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Ölpreis nach 11 Dollar Absturz – Erholung und Ausblick auf OPEC

Öl-Bohrinsel im Meer

Der Ölpreis war von Donnerstag Abend bis Freitag Abend brutal eingebrochen. WTI-Öl verlor gut 11 US-Dollar von über 78 auf 67,50 Dollar im Tief. Bis heute Mittag sehen wir eine leichte Erholung auf aktuell 71,26 Dollar. Was ist hier los?

Omikron schockte Ölpreis – aber war das übertrieben?

Die Sorge vor der neuen Omikron-Variante des Coronavirus aus Südafrika schockte am Freitag den Ölmarkt. Der Ölpreis sackte parallel mit den Aktienmärkten drastisch ab. Denn wenn (wie am Freitag geschehen) die Ängste vor weltweit neuen Corona-Lockdowns stark zunehmen, erwartet man logischerweise weniger Öl-Verbrauch. Die Menschen fliegen dann nicht, benutzen deutlich weniger ihre Autos usw. Auch der allgemeine Wirtschaftsverkehr geht dann kräftig zurück. Dementsprechend erlebte der Ölpreis diesen kräftigen Abwärtsschock. Heute nun kann man diese Kurserholung mit einer technischen Gegenreaktion erklären.

Und man kann sich fragen, ob die Angst vor Omikron gleich 11 Dollar Verlust im Ölpreis wert sein soll. Noch ist es eine Angst – es wird noch ein paar Tage dauern, bis WHO und andere Experten bewerten können, ob Omikron wirklich eine drastische Gefahr darstellt, oder ob halbwegs Entwarnung gegeben werden kann. Der herbe Abverkauf am Freitag mag auch der Tatsache geschuldet gewesen sein, dass die amerikanischen Marktteilnehmer dank des verlängerten Thanksgiving-Wochenendes größtenteils abwesend waren – und bei weniger liquiden Märkten sind stärkere Kursausschläge möglich als sonst.

Blick auf die OPEC

Auch kann man die derzeitige Erholung im Ölpreis betrachten mit einer Vorausschau auf die am Donnerstag anstehende Entscheidung der OPEC. Es wird immer unwahrscheinlicher, dass die OPEC und ihre externen Partner wie Russland (Gruppe nennt sich OPEC+) wie bereits in den letzten Monaten erneut die Fördermenge ausweiten wird. Auch ohne Omikron-Angst sah man bei der OPEC bereits für das 1. Quartal 2022 einen Angebotsüberschuss an Öl auf den Weltmarkt zukommen. Nun mit dieser neuen Lockdown-Angst durch die Omikron-Variante dürfte bei der Erwartungshaltung auf der Nachfrageseite noch mehr Zurückhaltung angebracht sein, was die Sorgen vor einem Überangebot an Öl nur noch erhöht.

Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank hat den heute steigenden Ölpreis auch mit Ausblick auf die OPEC-Entscheidung in dieser Woche in seinem aktuellen Ölmarkt-Kommentar besprochen. Dass die OPEC+ die gegenwärtige Lage ernst nehme, zeigt seiner Meinung nach, dass ein für morgen vorgesehenes Treffen des Gemeinsamen Beobachtungskomittees der OPEC+ (JMMC) auf Donnerstag verschoben wurde, um die Auswirkungen der Omikron-Variante auf die Ölnachfrage und den Ölpreis genauer zu evaluieren. Vieles spreche laut den Experten der Commerzbank dafür, dass die OPEC+ die Ölproduktion zunächst nicht weiter erhöht. Wohl auch deshalb würden die Ölpreise heute steigen.



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