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Ölpreis steigt deutlich – da ist das Ölembargo der EU gegen Russland

Die EU hat ein Ölembargo gegen Russland verhängt. 75 Prozent der Importe sollen sofort betroffen sein. Der Ölpreis reagiert deutlich.

Öl-Tanker

Gestern hatten wir es gerade noch erneut besprochen. Die Verknappungsangst am Ölmarkt ist wieder da, und so stieg der Ölpreis weiter an. Denn man blickte auf das gestrige EU-Treffen über ein mögliches Ölembargo gegen Russland. Und siehe da, es hat sich was getan! Der WTI-Ölpreis ist von gestern Abend 116 Dollar auf aktuell 119,22 Dollar gestiegen. Das europäische Brent-Öl steigt im selben Zeitraum von 120 auf 123,82 Dollar. Alleine in den letzten 30 Tagen konnte der Ölpreis einen Anstieg von gut 16 Dollar hinlegen, siehe Chart.

EU verabschiedet größtenteils Ölembargo gegen Russland – Ölpreis steigt

Heute Nacht hat die EU das seit Wochen im Raum stehende Ölembargo gegen Russland verhängt. Dabei ist es der zu erwartende Kompromiss geworden – denn Ungarn hängt über eine einzige Pipeline komplett am Tropf des russischen Öls. Der nun erzielte Kompromiss sieht vor, dass Öl aus Russland, das per Schiff angeliefert wird, nicht mehr in die EU eingeführt werden darf. Und dies betreffe einen Großteil der Importe aus Russland. Somit nimmt die Verknappungsangst schnell zu, die EU-Länder müssen nun mit voller Kraft auf dem Weltmarkt außerhalb Russlands nach Ersatz suchen – dies treibt den Ölpreis am Terminmarkt aktuell ordentlich nach oben.

Aussagen der EU

Laut EU-Ratspräsident Charles Michel werden dank dieser heute Nacht geschlossenen Vereinbarung der EU-Staaten sofort 75 Prozent der Ölimporte aus Russland betroffen sein. Es ist also ein Ölembargo, dass jetzt zu 75 Prozent wirkt, und bis Jahresende zu 90 Prozent? Und wie man den Äußerungen der EU entnehmen kann, drängt man weiterhin darauf auch die letzten 10 Prozent abzuschalten. Ist man also hinter den Kulissen dabei für Ungarn sichere Lieferungen auf dem Landweg von Westen her auf die Beine zu stellen, damit Victor Orban in den nächsten Monaten doch ruhigen Gewissens die Pipeline aus Russland „abschalten“ kann? Wie gesagt – im steigenden Ölpreis erkennt man die Ernsthaftigkeit dieser EU-Maßnahme. Hier die entscheidende Passage aus der aktuellen Veröffentlichung der EU-Kommission, ins Deutsche übersetzt:

„Wir hatten heute Abend in der Tat eine sehr gute Diskussion. Und ich bin sehr froh, dass sich die Staats- und Regierungschefs im Grundsatz auf das sechste Sanktionspaket einigen konnten. Das ist sehr wichtig. Dank dessen sollte der Rat nun in der Lage sein, bis Ende des Jahres ein Verbot von fast 90 % aller russischen Öleinfuhren zu beschließen. Dies ist ein wichtiger Schritt nach vorn. Wir werden uns bald wieder mit den verbleibenden 10 % des Pipeline-Öls befassen.“

Chart zeigt WTI-Ölpreis im Verlauf der letzten 30 Tage WTI-Ölpreis im Verlauf der letzten 30 Tage.



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8 Kommentare

  1. Indien, China und viele andere Länder (bzw. die halbe Menschheit) kann sich nun bei Russland mit Rohöl, Gas und vielen anderen Rohstoffen unter Weltmarktptreisen eindecken.
    Bin mal gespannt, wieviel Erdgasverflüssigungssanlagen und LNG-Tanker Russland nun bauen wird.
    Für den Westen bleibt dann das über, das etwa die halbe Menschheit dann nicht mehr benötigt.
    Mal sehen, wie sich gerade die in der EU produzierten Waren am Weltmarkt in den nächsten Jahren behaupten werden, wenn sie mit den hohen Energiekosten und CO2 -Abgaben, mit den Waren aus China und Indien konkurrieren müssen.
    Vorausgesetzt es ist überhaupt genug Energie zur Produktion vorhanden.
    Wenn der Michel die nächste Heizkostenabrechnung bekommt, dann werden wohl viele zumindest denken:
    „So schlecht war Gas und Öl aus Russland doch auch nicht“.
    Mal sehen was im Herbst und Winter auf uns zukommt.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Kann eigentlich überprüft werden, ob russiches Öl auf den Weltmeeren umgeladen wird? Ist quasi auch ein „Ringtausch“ möglich? Länder, die arbabisches Öl abgenommen haben, nehmen nun russiches Öl ab, das arabische fließt nach Europa.

  3. Hallo Peter, ich schätze, dass Russland gar nicht so viel Öl und Gas hat, was China und Inden gerne zum Sonderpreis haben möchten.
    Da wird ein heimliches Umleiten der Energieströme gar nicht notwendig sein.
    China muss sich für den Krieg gegen „Inselchina“ vorbereiten, und dafür ist auch sichere Energie auf dem Landweg aus Russland notwendig.

    1. Young Global Leader

      @Helmut, es gibt auch noch andere Länder, die dringend Öl benötigen:

      „Cash-strapped Sri Lanka took delivery Saturday of Russian oil — which could soon be subject to a European embargo — to restart operations at the country’s only refinery, the energy minister said.
      […]
      The Russian crude delivery had been waiting offshore of the capital Colombo’s port for over a month as the country was unable to raise $75 million to pay for it, energy minister Kanchana Wijesekera said.
      […]
      He added that the Siberian grade was not an ideal match for the refinery, which is optimised for Iranian light crude, but no other supplier was willing to extend credit.“

      https://arynews.tv/sri-lanka-gets-russian-oil-to-ease-shortage/

      Die Story ist vom 29.05. Gestern bekam dann der neue Premier Minister von Sri Lanka einen Anruf von Boris Johnson. Nicht, dass Sri Lanka noch zu einem pro-russischen Regime wird.

      1. Ja, die können ja dann auch das Öl nehmen, das China und die halbe Welt nicht mehr benötigen, oder gleich von Russland.

  4. Der Ölpreis agiert hierbei als Frühindikator im Zusammenhang mit der stümperhaften Energie- und Rohstoffpolitik Deutschlands und der EU.

  5. Putins Mann in Brüssel, Viktor „Made in Russia“ Orbán, sollte sein „heiliges und unveräußerliches“ russisch-orthodoxes Verständnis, seine geheuchelte Religionsfreiheit und seine fundamentale Blockadepolitik angesichts dieser Tiere und Kriegsverbrecher aus Russland ernsthaft hinterfragen:
    https://www.n-tv.de/politik/So-lebt-Mariupol-unter-russischer-Besatzung-article23371499.html
    Hoffentlich wird ihm sein jämmerliches Stimmchen bei EU-Entscheidungen wegen Erpressung und Missbrauch bald entzogen, was wegen Verstößen gegen die Rechtsstaatlichkeit möglich wäre.

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