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Ölpreis: Experte spricht von „Endzeitstimmung“ – Achtung morgen OPEC

Öl-Pumpe in der Wüste

Der Ölpreis (WTI) notierte noch vor drei Wochen bei knapp 85 Dollar. Gestern Abend sah man das jüngste Tief bei 64,48 Dollar. Auch wenn sich der Markt bis heute Mittag auf 69,29 Dollar erholt hat – es bleibt im Verlauf der letzten Wochen ein kräftiger Absturz. Und jetzt mal eben in weniger als 24 Stunden fast 5 Dollar ansteigen – das zeigt, wie volatil der Ölpreis aktuell ist. Die Angst vor Omikron geht um. Und wichtig ist aktuell die Vorausschau auf die morgige OPEC-Entscheidung.

Omikron sorgte in den letzten Tagen für einen massiv fallenden Ölpreis

„Endzeitstimmung am Ölmarkt“ – so betitelt der Commerzbank-Experte Carsten Fritsch seine heutige Analyse zum Ölmarkt. Er bespricht den jüngst dramatisch gefallenen Ölpreis, und verweist auf die großen Verluste für Brent und WTI im Monat November – es sei jeweils der stärkste Monatsrückgang seit März 2020 gewesen. Mit rationalen Argumenten kann man diese Bewegung im Ölpreis laut Carsten Fritsch kaum noch erklären. Es herrsche offenbar Panik, dass die Omikron-Variante des Coronavirus zu ähnlich starken Auswirkungen auf die Nachfrage nach Öl führen könnte wie der Ausbruch der Pandemie im letzten Jahr. Diese Sorgen halte man bei der Commerzbank aber für übertrieben. Das Beratungsunternehmen Rystad Energy schätzt laut Carsten Fritsch, dass im Falle einer Welle von Lockdown-Maßnahmen die Nachfrage nach Öl im ersten Quartal um bis zu 3 Millionen Barrel pro Tag niedriger ausfallen könnte. Ein derartiger Nachfrageeinbruch sei natürlich nicht zu vernachlässigen.

Morgen ist OPEC-Tag

Morgen Nachmittag ist es soweit. Die OPEC und ihre externen Partner wie Russland (Gruppe OPEC+) werden dann entscheiden, ob sie wie in den Vormonaten auch weiterhin die Fördermenge leicht anheben werden. Bisher waren es in den letzten Monaten jeweils 400.000 Barrel pro Tag je Monat. Aber dass es auch morgen so einen Beschluss geben wird, scheint immer unwahrscheinlicher zu werden. Denn einerseits erwartet die OPEC für Anfang 2022 bereits einen Angebotsüberschuss an Öl, was auf dem Ölpreis lastet. Andererseits drückt die Omikron-Variante des Coronavirus auf die Erwartungen für die globale Öl-Nachfrage.

Also darf man erwarten, dass OPEC und OPEC+ morgen keine Anhebung der Fördermenge beschließen? Und gibt es sogar noch eine Kürzung der Mengen? Die OPEC+ täte laut Aussage von Carsten Fritsch gut daran von der geplanten Erhöhung der Produktionsmenge im Januar um 400.000 Barrel pro Tag abzusehen. Dieses zusätzliche Öl könne der Markt kaum noch absorbieren, zumal im ersten Quartal auch bis zu 60 Millionen Barrel aus den strategischen Ölreserven der großen Verbrauchsländer an den Markt gelangen werden.

Aktuell „Dead Cat Bounce“ oder weise Voraussicht auf morgige Entscheidung?

Sehen wir aktuell einen „Dead Cat Bounce“ im Ölpreis? Also eine kurzzeitige Kurserholung nach einem starken Absturz – aber nach kurzer Zeit bricht der Markt dann wieder ein? Viel technische Gegenreaktion dürfte in diesem aktuellen Anstieg stecken, in dem auch Öl-Shorties Gewinne der letzten Tage mitnehmen – und dies geht nur durch Käufe. Auch könnte man annehmen, dass der Anstieg der letzten Stunden in weiser Voraussicht auf die morgige Entscheidung der OPEC geschieht. Ahnen einige Trader vielleicht, dass die OPEC nicht nur die Erhöhung der Fördermenge absagt, sondern auch weitere Signale gibt, die den Ölpreis ab morgen Nachmittag weiter ansteigen lassen?

Heute Öl-Lager

Heute um 16:30 Uhr deutscher Zeit werden in den USA die wöchentlichen Lagerbestände für Rohöl vermeldet. Je nachdem wie die Mengen gemeldet werden, können Sie heute Abend den Ölpreis in die eine oder andere Richtung beeinflussen. Aber nach dieser Meldung schaut der Ölmarkt auf den morgigen Donnerstag, wie die OPEC auf die Omikron-Angst an den Märkten reagieren wird. Gibt sie sogar Signale für eine Verknappung der Fördermenge? Denn einen zu weit fallenden Ölpreis möchten die Förderländer sicherlich nicht akzeptieren.

Chart zeigt WTI-Ölpreis im Kursverlauf seit April WTI-Ölpreis im Kursverlauf seit April.



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