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Warum der Ölpreis neue Höhen erreichen könnte – keine gesicherte Lage

Benzin tanken an einer Tankstelle

Gestern hatten wir vier Gründe besprochen, warum der Ölpreis diese Woche etwas geschwächelt hat. Dazu gehörten die Markttechnik, wonach der Preis für Öl auch mal durchschnaufen muss, dazu höhere API-Lagerdaten, Chinas Kampf gegen hohe Kohlepreise, und den schlichten Fakt, dass der seit Monaten stark steigende Ölpreis die Nachfrage sinken lassen könnte, weil viele Abnehmer immer höhere Preise nicht zahlen wollen oder können.

Lagerbestände für Rohöl bringen die Wende im Ölpreis

Aber wir erwähnten gestern auch, dass die offiziellen Lagerdaten für Rohöl in den USA die Wende bringen könnten. Und so kam es dann auch kurzfristig. Gestern Nachmittag wurden die Lagertanks für Rohöl in den USA um 0,4 Millionen Barreles geringer als in der Vorwoche vermeldet, obwohl ein Anstieg erwartet wurde. Auch half, dass die Benzinbestände um 5,4 Millionen Barrels sanken, und die Tanks für Öl-Destillate leerten sich um 3,9 Millionen Barrels. Diese drei sinkenden Lagerbestände ließen den WTI-Ölpreis gestern Abend von 82,20 Dollar auf bis zu 83,90 Dollar heute Nacht ansteigen.

Hoffnung auf weiter steigende Preise für Öl

Aktuell ist der Preis für WTI-Öl zwar auf 82,06 Dollar zurückgekommen – wohl weil ein extrem stark gestiegener Markt auch mal durchschnaufen muss. Aber dennoch scheint es derzeit gute Gründe für die Annahme zu geben, dass der Ölpreis weiter ansteigen könnte. Immerhin ist der seit 7 Jahren höchste Kurs für das amerikanische WTI-Öl erst heute Nacht bei 83,90 Dollar erreicht worden. Bis dahin ist es nicht weit. Laut dem Experten Carsten Fritsch von der Commerzbank wurde nämlich der gestern gemeldete Abbau der Öl-Lagerbestände in den USA durch eine gestiegene Nachfrage nach Ölprodukten begünstigt. Die Benzinnachfrage erreichte mit 9,63 Millionen Barrels pro Tag das höchste Niveau seit Ende Juli, was angesichts der Jahreszeit und der hohen Benzinpreise seiner Meinung nach bemerkenswert ist. So erwähnt er auch, dass sich die Benzin- als auch die Destillatebestände in den USA mittlerweile auf Mehrjahrestiefs befinden.

Öl-Angebotsmenge der OPEC bleibt wohl weiterhin begrenzt

Eine extrem wichtige Rolle spielt seit Monaten das Kartell OPEC. Man erhöht die Fördermenge von Monat zu Monat nur in einem begrenzten Ausmaß. Erst am 4. Oktober beschloss man kein zusätzliches Öl auf den Weltmarkt zu bringen um den Ölpreis zu dämpfen. Man erhöht im November die Fördermenge nur um 400.000 Barrels pro Tag. Heute nun erwähnen die Experten der Commerzbank, dass der saudi-arabische Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman erneut Hoffnungen gedämpft hat, dass die OPEC+ das Angebot an Öl stärker anhebt als bislang geplant.

Gas als Problem?

Man sehe die Möglichkeiten der OPEC+ als sehr begrenzt, die stark gestiegenen Gaspreise zu senken. Das Problem sei nicht die Verfügbarkeit von Öl, sondern von Gas, so wird der saudische Energieminister zitiert. Der weitere Einfluss der Gasknappheit auf die Ölnachfrage sei begrenzt, da viele gasbetriebene Generatoren nicht so einfach auf Öl umstellen könnten. Allerdings gehe bin Salman davon aus, dass bei einem kälter als normalen Winter die Nachfrage nach Öl aufgrund des Brennstoffwechsels um 500-600.000 Barrels pro Tag höher ausfallen könnte. Dagegen hätte die OPEC+ nach Meinung der Commerzbank-Experten sehr wohl eine Handhabe – denn sie könnte das Ölangebot nämlich um diesen Betrag stärker erhöhen und damit zumindest den Anstieg im Ölpreis stoppen. Bislang scheint aber der Wille dafür zu fehlen. Möglicherweise führen die hohen Ölpreise aber dazu, dass weniger Öl verbraucht und der Preisanstieg dadurch gestoppt wird, so die Experten.

Rallye-Fortsetzung?

Aber, so meinen wir: Kurzfristig wirkt es so, als bleibe das Szenario des verknappten Öl-Angebots erhalten als Aussicht für einen weiter steigenden Ölpreis. Aber wir wollen hier keine Prognose abgeben. Dafür ist der Ölmarkt zu unberechenbar. Das Gesamtbild jedenfalls sagt weiterhin, dass die globale Nachfrage nach Öl groß ist, und das dass die OPEC das Angebot offenbar weiter in Grenzen halten will – zumindest Stand heute. Für ein Fortsetzen der Preisrallye bei Öl bräuchte es womöglich ein Überschreiten des Hochpunkts von heute Nacht. Aber dennoch besteht aktuell auf ganz kurze Sicht die Gefahr, dass der WTI-Ölpreis beim Unterschreiben von 82 Dollar erstmal weiter korrigieren könnte.

Chart zeigt Kursverlauf im Ölpreis in den letzten 30 Tagen Kursverlauf im WTI-Ölpreis in den letzten 30 Tagen.



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1 Kommentar

  1. Ist nun noch ein vernünftiger Zeitpunkt long auf Erdöl zu gehen, z.B. auf den Bloomberg CMCI WTI
    Crude Oil zu setzen? Der Winter kommt ja erst. Oder ist dies in den Oil Futures Contracts schon eingespreist?
    Daneben könnte Gazprom interessant sein. Die könnten mit den hohen Preisen gute Umsatzzahlen machen. Es sei den die höheren Preise drosselten die Nachfrage

    Spass: Wenn die Leute lieber frieren, könnte man auf das Schafwollegeschäft setzen -8)

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