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Ölpreis fällt deutlich wegen China-Daten – Vorsicht vor Embargo-Szenario

Öl-Pumpe

Der Ölpreis fällt heute deutlich. WTI-Öl fällt seit heute früh um mehr als 3 Dollar auf aktuell 101,31 Dollar. Freitag Abend notierte die amerikanische Ölsorte noch über 107 Dollar.

China-Daten drücken Ölpreis kurzfristig runter

Heute ist die Schwäche bei Öl zurückzuführen auf Wirtschaftsdaten aus China. Je geringer die wirtschaftliche Aktivität, desto geringer wird logischerweise auch die Nachfrage nach Öl sein. Dementsprechend kann der Ölpreis zurückkommen, wenn dieses gigantische Verbrauchsland – wie jetzt geschehen – weniger Aktivität meldet. Denn die Einkaufsmanagerindizes (PMI) aus China für das verarbeitende Gewerbe für den Monat April sind weiter in den kontraktiven Bereich (Werte unter 50) gerutscht. Der offizielle PMI liegt 47,4, der Private von Caixin bei 46 Punkten. In beiden Fällen ist dies der niedrigste Wert seit dem Einbruch wegen der Corona-Pandemie vor zwei Jahren.

Damoklesschwert Öl-Embargo über dem Markt

Auf der anderen Seite hängt ein mögliches europäisches Öl-Embargo gegen Russland als Szenario über dem Ölmarkt. Falls dieses Embargo umgesetzt wird, macht der Ölpreis dann eine starke Aufwärtsbewegung? Möglich wäre es. Aber wie weit der Markt so ein Szenario in den letzten Monaten schon eingepreist hat, das ist unmöglich vorherzusehen.

Der Rohstoffexperte Carsten Fritsch sprichtnbezüglich des Hin und Her im Ölpreis in den letzten Wochen von sich „gegenseitig neutralisierenden Einflussfaktoren“. Er spricht in seiner heutigen Analayse auch davon, dass sich die EU offenbar in Richtung eines Ölembargos gegen Russland bewegt. Wie zwei EU-Diplomaten nach Gesprächen zwischen der EU-Kommission und den EU-Mitgliedsstaaten am Wochenende sagten, laufe es auf ein Einfuhrstopp für russisches Öl bis zum Jahresende hinaus. Heute treffen sich die Energieminister der EU in Brüssel, um über dieses Thema zu beraten.

Eine Entscheidung über ein mögliches Öl-Embargo gegen Russland ist laut Carsten Fritsch noch nicht zu erwarten, da einige Länder mit hoher Abhängigkeit von russischen Öllieferungen wie Österreich, Ungarn, Italien und die Slowakei noch Vorbehalte haben. Deutschland hatte seinen Widerstand zuletzt aufgegeben, da seine Importabhängigkeit von russischem Öl laut Wirtschaftsminister Habeck auf 12 Prozent reduziert werden konnte. Jetzt wirbt Deutschland sogar aktiv für das Embargo, wie aktuellste Berichte zeigen.

Kommt das Embargo, werden europäische Käufer es auf dem Weltmarkt schwerer haben an Öl zu kommen. Sie werden es wohl schaffen, aber wie es nun mal ist auf einem freien Markt – fällt ein großer Verkäufer weg, reiben sich die anderen Verkäufer die Hände und heben die Preise an – wenn man nämlich weiß, dass da viele kaufwillige Kunden sind, die dringend kaufen müssen. Letzte Woche noch war der Ölpreis im Aufwind unter genau diesem Einfluss eines drohenden Embargos. Die Stimmung am Ölmarkt kann sich schnell wieder drehen hin zu diesem Szenario.

WTI-Ölpreis im Verlauf der letzten zehn Tage WTI-Ölpreis im Verlauf der letzten zehn Tage.



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1 Kommentar

  1. Ungarn hat einerseits das Veto gegen ein russisches Öl-Embargo in Brüssel zurückgezogen. Gleichzeitig erklärt der Kanzleramtschef in Budapest, daß Ungarn weiterhin russisches Erdöl beziehen werde. Im Gespräch ist ein russisches Öl-Embargo von seiten der EU, mit Ausnahmen für Ungarn. Der Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz geht davon aus, daß die PCK-Raffinerie in Schwedt nicht unbedingt russisches Erdöl benötige, und somit Öl auch aus anderen Quellen beziehen könne. In diesem Zusammenhang gibt es eine Novelle des Energiesicherungsgesetzes, welche eine mögliche Enteignung des PCK-Raffinerie-Gesellschafters Rosneft Deutschland vorsieht. Ein ehemaliger Bürgermeister von Schwedt stellt jedenfalls fest, daß die PCK-Raffinerie das schwere russische Öl benötige, und nur dieses Öl. Alleine deswegen bleibt zu hoffen, daß die EU kein russisches Öl-Embargo beschließt.

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