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Ölpreis nach dem Höllenritt – warum es aktuell aufwärts geht

Öl-Pumpe vor Dämmerung

Der Ölpreis ist derzeit wirklich extrem unberechenbar. Gestern berichteten wir von der womöglich bevorstehenden starken Volatilität. Und was heute schon vergessen scheint: Gestern gab es einen Höllenritt im WTI-Ölpreis. Nach dem tagelangen Absturz runter auf glatt 10 Dollar stieg WTI gestern schnell auf 12,61 Dollar, nur um dann wieder schnell auf 10,53 Dollar zu fallen. Von da aus ging es wieder schnell nach oben auf 13,64 Dollar. Was für Sprünge. Aber offenbar ist das die neue Realität am Öl-Markt. Und seitdem ist der Ölpreis bis heute haussiert auf aktuell 16,49 Dollar. Was ist da los?

Ölpreis steigt kräftig

Gestern noch gab es konkrete Berichte, dass große Player vom aktuellen Front-Monat am Terminmarkt (Liefertermin Juni) auf spätere Termine wie Juli und August wechseln. Das setzte den Ölpreis unter Druck. Über allem schwebt natürlich die Angst, dass das globale Überangebot an Öl so groß ist, dass die Lager überschwappen, und nach dem Mai auch der Juni-Kontrakt völlig kollabiert. Aber komischerweise ist ganz aktuell diese Angst wie weggeblasen. Immer gerne genommen bei so schnellen Anstiegen ist das Argument der Gewinnmitnahmen. Shorties, die auf dem Weg nach unten viele Dollars an Gewinnen gemacht haben, decken sich mit Käufen ein um glattzustellen, was den Ölpreis weiter nach oben treibt. Ganz aktuell notiert der WTI-Ölpreis bei 16,70 Dollar und damit 1 Dollar höher als um 16:29 Uhr, kurz bevor die Lagerbestände für Rohöl in den USA veröffentlicht wurden. Sie stiegen im Vergleich zur Vorwoche um 9 Millionen Barrels (der 14. Anstieg in Folge). Eigentlich eine Katastrophe, aber hey… das waren gut zwei Millionen Barrels weniger als erwartet. Man greift als Öl-Bulle aktuell offenbar nach jedem Strohhalm!

Zwei Hoffnungen – Achtung, Vorsicht!

Warum der Ölpreis wohl seit gestern grundsätzlich haussiert? Nun, da wäre zum Beispiel die Hoffnung, dass sich die Öl-Förderländer und private Unternehmen weltweit wirklich alle konsequent beteiligen an den großen Fördermengenkürzungen. Heute zum Beispiel gab es so eine Aussage aus Russland, dass man sich zu 100 Prozent an seine Kürzungszusagen halten werde. Und dann wäre da aktuell die Hoffnung auf eine schneller beginnende Wiedereröffnung der US-Volkswirtschaft als bisher gedacht. Wenn ein Leitmedium wie CNBC dies in den USA hervorhebt, dann hat das eine Wirkung! Wir meinen: Der Ölpreis-Anstieg sei den Öl-Bullen gegönnt.

Aber man bedenke: Die Fördermengenkürzungen sind schon lange im Ölpreis berücksichtigt worden. Und der Markt zeigte durch seine brutalen Kursabstürze der letzten Tage, dass er diese Kürzungen als viel zu gering erachtet. Warum nun wegen konsequentem Einhalten dieser Kürzungszusagen der Ölpreis wieder haussieren soll? Na ja… und die Hoffnung auf ein Wiederhochfahren der allgemeinen wirtschaftlichen Tätigkeit… das ist wohl eher eine Frage für Philosophen? Da steckt viel Hoffnung drin im aktuellen Kursanstieg. Diese Hoffnung kann auch morgen schnell wieder verfliegen, und der Ölpreis abstürzen. Aber bei dem verrückten Markt, da kann die Hausse genau so gut weiter laufen Richtung 20 Dollar? Bilden Sie sich bitte ihre eigene Meinung.

Ölpreis WTI seit dem 23. April
WTI-Ölpreis seit dem 23. April.



