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Warum der Ölpreis nach Reserven-Anzapfung sogar ansteigt – gute Gründe

Öl-Pumpe

Was ist denn da los? Nun haben die USA heute Mittag wie erwartet verkündet, dass man Teile seiner „strategischen“ Öl-Reserven auf den Markt wirft – und dann sogar noch als koordinierte Aktion zusammen mit anderen wichtigen Öl-Verbrauchsländern wie China, Indien, Japan, Südkorea und Großbritannien. Aber der Ölpreis steigt seit der Verkündung um mehr als 2 Dollar an – obwohl er doch eigentlich fallen sollte? Denn durch das Anzapfen der Öl-Reserven steigt die globale Angebotsmenge, was normalerweise preisdämpfend wirken sollte. Schauen wir auf die Gründe.

Ölpreis fällt – offensichtliche Enttäuschung über die Aktion der USA

Die USA zapfen ihre strategischen Öl-Reserven im Volumen von 50 Millionen Barrels an. Das hört sich zunächst mal nach einer großen Zahl an. Aber wer genauer in die Meldung des Weißen Hauses schaut, der konnte es nachlesen. 32 von den 50 Millionen Barrels werden in den nächsten Monaten „ausgetauscht, um Öl freizugeben, das in den kommenden Jahren in die strategische Erdölreserve zurückfließen wird“, so die offizielle Verlautbarung. Dieser „Umtausch“ sorge auch automatisch dafür, dass die strategische Öl-Rreserve der USA im Laufe der Zeit wieder aufgefüllt wird, um den künftigen Bedarf zu decken. Also werden diese 32 Millionen Barrels quasi nur kurzfristig ausgegeben, und dann später wieder vom Markt genommen um die Lager auf den vorigen Stand zu bringen. Für den Ölpreis würde es also nur einen kurzfristigen Effekt bedeuten.

Und die restlichen 18 Millionen Barrels, die werden zwar tatsächlich „netto“ auf den Markt gebracht. Aber es ist eine vom US-Kongress bereits vorab genehmigte Menge. ForexLive nennt die Durchführung des heute verlautbarten Anzapfens der US-Reserven eine Katastrophe. Diese 18 Millionen Barrels seien vorab bereits angekündigt gewesen – und die anderen 32 Millionen Barrels müssten quasi zurückgezahlt werden. Auch kann man sich über die Bruttozahl von 50 Millionen Barrels unterhalten. Es ist offenbar eine Enttäuschung, dass zu wenig Öl aus der Reserve auf den Markt kommt.

Spekulation auf Anzapfen der Öl-Reserven hat funktioniert

Es gibt an der Börse das Sprichwort „Kauf das Gerücht, verkaufe die Nachricht“ oder auch „Sell on good news“. In diesem Fall muss man es sich nur spiegelverkehrt vorstellen. Seit Tagen gab es Gerüchte und auch konkretes Drängeln aus der US-Politik Richtung Joe Biden, dass er die Öl-Reserven anzapfen soll – am vorletzten Wochenende zum Beispiel vom Mehrheitsführer im US-Senat, einem Parteifreund von Joe Biden. Seit Tagen lief dieser Short-Trade mit Aussicht auf das Anzapfen der Reserven also. Und schauen wir auf die Charts. Seit dem 10. November hat der WTI-Ölpreis bereits von über 84 Dollar auf heute 76 Dollar verloren.

Dass nun eine Gegenbewegung nach oben einsetzt, kann man auch mit Gewinnmitnahmen der Short-Spekulanten rechtfertigen. Vorher hat man auf das Ereignis gewettet – und jetzt wo es eintritt, nimmt man die Gewinne mit durch das Kaufen von Öl-Futures. Betrachtet man es aus dieser Sichtweise, dann hat schon die tagelange Spekulation auf diese Ankündigung zum Anzapfen der Öl-Reserve den Ölpreis ein paar Dollar fallen lassen. Nicht all zu schnell, aber in den nächsten Tagen könnte die OPEC dagegen halten mit einem Absenken der Fördermenge beziehungsweise einem Drosseln der Zunahme der monatlichen Fördermengenausweitung. Dies könnte den Ölpreis wieder ansteigen lassen.

WTI-Ölpreis im Verlauf der letzten 30 Tage



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2 Kommentare

  1. Was ist denn eigentlich mit der Frackingindustrie? Damals war die Dauerthema, jetzt hört man nichts mehr.

    1. @Columbo, die Frackingindustrie wurde einstmals glorreich und wüst eingepreist. In der all der Aufregung hat man vergessen, sie auch wieder auszupreisen. Wie immer an den Zukunftsmärkten mit ungewissem Ausgang.
      Heute geht es um Gas, morgen dann um „kleine“ Atomkraftwerke als Retter der Menschheit und des Planeten.
      Geht alles schief mit den Nebenwirkungen und Folgekosten, werden wir nichts weiteres hören.
      Wenn doch, sind vermutlich wie immer die linksgrün Versifften Schuld, auch am Untergang der Frackingindustrie.

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