständig von lebenslanger Präsidentschaft, die eigentlich von der US-Verfassung ausgeschossen ist? Fürchtet er die Aufdeckung von Verstößen gegen US-Gesetze, aktuell noch einmal angefacht durch die Ermittlungen gegen Banken wegen Verstößen gegen die Geldwäsche, auch bei der Deutschen Bank, deren langjähriger Kunde er ist? Es ist bekannt, dass er als Immobilienmogul Geschäfte mit Russland gemacht hat. Was würde eine Wahlniederlage bedeuten? Natürlich den Verlust des präsidialen Schutzes durch die Immunität, die einen Präsidenten vor strafrechtlichen Ermittlungen bewahrt. Ein Strafverfahren gegen den größten POTUS –  für Trump und seine Persönlichkeit die Maximalkatastrophe.

Darin liegt für mich eine große Gefahr, dass er mit allen Mitteln eine mögliche Wahlniederlage zu verhindern versucht und diese auch nicht eingesteht, weit vor der Wahl schon von Manipulation spricht, trotz entgegen anders lautender Beteuerungen der Sicherheitsdienste. Dass ihn nicht einmal Ausschreitungen und bürgerkriegsähnliches Zustände im Lande davon abhalten könnten, das möglicherweise Unvermeidliche einzugestehen. Hunderte Juristen, ehemalige Regierungsbeamte, Wahlexperten und Journalisten spielen bereits das Szenario durch, wie Trump mittels Secret Service aus dem Weißen Haus entfernt werden könnte. Ein Projekt der Juraprofessorin Rosa Brooks hat den Namen Transition Integrity Project (TIP).

Noch ist es lange nicht soweit und es muss auch nicht zu einem extremen Szenario kommen, aber das Ganze ist für die Aktienmärkte eine große psychologische Klippe. Der jetzige Amtsinhaber könnte auch im Amt bestätigt werden und unter Berücksichtigung dieses „autokratischen Verhaltens“ des Präsidenten, kommt den großen Wahlkampfauftritten der Gegenspieler eine besondere Bedeutung zu.

Weitere Wolken am Börsenhimmel

Wir stehen vor dem Ende des dritten Quartals, was zu Umschichtungen in großen Depots, dem so genannten Re-Balancing führen könnte. Die US-Großbank JPMorgan rechnet mit Aktienverkäufen in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar: US-amerikanische Pensionsfonds, den japanischen Government Pension Fund und den norwegischen Ölfonds betreffend. Da die Aktienmärkte die Anleihen weit outperformt haben, könnte es wegen der vorgegebenen Asset Allocation zu Umschichtungen kommen.

Von konjunktureller Seite ist ein gemischtes Bild zu erkennen, wie bei den letzten Zahlen zum Häusermarkt (positiv), aber auch dem Arbeitsmarkt (leicht negativ). An diesem Freitag steht wieder einmal der große monatliche Arbeitsmarkt auf der Agenda, erfassungstechnisch sehr fragwürdig, aber der Markt glaubt an die Zahlen. Ganz übergeordnet ist bei der Markterholung ein eindeutiges, aber unvollendetes V erkennbar, unter anderen hängen die letzten 10 Prozent von der Entwicklung der Pandemie ab. Das spiegelbildliche Wurzelzeichen eben, selbst langsam erkennbar an unserem Ifo-Index.

Die Entlastungsfaktoren

Natürlich hat sich an der Anlagesituation im Hinblick auf die Konkurrenz Aktien versus Anleihen noch nichts Wesentliches geändert. Der derzeitig aus taktischen Gründen vorgeschobene Attentismus der US-Notenbank (Druck auf die politischen Streithähne) kann jederzeit wieder in einen Befreiungsschlag münden – bei weiteren Verlusten. Schließlich ist es Jerome Powells oberstes Ziel, die Wirtschaft zu stützen. Außerdem sind von dem billionenschweren Corona-Hilfspaket des US-Kongresses derzeit bis zu 380 Milliarden Dollar noch nicht genutzt worden, wie auch Finanzminister Steven Mnuchin erklärt hat. Das Geld könnte seinen Weg zu Haushalten und Unternehmen machen, wenn die Abgeordneten den Weg frei machten.

Natürlich können zu jeder Zeit (erzwungene) Meldungen über die baldige Verfügbarkeit eines Impfstoffes kommen, wenn selbst die Chefs von milliardenschweren Biotech- und Pharmafirmen immer wieder sehr optimistische Aussagen zur Entwicklungssituation abgeben.

War im letzten Monat die Investitionsquote der aktiven Fondsmanager nicht drastisch nach unten gefahren worden? Was passiert eigentlich, wenn die Korrektur der Akztienmärkte nicht weiter geht und die passiven Fonds (ETFs) schon wieder im Vorteil sind. Schon wieder Pain Trades? Man darf es nicht außer Acht lassen: es liegen derzeit 5 Billionen Dollar auf kaum verzinsten Cashkonten. „Sie werden wieder in den Aktienmarkt kommen, aber zur falschen Zeit“, so ein Investor im US-Fernsehen.

