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Ölmarkt nach der Entscheidung zur Fördermengenkürzung Ölpreis fällt weiter – Risiko einer plötzlichen OPEC-Intervention steigt

Der Ölpreis schwächelt. Das Risiko steigt, dass die OPEC außerplanmäßig interveniert. Hier die aktuelle Lage und der wichtige Rückblick auf gestern.

Grafik einer Öl-Bohrstelle

Der Ölpreis schwächelt. Aber eigentlich müsste er doch steigen? Denn gestern verkündete die OPEC im Kreis ihrer externen Partner (Gesamtgruppe OPEC+) eine Fördermengenkürzung von 100.000 Barrels pro Tag für Oktober im Vergleich zu September. Das ist zwar nicht viel, aber immerhin ist es eine Kürzung. Die Verknappung am Markt hätte eigentlich einen leicht steigenden Ölpreis bringen können. Aber WTI-Öl fällt seit gestern Mittag von 89,20 auf aktuell 86,92 Dollar. Heute sah man sogar schon Tiefstkurse bei 86,21 Dollar. Das europäische Brent-Öl verhält sich entsprechend auch schwächer.

Ölpreis fällt – das erhöht das Risiko einer plötzlichen Intervention der OPEC

Die Energiekrise in Europa verschärft sich, die Rezession rückt in großen Schritten näher. Auch die Corona-Lockdowns in China sind ein weiterer Faktor, der besagt: Vermutlich könnte die Nachfrage nach Öl in den nächsten Monaten geringer ausfallen – diese Sichtweise dämpft derzeit den Ölpreis. Nun aber steht der Ölmarkt vor einem interessanten Szenario. Denn man denke an die gestrigen Aussagen der OPEC in ihrem offiziellen Statement.

Da sagte man nämlich (übersetzt): „Auf dem Treffen wurde festgestellt, dass die höhere Volatilität und die gestiegenen Unsicherheiten eine kontinuierliche Bewertung der Marktbedingungen und die Bereitschaft erfordern, bei Bedarf sofortige Produktionsanpassungen in verschiedenen Formen vorzunehmen, und dass die OPEC+ über das Engagement, die Flexibilität und die Mittel im Rahmen der bestehenden Mechanismen der Kooperationserklärung verfügt, um diese Herausforderungen zu bewältigen und dem Markt eine Orientierung zu geben.“

Im Klartext: Rutscht der Ölpreis weiter ab wegen der Befürchtung einer global geringeren Öl-Nachfrage, könnte sich die OPEC zügig treffen um über eine deutlich größere Fördermengenkürzung entscheiden – damit der Ölpreis wieder steigen kann. Die Experten der Commerzbank kommentierten heute zur OPEC-Entscheidung, dass seit gestern klar sei, dass die OPEC+ keinen stärkeren Rückgang im Ölpreis akzeptiert, und falls nötig weitere Produktionskürzungen erfolgen dürften. Auch der kräftige Anstieg der Gaspreise dürfte laut den Commerzbankern eine Rolle gespielt haben, weil dadurch die Nachfrage nach Diesel zur Stromerzeugung steigen könnte.

FMW: Auf den Ölpreis drücken tut auch weiterhin die Aussicht, dass es ein Atomabkommen mit dem Iran geben wird. In dessen Folge würde der Iran wohl wieder Zugang zum Weltmarkt erhalten, und große Mengen an Öl kämen zusätzlich auf den Markt. Käme es so, könnten die Saudis und einige enge Verbündete womöglich in Eigenregie die Fördermengen kürzen, um den Ölpreis zu stützen.

Kommentare über das mögliche Verhindern tieferer Kurse

Bloomberg schreibt, dass der Ölpreis gefallen ist, und die Erholung nach dem OPEC+-Treffen verpuffte, da Händler die Produktionskürzungen der Gruppe und weitere Corona-Abriegelungen in China abwägten. Obwohl Saudi-Arabien nach der Entscheidung erklärte, dass die Gruppe bereit sei, zusätzliche Maßnahmen zur Stützung des Ölmarktes zu ergreifen, falls dies erforderlich sein sollte, bewegt sich der Ölpreis laut Bloomberg nahe dem unteren Ende seiner jüngsten Handelsspanne. Virusbedingte Produktionsausfälle in China breiten sich ebenfalls aus und schüren erneut die Befürchtungen einer weltweiten Konjunkturabschwächung, die die Ölpreise in den letzten Monaten trotz der Bemühungen der G-7-Staaten, den Preis für russische Exporte zu deckeln, belastet haben.

„Grundsätzlich bewegen wir uns wahrscheinlich in die richtige Richtung, was die Beruhigung des Ölmarktes angeht, aber all die Reibereien im Zusammenhang mit Russland scheinen nur in eine Richtung zu gehen“, sagte Jeff Brown, Präsident des Beratungsunternehmens FGE, in einem Bloomberg TV-Interview. „Die OPEC signalisiert im Wesentlichen, dass uns 90 Dollar pro Barrel nicht gefallen. Sie sind so ziemlich am Produktionslimit, also lasst uns einen hohen Ölpreis verteidigen.“

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Die erste Angebotskürzung der OPEC+ seit mehr als einem Jahr zeigt, dass die Gruppe es mit der Steuerung der Rohölmärkte ernst meint und bereit ist, präventiv zu handeln, so Saudi-Arabien. „Diese einfache Maßnahme zeigt, dass wir aufmerksam, präventiv und proaktiv handeln werden“, sagte Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman gegenüber Bloomberg.

Der Schritt der Gruppe „signalisiert die Bereitschaft, wieder ein aktives Marktmanagement aufzunehmen, um einen größeren Ausverkauf im Ölpreis aufgrund von Rezessionssorgen oder Erwartungen einer politisch bedingten Angebotssteigerung zu verhindern“, so die Analysten von RBC Capital Markets LLC, darunter Helima Croft, in einer Notiz. „Sie wollen den Leerverkäufern zu verstehen geben, dass sie die jüngsten Gewinne nicht einfach aufgeben und sanft in die Nacht gehen werden.#

WTI-Ölpreis im Verlauf seit Jahresanfang TradingView Chart zeigt WTI-Ölpreis auf CFD-Basis im Verlauf seit Jahresanfang.

FMW/Bloomberg/Commerzbank



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1 Kommentar

  1. Der 46. US-Präsident Joseph Robinette Biden ist ein energie- und rohstoffpolitischer Schuft, der sich um 12.30 Uhr für eine Zusammenarbeit zwischen ExxonMobil und Rosneft ausspricht, und um halb eins ein russisches Öl-Embargo unterstützt. Auf dieser Grundlage kann der erforderliche JCPOA-Deal nicht zustandekommen. Zwar hat der 45. US-Präsident Donald John Trump den JCPOA-Deal einseitig, und somit völkerrechtswidrig aufgekündigt, anschließend aber wiederum diesbezügliche Verhandlungen mit Teheran angestrebt. Wäre Präsident Trump aktuell im Oval Office im Amt, würde es aufgrund seiner energie- und rohstoffpolitischen Agenda „Make Oil great again“ zu dem erforderlichen JCPOA-Deal kommen.

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