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Ölpreis stürzt ab und ist labil – Gründe und Aussichten

Der Ölpreis stürzt ab und ist recht labil. An dieser Stelle schauen wir auf die Gründe, und die Aussichten für Öl - kurz und langfristig.

Öl-Pumpe

Der Ölpreis hat seit gestern einen richtigen Absturz erlebt. Von 110 Dollar gestern früh ist WTI-Öl heute aktuell auf 101,24 Dollar gefallen, obwohl es heute Vormittag eine kurzzeitige Erholung auf bis zu 104,07 Dollar gegeben hatte! Und jetzt notiert der Markt schon wieder 3 Dollar tiefer – daran erkennt man, wie labil und anfällig der Ölpreis derzeit ist!

Ölpreis fällt – schwächende Faktoren überwiegen aktuell deutlich

Gestern hatten wir noch über Faktoren berichtet, die für einen steigenden Ölmarkt sprechen, und andere Faktoren, die auch für den fallenden Ölpreis sprechen. Das Szenario von „Kurzfristig Schwäche im Markt und langfristig steigend“ scheint zumindest heute erst einmal aufzugehen. Die Aussage der G7-Staaten vom Sonntag, dass man russisches Öl komplett meiden will, und auch das drohende Öl-Embargo der EU gegen Russland, können langfristig für Auftrieb im Ölpreis sorgen, weil diese westlichen Verbrauchsländer Kaufdruck haben, und andernorts auf dem Ölmarkt einkaufen müssen.

Aktuelle Gründe für Preisrückgang im Öl

Aber derzeit blockieren einige osteuropäische Länder das anstehende Öl-Embargo gegen Russland. Ein Veto von Ungarn hängt in der Luft. Das hilft dem Ölpreis kurzfristig auf dem Weg nach unten. Wichtiger sind aber die massiven Lockdown-Maßnahmen in China, die das dortige Wirtschaftswachstum deutlich schwächen dürften. Weniger wirtschaftliche Aktivität bedeutet weniger Öl-Nachfrage, und der Ölpreis kann fallen. Dies sieht man auch an den jüngst gesenkten Verkaufspreisen der Saudis für Kunden in Europa und Asien. Carsten Fritsch von der Commerzbank sagt dazu heute, dass diese Preissenkung von einigen Marktteilnehmern offenbar als Anzeichen einer schwächeren Ölnachfrage interpretiert wurde. Auch hing gestern das Thema „Konjunktursorge“ über dem gesamten Kapitalmarkt. Die Aktienmärkte fielen, und ebenso der Ölpreis. Hierbei spielen wohl auch die Zinsanhebungen der Fed eine Rolle, und ob sie die US-Konjunktur zu stark abwürgen werden. Ebenso ist der immer weiter steigende US-Dollar ein Problem für alle Rohstoffe, die eben in US-Dollar gehandelt werden. Je höher der US-Dollar, desto stärker der Abwärtsdruck im Preis.

Blick auf den Chart

Schaut man auf den folgenden Chart, ist der aktuelle Rückgang noch keine große Sache. Man sieht hier WTI-Öl im Verlauf der letzten zwölf Monate. Man sieht gut den Ausschlag nach oben Anfang März auf bis zu 130 Dollar – es war die Panik-Reaktion im Ölpreis kurz nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Verknappungsangst hängt immer noch in der Luft, und eine Hatz der Nachfrager nach anderen Öl-Lieferanten außerhalb Russlands steht womöglich ebenfalls noch an. Aber momentan überwiegt wie gesagt kurzfristig die Sorge über die abflauende globale Konjunktur. Bleibt es eine kurzfristige Angst? Kann der Ölpreis etwas weiter in den Keller rauschen, und danach ändert sich die Nachrichtenlage wieder, hin zu den Themen, die für einen höheren Preis sprechen? Verläuft diese Handelswoche am Aktienmarkt weiterhin schwach, könnte auch Öl erstmal weiter runtergezogen werden.

Chart zeigt Ölpreis im Verlauf der letzten zwölf Monate



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1 Kommentar

  1. Nun, bei Staatspräsident Xi Jinping ist zumindest schon einmal der entsprechende wirtschaftspolitische Wille zugunsten einer möglichst florierenden Weltwirtschaft vorhanden, nachdem er sich im Rahmen eines aktuellen Videogespräch(e)s mit Bundeskanzler Olaf Scholz zugunsten entsprechender Marktzugänge für die deutsche Industrie auf dem chinesischen Markt und einer offenen Weltwirtschaft ausgesprochen hat. Auf den kommenden G20-Gipfel kommt daher diesbezüglich auch eine entsprechende Verantwortung zu. Mein Lob gilt hierbei schon einmal dem Gastgeberland Indonesien dafür, daß es sowohl Russland, als auch die Ukraine eingeladen hat. Staatspräsident Wladimir Wladimirowitsch Putin erklärte zwar kürzlich, daß Russland mit jedem Land zusammenarbeiten möchte, bei dem dies auf Gegenseitigkeit beruht, eine konkrete Zusage zur Teilnahme am G20-Gipfel gibt es jedoch von ihm noch nicht. Russland, die USA und die EU sind aufgerufen, sich auf dem G20-Gipfel im Interesse der Weltwirtschaft zusammenzuraufen. Staatspräsident Xi Jinping sprach im Rahmen eines aktuellen Videogespräch(e)s mit dem 46. US-Präsidenten Joseph Robinette Biden aktuell von einer schwierigen Weltwirtschaft. Die mittelfristige Entwicklung des Ölpreises bis zum Jahresende ist von daher aus meiner Sicht aktuell schwierig vorauszusehen.

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