Fazit

Der ungeliebte Börsenmonat geht mit seiner fast schon erwarteten Minusbilanz der Aktienmärkte zu Ende, aber kommt jetzt ein goldener Oktober? Betrachtet man die Belastungsfaktoren vor den US-Wahlen nüchtern, könnte man sofort ausrufen: nie und nimmer.

Aber Unheil an der Börse baut sich nach meiner Erfahrung immer unerwartet auf – und wird dann in kurzer Zeit eingepreist. Die oben genannten Belastungsfaktoren sind jedem Vermögensverwalter bekannt, selbst die Optionen auf den SPX ab November preisen schon eine höhere Volatilität ein. Auch war der September ein sehr schwankungsfreudiger Monat. Beim Nasdaq gab es an 82 Prozent der Handelstage Veränderungen von über einem Prozent auf Tagesschlusssicht.

Was könnte die Aktienmärkte jetzt nach oben bringen? Vielleicht eine Rückeroberung der 50-Tage-Linie, frisches Geld zu Monatsanfang? Spannung dürfte das TV-Duell zwischen dem Herausforderer und Präsident Trump in der Nacht zum Mittwoch bringen.

Schlussendlich könnte das Bonmot der Börse dann doch wieder einmal gelten: „Politische Börsen haben kurze Beine“. Aber das ist schon ein wenig weit gedacht..

Dass Trump schon im Vorfeld der Wahl am rechtmäßigen Ausgang zweifelt, belastet die Aktienmärkte

weiterlesen

Finanznews

Aktienmärkte: Abverkauf oder Rally? Videoausblick

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte starten in eine wahrscheinlich turbulente Handelswoche! Im Fokus die Debatte zwischen Trump und Biden in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Es gibt einige Faktoren wie die Saisonalität kurz vor der US-Wahl, die für einen fortgesetzten Abverkauf der Aktienmärkte sprechen – der Dow Jones und der S&P 500 nun vier Wochen in Folge im Minus und damit mit der längsten Verluststrecke seit August 2019. Aber es gibt auch für die Bullen Hoffnung, da die Stimmung inzwischen komplett gedreht hat und vor allem institutionelle Investoren extrem short positioniert sind (mit dem Potential für einen Short Squeeze). Heute dreht sich einmal mehr fast alles um Donald Trump..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

weiterlesen

Indizes

DAX daily: Startschuss zu einer Erholung? Tages- und Wochenausblick

Stefan Jäger

Veröffentlicht

am

Haben wir am Freitagnachmittag den Startschuss für eine Erholung gesehen? Am Freitag hat der Dax zwar mit einem weiteren Abschlag von 137 Punkten (-1,09 %) eine rabenschwarze Woche beendet, dennoch konnte er am Nachmittag kräftig zulegen. Auf Wochensicht beläuft sich der Verlust auf insgesamt 647 Punkte (-4,93 %). Dabei ist er auf das tiefste Niveau seit Ende Juli abgerutscht. Sein Tagestief markierte der deutsche Leitindex bei 12.341 Punkten, wohingegen das Tageshoch bei 12.622 lag. Schließlich ist der Handelstag und somit auch die Börsenwoche bei 12.469 zu Ende gegangen. Einmal mehr haben die Corona-Sorgen die europäischen Aktienmärkte belastet. Derzeit ist es aufgrund der starken Ausbreitung des Virus kaum vorhersehbar welche Maßnahmen seitens der Regierungen getroffen werden und wie sich das auf die Konjunktur auswirkt. Wenn die Börse eins nicht mag, dann ist das die Unsicherheit.

Auf der anderen Seite haben die US-Börsen am Freitag einen ersten Impuls gen Norden gesetzt. Dadurch hat sich auch das Blatt im Dax gewendet. Angetrieben durch starke US-Indizes konnte der Leitindex nachbörslich immerhin noch bis 12.576 ansteigen. Im Tageschart hat er folglich eine Kerze mit einer langen Lunte hinterlassen. Beim großen Bruder vom Dax dem S&P500 hat sich auf Tagesbasis sogar ein „Morning Star“ gebildet, diese Chart-Formation deutet auf eine Bodenbildung bzw. Trendumkehr hin und könnte der Startschuss für eine ausgedehnte Erholung sein.

Nicht nur die Marke von 12.750 ist diese Woche ein neuralgischer Punkt im Dax, sondern auch die 12.900 und die runde 13.000er Marke. Um das Chartbild wieder aufzuhellen, muss der Dax entsprechend per Tageschlusskurs über den jeweiligen Niveaus schließen. Demgegenüber wäre ein Rückfall unter die Marke von 12.500 ein weiteres Anzeichen für Schwäche im deutschen Leitindex.

