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Ölpreis im Fokus – großer Tag – Joe Biden verkündet Anzapfen der Reserve?

US-Präsident Joe Biden

Gestern berichteten wir über die Meinung (eine indirekte Drohung?) des Vorsitzenden des International Energy Forum – er sagte er erwarte, dass die Öl-Förderländer ihre Ölproduktion beziehungsweise den Ausbau der Fördermenge reduzieren könnten, falls Industrieländer ihrer Öl-Reserven anzapfen würden, in der Absicht den Ölpreis zu senken. Und heute ist wohl der große Tag gekommen. Mit aktuell 75,57 Dollar zeigt sich WTI-Öl schwach – aber ein guter Grund für steigende Kurse steht dagegen.

Ölpreis im Fokus – heute könnte Joe Biden das Anzapfen der Öl-Reserve verkünden

Mehrere Experten haben es jüngst berichtet. US-Präsident Joe Biden wird vermutlich heute Abend um 20 Uhr deutscher Zeit verkünden, dass die USA ihre Reserven anzapfen um den Ölpreis abzusenken. Ebenso darf man vermuten, dass es eine koordinierte Aktion sein könnte, wo Japan, China, Indien und womöglich noch mehr Länder ebenfalls ihre Reserven anzapfen. Aus Japan, Indien und China hört man dieser Tage im Vorweg bereits Anzeichen, dass man seine Reserven auch anzapfen könnte. Es wäre zwar nur eine kurzfristige Beeinflussung der Märkte, aber es wäre zumindest eine Aussage. Man will einen tieferen Ölpreis sehen, und überschwemmt deswegen den Markt!

Szenario der OPEC-Reaktion

Und die OPEC? Wie bereits gestern angedeutet, so könnten die großen Öl-Förderländer gemeinsam mit Russland und anderen Produzenten auf das Anzapfen von Öl-Reserven durch die Industrienationen reagieren, in dem sie ihre Fördermengen kurzfristig drosseln – um zu verhindern, dass der Ölpreis abrutscht. Käme es so, wäre das ein klares Zeichen an die Industrienationen – nämlich dass sie nicht über die Preisniveaus für Öl mitreden. Es wird nun also richtig spannend. Sackt der Ölpreis heute Abend nach der erwarteten Biden-Verkündung ab, und in den Folgetagen erfolgt wieder eine Preiserholung, wenn die OPEC signalisiert, dass man seine eigenen Fördermengen kürzt beziehungsweise nicht so stark ausweitet wie bisher geplant?

Aktuelle Analystenmeinungen

Carsten Fritsch von der Commerzbank spricht in seiner vor wenigen Minuten veröffentlichten Analyse sogar von einem Konflikt zwischen Öl-Verbrauchsländern und der OPEC+ (OPEC und externe Partner wie Russland). Delegierte der OPEC+ hätten die Freigabe von Millionen von Barrel aus den Lagerbeständen der größten Verbrauchsländer als ungerechtfertigt in Bezug auf die aktuellen Marktbedingungen bezeichnet. Man würde daher das eigene Vorhaben überdenken die Öl-Produktion weiter zu erhöhen. Dies kann laut Carsten Fritsch als Warnung im Vorfeld der OPEC+-Sitzung in der nächsten Woche verstanden werden (FMW: Um den Ölpreis nicht abstürzen zu lassen). Bislang sei geplant die Öl-Produktion jeden Monat um 400.000 Barrel pro Tag auszuweiten. Die OPEC+ könnte als Reaktion auf eine Freigabe der strategischen Ölreserven in den USA und anderen Verbrauchsländern seiner Meinung nach ihre Produktion weniger stark erhöhen. Angesichts des sich im nächsten Jahr abzeichnenden Überangebots müsste sie dies aber ohnehin in Erwägung ziehen. Die Drohung sei daher nicht sonderlich glaubwürdig.

Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst bei Swissquote, sagt heute früh die Schlacht auf dem Ölfeld werde immer hitziger, denn es werde erwartet, dass Joe Biden schon heute mit der Freigabe der strategischen Ölreserven beginnen wird, um den Aufwärtsdruck für den Ölpreis zu dämpfen, der auch die Inflation anheizt und die Federal Reserve (Fed) vor eine Entscheidung stellt, die sie nicht treffen will: eine Zinserhöhung. Und Joe Biden sei nicht allein. Die größten Ölfresser der Welt wie Japan, Indien, Südkorea und sogar China würden erwägen in den kommenden Tagen ähnliche Erklärungen abzugeben. Dies ist laut Ipek Ozkardeskaya eine Kriegserklärung an die OPEC+, die sich geweigert habe Bidens Aufforderung zur Erhöhung des Angebots nachzukommen, um den Anstieg der Ölpreise in den letzten Monaten abzukühlen. Infolgedessen würden sich die USA selbst helfen und im Laufe der Zeit 35 Millionen Barrel freigeben, um die Energiekrise zu entschärfen.

Die OPEC wird laut Ipek Ozkardeskaya wahrscheinlich ihre Pläne, täglich 400.000 Barrel zusätzlich zu pumpen, bei seinem Treffen am nächsten Donnerstag aufgeben. Bis dahin werde man wahrscheinlich erleben, wie das Herz der Ölhändler zwischen dem größeren strategischen Angebot der größten Ölverbraucher und der Aussicht auf ein geringeres OPEC-Angebot klopft. Daher sei die Wahrscheinlichkeit gering, dass der Ölpreis wichtige Preisniveaus durchbricht. Auf der Abwärtsseite dürfte das Niveau im WTI-Ölpreis von 74 Dollar als solide Unterstützung wirken, während Angebote bis zur psychologischen Marke von 80 Dollar ins Spiel kommen dürften.

Chart zeigt Ölpreis im Verlauf der letzten 30 Tage Ölpreis im Kursverlauf der letzten 30 Tage.



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2 Kommentare

  1. Der Sinn von deratigen Rohstofflagern ist nicht die Preiskontrolle. Wer für diesen Zweck vor dem Winter diese Lager entleert geht all-in. Klar kann man darauf setzen das sich die anstehende Zinserhöhung negativ auf den Markt und den Ölpreis auswirkt – man hofft wieder zu 60 USD auffüllen zu können. Es könnte aber auch sein der der Rest der Welt nach im Frühjahr abklingenden Covid19 Infekten einfach nur aus der Krise will – dann füllt man ggf. für 120 USD auf ;)
    Ganz abgesehen davon ist es auch eine Wette auf keine Erdbeben, keine Brände, keine politischen Verwerfungen, keine geplatzten Ventile oder anderen technischen Unwegbarkeiten etc. …

  2. Derivateur, quel horreur !

    Russland als China Freund könnte wieder einmal das Zünglein an der Wange spielen, darum wäre es schlau,mit dem Vladimir zurechtzukommen statt wie die Amis und die EU ihn mit Sanktionen zu verärgern.
    Meine Meinung ist: Die westliche Finanzwelt, die seit Jahren Immobilien-Aktien- und Anleihen mit Short-Squeezes auf ungeahnte Höhen manipuliert, könnte doch das Gegenteil mit Rohöl machen und mit Put-Optionen ein zünftiges Long-Squeeze herbeiführen, denn auch diese Preise werden von Derivaten bestimmt.Der Bewieis hat der Corona Fall gezeigt, als bei einem Wirtschaftseinbruch von einigen Prozenten der Ölpreis auf minus 39Dollar abstürzte und die ganze Welt im Öl schwamm.Bei vom Produkt bestimmten Preisen könnte es keine Minuspreise geben, ein Minuspreise wäre höchstens bei Bitcoin möglich .( Null minus Stromverbrauch minus Riesengewinne von einigen wenigen Gangstern)

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