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Märkte

Ölpreis springt durch die Nachrichtenflut – welcher ALGO soll das verarbeiten?

Claudio Kummerfeld

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am

Ölpumpe Beispielbild

Börsianer wissen: Bedeutende Teile der Handelsvolumen werden von autonom laufenden Computerprogrammen erbracht (Algorithmen oder abgekürzt auch als ALGOS bezeichnet), und das nicht nur bei Rohstoffen. Je nach Markt beherrschen sie das kurzfristige Handelsgeschehen, mal mehr, mal weniger. Menschen programmieren diese ALGOS auf bestimmte Ereignisse. Passiert dies und jenes, soll der ALGO binnen Bruchteilen von Sekunden eine bestimmte Handelsstrategie in einem Index, einer Währung, einem Rohstoff usw ausführen. So wird auch der Ölpreis rauf und runter gejagt.

Aber so schnell wie Öl aktuell rauf und runter springt, und so schnell wie die Nachrichten zum Beispiel heute auf den Ölmarkt einprasseln… da darf die Frage erlaubt sein: Welcher ALGO soll das verarbeiten und dann noch in sinnvolle Trades umsetzen können? Es ist gut denkbar, dass das heutige Chaos im Ölpreis auch mit dadurch verursacht wird, dass die ALGOS verrückt spielen, weil sie nicht mehr wissen, welche Nachrichten wie gewichtet werden sollen. Und auch darf man wohl fragen, ob die ALGOS grundsätzlich überhaupt noch in der Lage sind einige Ereignisse zu verarbeiten und zu interpretieren.

Nachrichtenlage überflutet den Ölmarkt

Gestern kamen chinesische Importdaten auf den Tisch, die den fünften Monat in Folge rückläufig waren. Heute melden die Chinesen, dass die Erzeugerpreise im September so stark gefallen sind wie seit drei Jahren nicht mehr. Dann gab es heute erst Meldungen aus China, dass man die Sichtweise von Donald Trump von seiner PK von Freitag Abend teile (toller Handelsdeal mit China). Dann folgten zwei Stunden später Aussagen aus China, dass man die USA dazu auffordere doch bitte erstmal Zölle gegen China abzuschaffen. Dazu kam um 11 Uhr noch der deutsche ZEW-Index, der zwar schlecht ausfiel, aber nicht so schlecht wie erwartet.

Ach ja. Und dann kommt mal ganz nebenbei noch der Generalsekretär der OPEC. Heute hat er sich in einer Rede zu den Fördermengenkürzungen des Kartells geäußert. Die OPEC und ihre Partner (vor allem Russland) würden sich dazu verpflichten auch nach 2020 die Stabilität am Ölmarkt zu gewährleisten. Gut, so eine Aussage zwei Monate vor dem offiziellen OPEC-Treffen in Wien ist wohl eher allgemeiner Natur. Dennoch ist so eine Aussage natürlich eher bullisch für den Ölpreis, weil damit klar wird, dass das Kartell wohl auch nächstes Jahr Mengen kürzen will, oder zumindest die jetzigen Kürzungen fortsetzen will. Nochmal: Welcher von Menschen programmierte ALGO soll diese Flut an Nachrichten sinnvoll in Trades umsetzen? Ach ja, und ganz frisch vor wenigen Augenblicken hat mal eben noch kurz der IWF seine Wachstumsaussichten für die globale Konjunktur gesenkt auf den schlechtesten Wert seit der Finanzkrise.

Ölpreis fällt und steigt

Das Resultat sieht man aktuell im Auf und Ab am Ölmarkt. Der WTI-Ölpreis (im Chart seit gestern Abend) war gestern bis heute früh tendenziell weiter fallend. Als dann heute früh der Abrutscher kam ab 10:45 Uhr deutscher Zeit von 53,30 auf 52,37 Dollar, dachten wohl viele Trader: Phantastisch, der Markt rauscht immer weiter runter, wir gehen auch short. Tja, und dann? Dann kam die Gegenbewegung. Bis jetzt ist dieser Abrutscher komplett ausgeglichen worden.

WTI Ölpreis Verlauf seit gestern Abend

Im etwas größeren Bild (Verlauf seit 4. September) sieht man, dass der Ölpreis immer noch in einer fallenden Gesamttendenz läuft. Ist die Bewegung in den letzten zehn Tagen eine Art Bodenbildung? Puuhhhhhh, dafür ist die Lage immer noch viel zu wackelig. Nachdem die Chinesen wieder Probleme machen, könnte Donald Trump schnell wieder negativ auf den Ölpreis einwirken, mit einem neuen Grantler-Tweet? Möglich ist alles. Ach ja… gestern waren in den USA die Börsen zwar offen, aber es war ein Bankfeiertag. Deswegen werden die API-Daten für Rohöllager in den USA erst morgen Abend verkündet, und die staatlichen Lagerbestände erst am Donnerstag um 17 Uhr deutscher Zeit. Nach aktuellen Marktgerüchten könnten die Lagerbestände weiter ansteigen. Bringt dieses wahrscheinlich weiter steigende Überangebot und/oder dieser Nachweis einer Nachfrageschwäche einen weiter fallenden Ölpreis?

Ölpreis WTI seit 4. September

Anmerkung: Da gab es wohl Chaos in den Terminkalendern der Datenanbieter. Erst sollten die EIA-Daten trotz Feiertag in den USA am Mittwoch veröffentlicht werden, nun ist es doch wieder der Donnerstag geworden um 17 Uhr deutscher Zeit.

