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Märkte

Ölpreis nach dem Höllenritt – warum es aktuell aufwärts geht

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Öl-Pumpe vor Dämmerung

Der Ölpreis ist derzeit wirklich extrem unberechenbar. Gestern berichteten wir von der womöglich bevorstehenden starken Volatilität. Und was heute schon vergessen scheint: Gestern gab es einen Höllenritt im WTI-Ölpreis. Nach dem tagelangen Absturz runter auf glatt 10 Dollar stieg WTI gestern schnell auf 12,61 Dollar, nur um dann wieder schnell auf 10,53 Dollar zu fallen. Von da aus ging es wieder schnell nach oben auf 13,64 Dollar. Was für Sprünge. Aber offenbar ist das die neue Realität am Öl-Markt. Und seitdem ist der Ölpreis bis heute haussiert auf aktuell 16,49 Dollar. Was ist da los?

Ölpreis steigt kräftig

Gestern noch gab es konkrete Berichte, dass große Player vom aktuellen Front-Monat am Terminmarkt (Liefertermin Juni) auf spätere Termine wie Juli und August wechseln. Das setzte den Ölpreis unter Druck. Über allem schwebt natürlich die Angst, dass das globale Überangebot an Öl so groß ist, dass die Lager überschwappen, und nach dem Mai auch der Juni-Kontrakt völlig kollabiert. Aber komischerweise ist ganz aktuell diese Angst wie weggeblasen. Immer gerne genommen bei so schnellen Anstiegen ist das Argument der Gewinnmitnahmen. Shorties, die auf dem Weg nach unten viele Dollars an Gewinnen gemacht haben, decken sich mit Käufen ein um glattzustellen, was den Ölpreis weiter nach oben treibt. Ganz aktuell notiert der WTI-Ölpreis bei 16,70 Dollar und damit 1 Dollar höher als um 16:29 Uhr, kurz bevor die Lagerbestände für Rohöl in den USA veröffentlicht wurden. Sie stiegen im Vergleich zur Vorwoche um 9 Millionen Barrels (der 14. Anstieg in Folge). Eigentlich eine Katastrophe, aber hey… das waren gut zwei Millionen Barrels weniger als erwartet. Man greift als Öl-Bulle aktuell offenbar nach jedem Strohhalm!

Zwei Hoffnungen – Achtung, Vorsicht!

Warum der Ölpreis wohl seit gestern grundsätzlich haussiert? Nun, da wäre zum Beispiel die Hoffnung, dass sich die Öl-Förderländer und private Unternehmen weltweit wirklich alle konsequent beteiligen an den großen Fördermengenkürzungen. Heute zum Beispiel gab es so eine Aussage aus Russland, dass man sich zu 100 Prozent an seine Kürzungszusagen halten werde. Und dann wäre da aktuell die Hoffnung auf eine schneller beginnende Wiedereröffnung der US-Volkswirtschaft als bisher gedacht. Wenn ein Leitmedium wie CNBC dies in den USA hervorhebt, dann hat das eine Wirkung! Wir meinen: Der Ölpreis-Anstieg sei den Öl-Bullen gegönnt.

Aber man bedenke: Die Fördermengenkürzungen sind schon lange im Ölpreis berücksichtigt worden. Und der Markt zeigte durch seine brutalen Kursabstürze der letzten Tage, dass er diese Kürzungen als viel zu gering erachtet. Warum nun wegen konsequentem Einhalten dieser Kürzungszusagen der Ölpreis wieder haussieren soll? Na ja… und die Hoffnung auf ein Wiederhochfahren der allgemeinen wirtschaftlichen Tätigkeit… das ist wohl eher eine Frage für Philosophen? Da steckt viel Hoffnung drin im aktuellen Kursanstieg. Diese Hoffnung kann auch morgen schnell wieder verfliegen, und der Ölpreis abstürzen. Aber bei dem verrückten Markt, da kann die Hausse genau so gut weiter laufen Richtung 20 Dollar? Bilden Sie sich bitte ihre eigene Meinung.

Ölpreis WTI seit dem 23. April
WTI-Ölpreis seit dem 23. April.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Realist_

    29. April 2020 17:40 at 17:40

    Nichts fällt ewig, die Erholung ist technischer Natur

  2. Avatar

    Torsten

    29. April 2020 18:36 at 18:36

    Auf zur 100 ! Bis Jahresende

  3. Avatar

    Segler

    29. April 2020 19:58 at 19:58

    Ölcrash – Von der Mücke zum Elefanten – und zurück
    Mensch Leute, nun hört auf zu gackern und zu schnattern. Kommt zurück in die Realität !
    Was ist in Wirklichkeit passiert ? Hier die Antwort, unterlegt mit Fakten:

