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Ölpreis fällt – Vorsicht Bärenfalle? Wichtiger Termin 2. Juni

Der Ölpreis fällt spürbar. Für Öl-Bären könnte das eine Falle sein. Das OPEC-Meeting am 2. Juni könnte weitere Mengenkürzungen bringen.

Ölförderung. Foto: Atlascompany-Freepik.com

Der Ölpreis fällt. Seit Anfang dieser Woche fällt WTI-Öl von über 80 Dollar auf aktuell 76,18 Dollar. Im April sah man noch Höchstkurse bei über 87 Dollar. Der Chart zeigt den Kursverlauf im amerikanischen WTI-Öl in den letzten zwölf Monaten. Aktuell wirkt es so, als könne der Markt weiter abwärts rauschen. Aber da sollte man einen wichtigen Faktor nicht außer Acht lassen!

Chart zeigt den Kursverlauf im amerikanischen WTI-Ölpreis in den letzten zwölf Monaten

Ölpreis fällt – ein Mix aus Gründen

Der Ölpreis zeigt zuletzt weitere Schwäche, weil der Dollar im Verlauf dieser Woche zulegen konnte. Je teurer der Dollar, desto teurer werden Ölkäufe weltweit für Importeure, die ihre Landeswährung in Dollar tauschen müssen für den Kauf von Ölprodukten. Dann sinkt tendenziell die Nachfrage nach Öl. Aber das ist nur ein „weicher“ Faktor.

Vielmehr herrscht Unklarheit: Überschwemmen Produzenten wie die privaten Fracker in den USA den Weltmarkt immer mehr mit Öl, was die Kürzungen der OPEC-Staaten mehr als ausgleicht? Je mehr Öl verfügbar ist für die Lieferung an die Verbraucherländer, desto mehr Abwärtsdruck besteht für den Ölpreis. Und die Nachfrage nach Öl? Wird sich China weiter schwach entwickeln? Noch zeigen sich die USA sehr robust mit ihrer Konjunktur, aber wird sich auch das ändern? Die Gemengelage wird vom Terminmarkt aktuell so interpretiert, dass die Nachfrage zu niedrig ist, beziehungsweise dass zu viel Ölangebot vorhanden ist. Aber diese Gemengelage ist ständig im Fluss, und gerade die Laune der Trader am Ölmarkt kann schnell wieder umschlagen vom Bär hin zum Bullen.

OPEC-Meeting voraus – die große Wende?

Extrem wichtig für Ölhändler, die derzeit auf einen weiter fallenden Ölpreis setzen, wird der Termin 2. Juni sein. Am übernächsten Wochenende tagt die OPEC mit ihren externen Partnern (Gesamtgruppe nennt sich OPEC+). Das Treffen findet diesmal online statt. Man wird bewerten, ob zu viel Öl auf dem Weltmarkt vorhanden ist, weshalb der Ölpreis fallen kann. Viele Länder, die große Ölproduzenten sind, leben mit ihren Staatshaushalten zu großen Teilen von Öleinnahmen. Und die aktuellen Preise am Weltmarkt dürften für sie zu niedrig sein – deswegen fährt man seit einiger Zeit die Strategie der reduzierten Fördermenge – um den Ölpreis steigen zu lassen.

Wenn man aber am 2. Juni beim OPEC-Treffen sieht, dass die bisherigen Mengenkürzungen offenkundig nicht ausreichen, um die Händler am Terminmarkt zu bewegen, den Ölpreis hochzupushen, dann bedeutet das was? Vor allem Saudi-Arabien als de facto Anführer der Gruppe könnte die Produzenten im Kartell dazu animieren, die bisherigen Fördermengenkürzungen auch im zweiten Halbjahr fortzusetzen. Und vielleicht animiert man seine Partner dazu, diese freiwilligen Kürzungen mengenmäßig noch auszuweiten, um dem Wunsch nach einem höheren Ölpreis Ausdruck zu verleihen? Das ist ein realistisches Szenario – und sollte es so kommen, könnte der Ölpreis am Montag nach dem Meeting, also dem 3. Juni, einen Sprung nach oben machen. Genau das ist das Hochrisiko-Szenario für alle Händler, die derzeit auf fallende Preise setzen.

Meeting der OPEC+ – Blick auf Erwartungen

Saudi-Arabien und seine Partner werden am 2. Juni – einen Tag später als ursprünglich geplant – zusammenkommen, um die Politik für die zweite Jahreshälfte festzulegen, heißt es in einer Erklärung auf der Website der Gruppe. Bloomberg berichtet hierzu: Es wird allgemein erwartet, dass die OPEC-Mitglieder ihre derzeitigen Lieferbeschränkungen verlängern werden, um einen Überschuss zu vermeiden und den Ölpreis zu stützen.