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Gold/Silber

World Gold Council meldet für 2020 Rekordzahlen – positive wie negative

Jörg Bernhard

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am

Ein Barren Gold

Der Goldpreis performte im vergangenen Jahr mit plus 24,6 Prozent ausgesprochen gut. In den einzelnen Marktsegmente entwickelte sich die weltweite Nachfrage nach Gold allerdings eher uneinheitlich.

Rekordhohe Zuflüsse bei ETFs

Der World Gold Council (WGC), die Interessenvertretung internationaler Goldminenunternehmen, liefert alle drei Monate interessante Daten zum Goldmarkt. Diesmal standen Zahlen zum vierten Quartal bzw. zum Gesamtjahr 2020 zur Bekanntgabe an. Grundsätzlich kann man festhalten: Zu verdanken war die starke Performance im Goldpreis vor allem stark verunsicherten Investoren (unter Joe Biden wird es nicht einfach – mehr dazu hier).

Bei physisch hinterlegten Gold-ETFs (Begriffserklärung hier) fiel das weltweite Kaufinteresse besonders stark ins Gewicht. Obwohl im vierten Quartal Abflüsse in Höhe von 130 Tonnen zu Buche schlugen, haben sich auf Jahressicht die Goldbestände dieser Wertpapiere um 120 Prozent auf 877,1 Tonnen erhöht. Damit wurde zudem der bisherige Rekord aus dem Jahr 2009 (646,1 Tonnen) deutlich übertroffen. Bergauf ging es aber auch mit dem Interesse an Goldbarren bzw. -münzen, wenngleich deutlich weniger dynamisch. Weil in China (-6 Prozent) und Indien (-11 Prozent) deutliche Rückgänge zu verzeichnen waren, war hier insgesamt lediglich ein Zuwachs um drei Prozent auf 896,1 Tonnen verzeichnet worden.

Rekordtief bei der globalen Schmucknachfrage

Ausgesprochen schlecht entwickelte sich im vergangenen Jahr jedoch die Schmucknachfrage. In diesem Marktsegment stellte sich nämlich corona-bedingt ein kräftiger Nachfrageeinbruch bei Gold in Höhe von 34 Prozent auf das Rekordtief von 1.411,6 Tonnen ein. Die beiden wichtigsten Nachfragenationen China (-35 Prozent) und Indien (-42 Prozent) waren hierfür hauptverantwortlich.

Nachlassendes Interesse war aber auch im Notenbankensektor zu beobachten. Nachdem sich die Nettokäufe der Zentralbanken im Jahr 2019 noch auf 668,5 Tonnen belaufen haben, gab es für das vergangene Jahr mit 272,9 Tonnen Gold einen markanten Einbruch um 59 Prozent zu beklagen. Bei der Industrienachfrage überwogen ebenfalls die negativen Vorzeichen. Gegenüber den Vorjahreszahlen stellte sich in diesem Marktsegment ein Minus von sieben Prozent auf 301,9 Tonnen ein.

Last but not least: Auf der Angebotsseite in Gold gab es für 2020 – bedingt durch die Pandemie – trotz des steigenden Goldpreises einen Rückgang des globalen Goldangebots um vier Prozent auf 4.633,1 Tonnen zu beklagen. Während im Recyclingsektor (+ 1 Prozent) leichte Zuwächse erzielt wurden, haben die Lockdowns in der Minenproduktion (-4 Prozent) signifikante Einbußen verursacht.

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Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – das Problem mit den aktuellen Zockereien

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Er bespricht die Zockereien der letzten Tage, und warum dies im großen Bild gesehen ein Problem für die Börse ist.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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Aktien

Kleinanleger verprügeln Short-Seller – Werbung

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Lieber Börsianer,

kennen Sie eigentlich schon das neue Online-Spiel, das seit einigen Tagen mit wachsender Begeisterung in den USA gespielt wird? Es heißt „Hau den Short-Seller“. Für den Fall, dass Sie auch einmal mitmachen möchten, hier kurz die Spielregeln.

In der Reddit-Gruppe „Wall Street Bets“ (Wall Street Wetten) einigen Sie sich mit Ihren Mitspielern – rund 3,5 Millionen sind dort derzeit – darauf, dass alle ein und dieselbe Aktie kaufen. Vor einigen Tagen vereinbarte man dort den konzertierten Kauf der Aktie des US-Einzelhändlers GameStop. Dem Unternehmen, das Videospiele in einigen tausend stationären Niederlassungen in den USA verkauft, geht es aufgrund des Lockdowns gar nicht gut. Am Markt gehen Gerüchte um eine bevorstehende Insolvenz um.

Deshalb haben diverse Hedgefonds diese Aktie leerverkauft bzw. geshortet. Diese Short-Seller sind übrigens Ihre Gegenspieler, die Sie aus der Aktie drängen möchten. Sie geben also mit Ihren digitalen Freunden von Reddit solange Kaufkraft in die Aktie, bis die Short-Seller richtig quietschen. Am Ende kippt der Short-Seller dann um und stellt seine Short-Position glatt. Zu Deutsch: Er muss nun ebenfalls die Aktie kaufen. Spätestens dann wird das Spiel für Sie richtig lustig.

Börsianer bezeichnen ein solches Phänomen, wenn der Short-Seller plötzlich auf die Käuferseite wechseln muss, auch als Short-Squeeze. Das Ergebnis: Die Aktie der GameStop legte gestern um 134 % zu. Auf Wochensicht liegt der US-Nebenwert mit 783 % im Plus.

Die Reddit-Gruppe hat daneben bereits die Aktie des US-Kinobetreibers AMC Entertainment hochgekauft (566 % in einer Woche) und damit den Short-Seller Melvin Capital zur Strecke gebracht. In der Branche wird gerade…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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