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7 Kommentare

  1. Nichts fällt ewig, die Erholung ist technischer Natur

  2. Auf zur 100 ! Bis Jahresende

  3. Ölcrash – Von der Mücke zum Elefanten – und zurück
    Mensch Leute, nun hört auf zu gackern und zu schnattern. Kommt zurück in die Realität !
    Was ist in Wirklichkeit passiert ? Hier die Antwort, unterlegt mit Fakten:

    – Der Mai-Kontrakt im CL hatte seinen last Trading Day am Dienstag, den 21. April.
    – Die Roll Over Prozeduren von Mai in den Juni Futures waren grösstenteils nach der ersten Maiwoche längst abgeschlossen, ein kleiner Rest erfolgte in der zweiten Maiwoche
    – Die zugehörigen Optionen wurde am Donnerstag, den 16. April abgerechnet.
    – Eine immense Zahl offener Kontrakte sowohl bei Puts wie bei Calls lagen auf dem Strike von 20 Dollar.
    – Professionelle Händler hatten ein gewichtiges Interesse an einem Settlement in der Nähe dieses Strikes von 20 Dollar
    – Kaum ein Profi und so gut wie kein Commercial, der klar bei Sinnen ist, handelt den Frontmonat über den Optionsverfall hinaus.
    – Die drei Tage Nach dem Optionsverfall waren ein Spielfeld von Zockern, Amateuren und hoffnungsvollen, jedoch naiven Spekulanten.
    – Und nun dürft ihr raten, auf welchem Preis das Settlement am Donnerstag lag ? – Zwanzig Dollar. Was für ein Zufall :-)
    – Um welche Mengen Öl ging es überhaupt an besagtem Crash Tag ? – Antwort: Es war so wenig, dass es in einen normalen Tanker passte.
    Relativ betrachtet also ein Witz.
    Fazit: Ein Haufen Zocker war am Werk und hat etwas ausgelöst, was spektakulär klingt und medienwirksam in epischer Breite ausgewalzt wurde.
    Plötzlich fühlte sich jeder berufen, den Untergang des nächsten Futures schreckgespenstisch an die Wand zu malen.

    Folge: Ein Unzahl von Händlern sprangen auf den Short-Zug auf und gingen entweder den Futures short oder den USO ETF.
    Folge: Die Profis jubelten über die Zunahme an Liquidität und damit über die herrlich einfach gewordene Möglichkeit günstig in noch weiter entfernte Futures zu switchen:
    Risikoverlagerung par excellence :-)

    Also Leute… Das wird nichts mit „ungespitzt-in-den-Boden rammen“ beim Juni Future, genausowenig, wie es beim Mai Kontrakt der Fall gewesen ist.
    Wie gesagt, das Settlement am Donnerstag lag bei ziemlich genau 20 Dollar.
    Übrigens – Wer jetzt nachschaut, der darf nicht den Continuous kontrakt ansehen (der ist ‚back adjusted‘)

    Und nun schaut einmal, auf welchem Strike die grösste Anzahl Open Interest der Optionen des aktuellen Juni liegt: wieder bei 20 Dollar.
    Bis zu diesem Termin sind es noch fünfzehn Kalendertage. Was danach kommt ist den Commercials egal. Das kann ein „Höllenritt“ werden oder ein Himmelfahrtsereignis.
    Bestenfalls ist es Grosses Kino. Praktische Bedeutung hat es so gut wie keine.
    Mein Tipp: Vorsicht mit short trades im Öl !

    1. Vielen Dank für Ihre Infos

  4. wenn jeder Ölproduzent von sich aus reduziert ( Norwegen ist gerade dabei)
    dann wird in 2-3 Monaten Angebot und Nachfrage gleich sein.
    Man macht „kurzfristig“ Verluste, die werden jedoch durch höhere Preise zum Jahresende und besonders 2021/22 wieder reingeholt.

    Nächstes Jahr könnte E10 die 2€ Marke an der Tanke schaffen

  5. Langfristig 10-30 Jahre ist Öl ein Auslaufmodel, und wird „billig“ bleiben. Das es auf 100 Dollar hochschiesst sehe ich eher temporär.

    Energiewende bedeutet nicht nur Regenerative Energien sondern auch Reduzierung der Nachfrage von Energie, besonders Öl.

    Die Chemische Industrie wird öl noch lange brauchen.

  6. Pingback: Oil price continues to rise in hell | En24 News

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