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Ölpreis fällt 10 Dollar in 24 Stunden – schlagartig Angst im Markt

Die Angst ist im Markt. Deswegen konnte der Ölpreis in den letzten 24 Stunden im Börsenhandel um 10 Dollar fallen. Hier die aktuelle Lage.

Öl-Pumpe

Der Ölpreis ist am Freitag kräftig gefallen, und zeigt auch heute weiter Schwäche. Klammert man das handelsfreie Wochenende aus, hat amerikanisches WTI-Öl von Freitag Mittag bis jetzt – also in gerade mal 24 Stunden – gut 10 Dollar verloren von über 117 Dollar auf aktuell 107,39 Dollar. Das war der stärkste Tagesverlust seit März! Das europäische Brent-Öl verliert von 119,60 Dollar auf aktuell 112,28 Dollar.

Ölpreis fällt kräftig – die Angst geht um

Man sieht: Während das amerikanische WTI-Öl seit Freitag Mittag 10 Dollar verliert, ist es im europäischen Brent-Ölpreis „nur“ ein Verlust von gut 7 Dollar. Das ist ein deutliches Indiz dafür, woher der Wind weht. Die Angst ist da, dass die Federal Reserve durch kräftige Zinsanhebungen die Konjunktur in den USA abwürgt, und eine Rezession auslöst. Das GDPNOW-Modell der Atlanta Fed sagt inzwischen auch eine Rezession für die USA voraus. Durch eine Rezession würde die Nachfrage nach Öl in den USA sinken. Dieses Szenario preist man am Terminmarkt jetzt schon mal ein, auch wenn das Nachlassen der Öl-Nachfrage noch nicht vorhanden ist. Erst letzten Mittwoch hatte die Fed die Zinsen um 75 Basispunkte angehoben, und für die nächsten Termine sind erneut kräftige Zinsanhebungen vorgesehen.

Dadurch verteuern sich die Kreditzinsen in den USA immens. Wie stark die Zinswende in den USA schon jetzt auf die Konjunktur drückt, kann man am US-Häusermarkt erahnen. Letzte Wochen stiegen nämlich die US-Hypothekenzinsen binnen einer Woche von 5,23 auf 5,78 Prozent – der stärkste Wochenanstieg in einer Woche. Bei dramatisch schnell steigenden Zinsen werden die Amerikaner massenhaft die Lust verlieren Häuser kaufen zu wollen, ganz abgesehen vom sonstigen Konsum auf Pump, der sich extrem verteuert. Weniger Autos, weniger Häuser, weniger Fahrten ins Grüne, weniger von allem – die Öl-Nachfrage und der Ölpreis könnten leiden.

Expertenkommentar

Laut aktueller Aussage des Experten Carsten Fritsch von der Commerzbank begründet sich dieser massive Absturz im Ölpreis in durch eine „verspätete Reaktion auf die Rezessionssorgen“, die bei anderen Rohstoffen schon länger auf den Preisen lastet (siehe Industriemetalle). Der rasante Zinsanstieg der vergangenen Wochen, der letzte Woche seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte, schürt laut Aussage von Carsten Fritsch Sorgen vor einer merklichen konjunkturellen Abkühlung, die auch an der Ölnachfrage nicht spurlos vorübergehen würde. Ob sich die Ölnachfrage im nächsten Jahr so dynamisch entwickeln wird wie von der IEA erwartet, bleibe daher abzuwarten. Für das zweite Halbjahr würden die Prognosen der IEA ohnehin ein Überangebot an Öl nahelegen, das bei einer schwächeren Nachfrage noch größer ausfallen könnte.

Carsten Fritsch sagt in klaren Worten, dass man sich bei den Experten der Commerzbank „mit der Prognose wohl fühlt“, dass der Brent-Ölpreis bis zum Jahresende unter die Marke von 100 US-Dollar je Barrel fallen dürfte. Er erwähnt auch ein für diese Woche in den USA angesetztes Treffen von Energieministerin Granholm mit Vertretern der Raffinerieindustrie. Hintergrund sind die rekordhohen Tankstellenpreise für Benzin, die in der letzten Woche im landesweiten Durchschnitt 5 US-Dollar je Gallone erreichten. US-Präsident Biden hatte daraufhin in einem offenen Brief den Raffineriebetreibern vorgeworfen, nicht genug Benzin zu produzieren und für die rekordhohen Verarbeitungsmargen für Benzin verantwortlich zu sein. Der jüngste Rückgang im Ölpreis sollte laut Carsten Fritsch zu einer gewissen Entspannung auch bei den Benzinpreisen führen.

Rezessionsangst gegen Verknappungssorgen

Im folgenden TradingView Chart sehen wir den Kursverlauf im WTI-Ölpreis seit Jahresanfang. In diesem größeren Bild wirkt der aktuelle Rückschlag noch nicht so groß. In den letzten Tagen gab es schon mal einen Rückfall bei Öl aufgrund von Rezessionsängsten. Aber die Verknappungsängste wegen dem Ölembargo gegenüber Russland, das weiterhin knappe Öl-Angebot der OPEC, und die sich möglicherweise erholende Nachfrage nach Öl in China trieben den Ölpreis wieder hoch. Aktuell schaut der Ölmarkt auf die Rezessionsangst speziell in den USA. Behält dieses Thema die nächsten Tage die Oberhand, ist ein weiter fallender Ölpreis möglich.

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5 Kommentare

  1. Und wenn die Kette, russisches Öl nach Indien und wieder zurück in die EU, rund läuft, dann geht es ja auch wieder.
    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Helmut, das wird erst dann möglich, wenn die Vernunft (Marktwirtschaft) sich gegen Ideologie (Politik) durchsetzt.
      Momentan gibt es nicht mal Anzeichen dieser Rebelion

  2. Die USA sind die größte Volkswirtschaft der Welt. Deren weitere Entwicklung im Zusammenhang mit dem Ölpreis bleibt abzuwarten.

  3. 2 CT. der Liter Benzin billiger.
    Beim Endverbraucher kommen die 10 US-DOLLAR nicht ganz an.

    1. Tanken sie Benzin barrel weise?

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