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Ölpreis mit etwas Hoffnung nach oben?

Öl-Pumpe

Trügerischer Optimismus für den Ölpreis – so titeln wir am Freitag. Wer Hoffnung auf mehr Nachfrage nach Öl hat, und wer auf eine strukturierte Ausweitung der Fördermenge der OPEC hofft, der erlebt gerade einen „hoffnungsfrohen“ Wochenstart, um es mal so blumig auszudrücken (WTI-Öl aktuell bei 73,59 Dollar). Denn es gibt wohl nicht Schlimmeres für die Öl-Bullen als eine OPEC, die sich nicht auf Fördermengen einigt. Denn dann schwebt man in der realen Gefahr, dass viele OPEC-Mitglieder auf eigene Faust kräftig auf die Öl-Pumpe drücken, um mehr Geld in die Kassen zu bekommen.

Dass man sich als Produzent mit ungezügelter Fördermengenausweitung nur ins eigene Fleisch schneidet – dieser Lerneffekt will einfach nicht fruchten. Aber die Angst davor schwebt auch jetzt wieder über dem Ölmarkt und dem seit Monaten gestiegenen Ölpreis. Am 1., 2. und 5 Juli konnte sich die Gruppe OPEC+ (OPEC mit Russland und anderen externen Partnern) nicht auf eine koordinierte und begrenzte Fördermengenausweitung für August und die Folgemonate einigen. Damit gibt es zumindest offiziell nach jetzigem Stand gar keine höhere Fördermenge ab August.

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Aber ich meine auch heute: Es ist irrwitzig anzunehmen, dass Länder wie der Irak und viele andere bei dem hohen Ölpreis und einer anstehenden globalen Unterversorgung mit Öl einfach nur zuschauen, und nicht in Eigenregie deutlich mehr Öl pumpen. Damit könnte aus einer Unterversorgung eine Überversorgung mit Öl werden, und der Ölpreis könnte spürbar fallen. Aktuell gibt es aber zwei leicht positive Nachrichten. Die Flugpassagierzahlen in den USA haben gestern mit 2,2 Millionen ein neues Rekordhoch während der Coronakrise erreicht. Der Chart spricht für sich. Die Nachfrage nach Öl steigt logischerweise dementsprechend mit an.

Auch sollen bei der OPEC+ im Hintergrund Versuche in Gange sein eine koordinierte statt einer chaotischen Erhöhung der Fördermenge hinzubekommen. Falls es doch noch funktioniert, wäre das allemal besser, als alle Förderländer einzeln chaotisch mehr Öl pumpen zu lassen.

Dass eine koordinierte Lösung der Förderländer in der Golfregion im Sinne eines hohen Ölpreises von Nöten ist, zeigen diese aktuellen Schätzungen. Die OPEC-Fördermenge soll im Juni zwischen 480.000 und 855.000 Barrels pro Tag zugenommen haben – Anfang Juni hatte man sich darauf verständigt maximal 500.000 Barrels pro Tag mehr zu fördern. Der Wunsch mehr Öl fördern zu wollen, ist also vorhanden.



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