Es wurde kein genauer Grund für die Terminverschiebung genannt, die die OPEC und ihre Partner seit mehreren Wochen in Erwägung gezogen haben, wie Delegierte sagten, die nicht genannt werden wollten, weil die Gespräche privat waren. Der schlechte Gesundheitszustand des saudischen Königs Salman Bin Abdulaziz und der Tod des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi könnten zu der Entscheidung beigetragen haben, sagten einige.

Die Gruppe, die während der Covid-Pandemie nur virtuell zusammenkam und seit 2020 nur zwei persönliche Treffen in ihrem Wiener Hauptquartier abgehalten hat, hat sich damit erneut von physischen Treffen verabschiedet. Ein ähnlicher Wechsel erfolgte im November in letzter Minute aufgrund eines Streits über Produktionsquoten für afrikanische Mitglieder. Diesmal ließen die Delegierten keine Kontroverse erkennen. Das von den Saudis und Russland angeführte Bündnis aus 22 Nationen wird höchstwahrscheinlich weiterhin 2 Millionen Barrel pro Tag vom Markt zurückhalten, um die überbordenden US-Lieferungen und die schwachen Wirtschaftsaussichten in China und anderswo auszugleichen, hieß es.

Die Verlegung des Treffens ins Internet sei „der deutlichste Hinweis auf eine Verlängerung“ der bestehenden Quoten, sagte Viktor Katona, Chefanalyst für Rohöl beim Marktforschungsunternehmen Kpler Ltd. Frühere Verlängerungen der derzeitigen Produktionsbeschränkungen, die nur von acht Mitgliedern umgesetzt werden, wurden in separaten Erklärungen von den Ländern selbst und nicht von der OPEC+ angekündigt. Die Lieferquoten für die anderen Mitglieder sind bereits für den Rest des Jahres 2024 festgelegt worden.

Die Intervention der Gruppe hat einen gewissen Erfolg, da sie den internationalen Brent-Ölpreis in London auf über 80 Dollar pro Barrel gestützt hat. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds benötigt Saudi-Arabien aber Preise nahe 100 Dollar, um seine ehrgeizigen Ausgabenpläne zu erfüllen.

Parallel zu der Entscheidung über die Verlängerung der Produktionskürzungen überprüft die OPEC+ die Produktionskapazitäten der Mitgliedsländer. Die Ergebnisse werden sich wahrscheinlich auf ihre eigenen Ziele für 2025 auswirken. Der bisherige Prozess umfasste harte Gespräche mit externen Beratern, die mit der Bewertung der Angelegenheit beauftragt wurden, so Personen, die mit den Gesprächen vertraut sind und nicht genannt werden möchten, da diese Gespräche privat sind.

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich in ihrer Haltung besonders öffentlich geäußert. Der Staatsriese Abu Dhabi National Oil Co hat eine Kapazität von 4,85 Millionen Barrel pro Tag angekündigt – deutlich mehr als die letzte Schätzung der OPEC.

Kommentar

FMW: Wird Saudi-Arabien hervor preschen mit einer Überraschung? Das wäre nicht das erste Mal im Verlauf der letzten Jahre. Wird man nochmal nachlegen mit einer Ausweitung der eigenen Mengenkürzung, zum Wohl des „Großen Ganzen“, für einen höheren Ölpreis? Das ist ein drohendes Szenario für die Öl-Bären am Markt! Ein möglicher bedeutender Aufwärtssprung im Ölpreis wäre für den Aktienmarkt vermutlich schädlich. Denn große Volkswirtschaften wie Nordamerika, Europa und China sehen allgemein steigende Kosten, wenn die Tankstellenpreise steigen, was die Wirtschaftsleistung dämpfen könnte. Aber noch ist die mengenmäßige Ausweitung der Fördermengenkürzungen nur ein Szenario, das eintreten kann, oder auch nicht. Relativ wahrscheinlich scheint zu sein, dass die bisherigen Kürzungen aus dem ersten Halbjahr im zweiten Halbjahr mengenmäßig zumindest fortgesetzt werden.

FMW/Bloomberg



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2 Kommentare

  1. Ich stelle mir hierbei die Frage, ob für den Fall, daß innerhalb der BRICS-Staaten immer mehr Ölgeschäfte in Yuan, Gold usw. gehandelt werden, der Kurs der Währung US-Dollar den Ölpreis weniger beeinflusst.

    1. Der Kurs einer Währung kann nicht gegen sich selbst schwanken. Einen Kurs US-Dollar gibt es nicht. Die bestimmende Relation Währung/Güter wird am effektivsten im Markt beim größten Verbraucher ermittelt, weil es grundsätzlich von Vorteil ist, Waren und Dienstleistungen in der Währung zu bezahlen, mit der andere mich bezahlen. Die Preisfindung im grössten Markt hat Pilotcharakter und zwingt die anderen Teilnehmer zur Übernahme, da sonst entweder Käufer oder Verkäufer Nachteile erleiden würden. Mit Gold zahlt ohnehin keiner (mit nennenswertem volkwirtschaftlichen Sachverstand), weil es eine andere, viel viel wichtigere Funktion besitzt.

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