    – Der Mai-Kontrakt im CL hatte seinen last Trading Day am Dienstag, den 21. April.
    – Die Roll Over Prozeduren von Mai in den Juni Futures waren grösstenteils nach der ersten Maiwoche längst abgeschlossen, ein kleiner Rest erfolgte in der zweiten Maiwoche
    – Die zugehörigen Optionen wurde am Donnerstag, den 16. April abgerechnet.
    – Eine immense Zahl offener Kontrakte sowohl bei Puts wie bei Calls lagen auf dem Strike von 20 Dollar.
    – Professionelle Händler hatten ein gewichtiges Interesse an einem Settlement in der Nähe dieses Strikes von 20 Dollar
    – Kaum ein Profi und so gut wie kein Commercial, der klar bei Sinnen ist, handelt den Frontmonat über den Optionsverfall hinaus.
    – Die drei Tage Nach dem Optionsverfall waren ein Spielfeld von Zockern, Amateuren und hoffnungsvollen, jedoch naiven Spekulanten.
    – Und nun dürft ihr raten, auf welchem Preis das Settlement am Donnerstag lag ? – Zwanzig Dollar. Was für ein Zufall :-)
    – Um welche Mengen Öl ging es überhaupt an besagtem Crash Tag ? – Antwort: Es war so wenig, dass es in einen normalen Tanker passte.
    Relativ betrachtet also ein Witz.
    Fazit: Ein Haufen Zocker war am Werk und hat etwas ausgelöst, was spektakulär klingt und medienwirksam in epischer Breite ausgewalzt wurde.
    Plötzlich fühlte sich jeder berufen, den Untergang des nächsten Futures schreckgespenstisch an die Wand zu malen.

    Folge: Ein Unzahl von Händlern sprangen auf den Short-Zug auf und gingen entweder den Futures short oder den USO ETF.
    Folge: Die Profis jubelten über die Zunahme an Liquidität und damit über die herrlich einfach gewordene Möglichkeit günstig in noch weiter entfernte Futures zu switchen:
    Risikoverlagerung par excellence :-)

    Also Leute… Das wird nichts mit „ungespitzt-in-den-Boden rammen“ beim Juni Future, genausowenig, wie es beim Mai Kontrakt der Fall gewesen ist.
    Wie gesagt, das Settlement am Donnerstag lag bei ziemlich genau 20 Dollar.
    Übrigens – Wer jetzt nachschaut, der darf nicht den Continuous kontrakt ansehen (der ist ‚back adjusted‘)

    Und nun schaut einmal, auf welchem Strike die grösste Anzahl Open Interest der Optionen des aktuellen Juni liegt: wieder bei 20 Dollar.
    Bis zu diesem Termin sind es noch fünfzehn Kalendertage. Was danach kommt ist den Commercials egal. Das kann ein „Höllenritt“ werden oder ein Himmelfahrtsereignis.
    Bestenfalls ist es Grosses Kino. Praktische Bedeutung hat es so gut wie keine.
    Mein Tipp: Vorsicht mit short trades im Öl !

    • Avatar

      Shong09

      1. Mai 2020 00:08 at 00:08

      Vielen Dank für Ihre Infos

  4. Avatar

    Torsten

    1. Mai 2020 08:35 at 08:35

    wenn jeder Ölproduzent von sich aus reduziert ( Norwegen ist gerade dabei)
    dann wird in 2-3 Monaten Angebot und Nachfrage gleich sein.
    Man macht „kurzfristig“ Verluste, die werden jedoch durch höhere Preise zum Jahresende und besonders 2021/22 wieder reingeholt.

    Nächstes Jahr könnte E10 die 2€ Marke an der Tanke schaffen

  5. Avatar

    Torsten

    1. Mai 2020 08:41 at 08:41

    Langfristig 10-30 Jahre ist Öl ein Auslaufmodel, und wird „billig“ bleiben. Das es auf 100 Dollar hochschiesst sehe ich eher temporär.

    Energiewende bedeutet nicht nur Regenerative Energien sondern auch Reduzierung der Nachfrage von Energie, besonders Öl.

    Die Chemische Industrie wird öl noch lange brauchen.

  6. Pingback: Oil price continues to rise in hell | En24 News

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Finanznews

Aktienmärkte: Tech-Aktien wieder schwach – Zufall? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

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am

Auch heute sind es wieder die relativ schwachen Tech-Aktien, die die amerikanischen Aktienmärkte belasten. Ist das Zufall? Oder vielmehr eine Folge der Ent-Hebelung, die nun am großen Verfallstag seine Fortsetzung findet? Die große Frage ist und bleibt: wieviel der Ent-Hebelung hat bereits stattgefunden? Die Optionen auf US-Aktien verfallen heute um 22Uhr – die Folgewirkungen des Verfalls könnten dann aber vor allem Anfang nächster Woche auf die Aktienmärkte wirken. So oder so: value-Aktien laufen gegenüber growth-Aktien so gut wie seit dem Jahr 2001 nicht mehr – die Rotation raus aus den Tech-Werten geht also weiter. Derzeit viel stärker – auch das wohl kein Zufall – ist im Vergleich zum Nasdaq der Dax..

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Aktien

Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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Von

Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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Rüdiger Born: Positionieren kurz vor dem Wochenende? Und wohin mit Gold?

Rüdiger Born

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Soll man so kurz vor dem Wochenende noch neue Positionen aufbauen? Dazu will ich mich im folgenden Video äußern in Sachen Indizes, Gold und Silber. Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

„Kaffeesatzleserei“, „Hokuspokus“, „alles Zufall“… viele Akteure an den Finanzmärkten haben eine völlig falsche Vorstellung von der Charttechnik und verzweifeln, sollte es gute technische Argumente für beide Richtungen geben. Das Problem: es wird nicht unterschieden zwischen Analysten, die eine Meinung vertreten und Händlern, die den Markt handeln. Wie ein Händler zu sinnvollen Entscheidungen kommt, zeigt der folgende Beitrag am Beispiel des Gold-Charts.

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