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Ölpreis startet weiter durch – die aktuelle Lage

Öl-Pumpe

Seit unserem letzten Bericht über den Ölmarkt vom Donnerstag ist der WTI-Ölpreis um weitere 1,40 Dollar auf aktuell 84,14 Dollar angestiegen. Die Gemengelage für Öl-Trader scheint weiter bullisch zu sein. Hier die aktuellen Gründe.

OPEC, Lagermengen und Omikron helfen dem Ölpreis beim Ansteigen

Wie bereits letzte Woche, haben sich bis jetzt zwei wichtige Themen nicht geändert. Die OPEC erhöht zwar gemeinsam mit externen Partnern die Fördermenge (400.000 Barrels pro Tag mehr im Februar als im Januar). Aber das ist wie auch in den Vormonaten nur ein begrenzter Anstieg der Fördermengen. Wichtiger ist, dass einige OPEC-Staaten wegen Kapazitätsproblemen weniger Öl fördern als vereinbart, wodurch das Szenario eine Verknappung bei Öl denkbar ist. Auch kann man weiterhin sagen, dass die Omikron-Variante des Coronavirus zwar für viele neue Infektionen sorgt, aber nicht für viele schwere Verläufe. Dies nährt die Hoffnungen für einen weiteren Konjunkturaufschwung und die Verringerung der Wahrscheinlichkeit neuer Lockdowns. Ebenfalls sorgen die geringeren Lagermengen an Rohöl in den USA (letzte Woche -4,6 Millionen Barrels) für gute Laune und einen ansteigenden Ölpreis. Diese positive Grundstimmung aus der letzten Woche setzt sich aktuell fort.

Zu wenig Gas-Kapazität – daher muss Öl verfeuert werden

Im Nordosten der USA muss derzeit wegen dem kalten Wetter mehr Brennstoff verfeuert werden. Laut dem Experten Stephen Stapczynski sind aber dank Protesten von Umweltschützern die Gas-Kapazitäten in der Region begrenzt, weswegen dort aktuell deutlich mehr Öl verfeuert werden muss. Dies ist natürlich ein positiver Faktor für den Ölpreis, wenn die Nachfrage nach Öl wegen solchen Umständen steigt. Man könnte es fast als Ironie bezeichnen, dass Umweltschützer dafür sorgen, dass mehr Öl verfeuert wird.

Geopolitik sorgt für Unsicherheit

Auch kann ein Stück weit die Geopolitik eine Rolle spielen für den derzeitigen Anstieg im Ölpreis. Marschiert Russland in die Ukraine ein? Das fragt man sich derzeit im Westen. Nur Panikmache, oder ist es ein ernsthaftes Szenario? Wie die jahrelangen Konflikte zwischen Saudis und dem Iran, sorgt auch so eine Angst rund um die Ukraine für eine gewisse Sorge in Sachen Versorgungssicherheit mit Brennstoffen.

Hinweis von Experten

Die Analysten der Saxo Bank weisen aktuell darauf hin, dass die Prompt-Spreads für den WTI und Brent-Ölpreis mit 63 und 74 Cent pro Barrel weiterhin hoch seien. Sie würden damit eine zunehmende Verknappung bei Öl signalisieren. Im Laufe dieser Woche würden die monatlichen Ölmarktberichte der OPEC am Dienstag und der IEA am Mittwoch weiteren Aufschluss über die aktuelle Lage geben. Spekulanten, die sich etwas verspätet an der jüngsten Rally beteiligen, hätten in der vergangenen Woche ihre Wetten auf WTI- und Brent-Öl so stark erhöht wie seit 14 Monaten nicht mehr erhöht.

Die Analysten der Commerzbank sehen die gute Laune im Ölpreis etwas kritischer. In ihrem vor wenigen Augenblicken veröffentlichten Kommentar zum Ölmarkt weisen sie darauf hin, dass aktuell mehr Öl aus Libyen an den Markt kommt. Denn laut dem libyschen Ölminister liege die Ölproduktion wieder bei 1,2 Mio. Barrel pro Tag, nachdem die Blockade der westlichen Ölfelder aufgehoben wurde und die Ölhäfen im Osten des Landes wieder geöffnet wurden. Zu Jahresbeginn war die Ölproduktion Libyens auf gut 700.000 Barrel pro Tag gesunken, was mit zum Preisanstieg beigetragen hatte. Dass der Ölpreis auf die Normalisierung der Produktion nicht negativ reagiert, ist laut den CoBa-Experten bemerkenswert. Offenbar würden die Marktteilnehmer derzeit selektiv nur bestimmte Nachrichten wahrnehmen, die für steigende Preise sprechen. Dazu würden auch Äußerungen des weltgrößten Ölhändlers Vitol passen, wonach die Ölpreise wegen des angespannten Angebots weiter steigen könnten. Der Asien-Chef von Vitol sieht das derzeitige Preisniveau und die starke Backwardation als gerechtfertigt. Bei Backwardation werden die Ölkontrakte mit kurzfristiger Fälligkeit mit einem Aufschlag gehandelt, was auf ein begrenztes verfügbares Angebot hindeutet.

Kursverlauf im WTI-Ölpreis in den letzten 30 Tagen Kursverlauf im WTI-Ölpreis in den letzten 30 Tagen.



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