News und fundamentale Daten

Am heutigen Montag sehen wir keine interessanten Konjunkturdaten, stattdessen könnte die Rede von EZB-Präsidentin Lagarde um 15:45 Uhr den Dax bewegen. In ihrer Ansprache äußert sie sich zur europäischen Geldpolitik, dabei spielt ihre Rhetorik eine entscheidende Rolle, da sie mit ihren Worten die Erwartungen von Analysten und Anlegern bestätigen und enttäuschen kann.

Am Dienstag steht das Verbrauchervertrauen im Blickpunkt, das als Schlüsselgröße für das Verhalten des Konsumenten und der Inflation gilt. Zuerst erscheint der Verbraucherpreisindex aus Deutschland, bevor wir das vom Conference Board erhobene US-Verbrauchervertrauen sehen. Das Highlight der Woche ist sicherlich der Mittwoch. Dann werden die Einkaufsmanagerindizes aus China veröffentlicht. Zudem erscheinen die Einzelhandelsumsätze und die Veränderung der Arbeitslosenquote aus Deutschland. Aus der Euro-Zone sehen wir außerdem noch den Verbraucherpreisindex. Darüber hinaus erscheinen die ADP-Arbeitsmarktdaten sowie das Bruttoinlandsprodukt aus den USA. Die zahlreichen Konjunkturdaten können für richtig Schwung im Dax sorgen und im positiven Fall die Erholung unterstützen.

Auch der Donnerstag ist vollgepackt mit Wirtschaftsdaten. Zuerst erscheint der wichtige Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe aus Deutschland. Danach findet das Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU statt. Zu guter Letzt sehen wir noch die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten sowie den viel beachteten ISM Einkaufsmanagerindex aus den USA. Zum Abschluss der Woche erscheint am Freitag der Verbraucherpreisindex der Euro-Zone sowie die US-Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft. Damit stehen diese Woche eine Masse an Trading-Events auf der Agenda. Nicht nur im Dax, sondern auch bei den US-Indizes, in den Devisen und bei den Edelmetallen kann es zu erhöhter Volatilität kommen.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Vorbörslich notiert der Dax knapp 200 Punkte im Plus, entsprechend geht es mit einem großen Aufwärts-Gap in die neue Handelswoche. Zur Eröffnung kann es daher erstmal einen Rücksetzer geben, bevor sich die Erholung fortsetzt. Um die begonnene Erholung von Freitagnachmittag fortzusetzen, muss der Dax die nächsten Widerstände bei 12.665 und 12.700 herausnehmen. Bei einem Anstieg über die 12.711 würde der Dax ein neues Hoch markieren und den Trend kurzfristig umkehren. Darüber wartet dann der entscheidende Widerstandsbereich zwischen 12.745 (PP R1) und 12.765 (38,2 % Retracement), dazwischen liegt noch der neuralgische Punkt bei 12.750. Schafft es der Dax den Bereich zu überwinden, dann geht es zum Tageshoch vom 24.09. bei 12.830. Ein Überschreiten der Marke wäre ein bullisches Signal und eröffnet weitere Ziele auf der Oberseite bei 12.900 und der runden 13.000er Marke.

Wie gesagt, nach einem derartig großen Gap zum Freitagsschlusskurs kann es zu einem Rücksetzer kommen. Eine erste Unterstützung liegt an der 12.620. Dort kann der Dax auch schon wieder nach oben abdrehen, ansonsten folgen die nächsten Unterstützungen bei 12.565 und am Pivot Punkt bei 12.542. Findet der Dax dort auch keinen Halt, dann folgt bei 12.500 eine wichtige Unterstützung, diese sollte er halten, um die Erholung nicht zu gefährden. Ein Unterschreiten wäre ein Zeichen der Schwäche und würde ihn zum Gap-Close bei 12.469 bringen. An dieser Stelle liegt auch eine Unterstützung aus der Bodenbildung bei 12.463. Darunter könnte es für den Dax wieder düster werden. Dann ergeben sich Ziele bei 12.341 (Tief 25.09.) und tiefer.

DAX daily: Tages- und Wochenausblick - M30-Chart - Startschuss zur Erholung

Dax Unterstützungen (US):

12.565 – Stundenchart

12.542 – Pivot Punkt

12.505 – Tagestief 21.09.

12.469 – Gap 25.09.

12.463 – US aus Bodenbildung (Tief 12.341)

12.341 – Tagestief 25.09.

12.280 – Tief 03.08.

12.209 – Tief 31.07.

12.177 – SMA200 Tagesbasis

Dax Widerstände (WS):

12.670 – vorbörsliches Hoch

12.665 – 261,8 % Extension (Tief 12.341)

12.700 – mehrfacher WS (H1)

12.745 – Pivot Punkt R1

12.750 – neuralgischer Punkt

12.765 – 38,2 % Retracement (Hoch 13.460)

12.830 – Tageshoch 24.09.

12.900 – 50 % Retracement (Hoch 13.460)

13.000 – psychologische Marke

Disclaimer

Die hier angewandte technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstigen Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen