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Ölpreis steigt – warum die OPEC Hoffnungen enttäuschte – Experte erläutert die Details

Der Ölpreis steigt an nach einem Rückfall früher in dieser Woche. Die OPEC hat mit ihrer Entscheidung den Markt enttäuscht. Hier dazu Detailerläuterungen eines Experten.

Öl-Bohrinsel

Der Ölpreis steigt wieder an. Seit gestern Nachmittag geht es mit dem amerikanischen WTI-Öl aufwärts von 112 auf aktuell 116,21 Dollar. Das europäische Brent-Öl steigt von 113,40 auf 116,98 Dollar. Dies liegt an der gestrigen Verkündung der OPEC, und der Enttäuschung der Marktteilnehmer, die wohl auf weiter fallende Preise gehofft hatten.

Ölpreis steigt wegen enttäuschter Hoffnungen

Wir hatten gestern LIVE berichtet. Die OPEC wird Russland nicht aus dem erweiterten Kartell namens OPEC+ ausschließen. Kein Wort über Russland fiel in der gestrigen Erklärung der OPEC. Und die Fördermenge für Juli? Die anstehende Fördermengenausweitung für September von 432.000 Barrels pro Tag zieht man einfach vor, jeweils zur Hälfte auf die Monate Juli und August. Und so werden in diesen beiden Monaten die anstehenden +432.000 in zwei Mal +648.000 Barrels pro Tag Zuwachs verwandelt. Ein Tropfen auf den heißen Stein ist das.

Denn in Zeiten eines großen Ölembargos der EU gegen Russland giert der Westen nach mehr OPEC-Öl. Aber man bringt doch mehr Öl auf den Markt, ist das nicht etwa eine gute Nachricht? Nein, der Terminmarkt zeigt es mit dem Kursverlauf im Ölpreis in dieser Woche. Im Chart sehen wir WTI-Öl im Kursverlauf seit Anfang der Woche. Zwei Tage lang gab es deutlich fallende Kurse – denn man erhoffte sich von der OPEC eine deutliche Ausweitung der Fördermenge. Seit gestern Nachmittag, wo die Infos der OPEC bekannt wurden, sah man die Enttäuschung, und der Ölpreis stieg wieder an.

Experte erläutert, warum der Markt so enttäuscht von der OPEC ist

Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank sagt in seiner aktuellen Analyse zur gestrigen OPEC-Entscheidung zum Beispiel Kernaussagen wie „Stärkere OPEC+-Produktionserhöhung nur auf dem Papier“ oder „Dumm gelaufen“. Was er damit meint? Die OPEC+ habe zwar gestern beschlossen die Ölproduktion im Juli und August jeweils um 648.000 Barrel pro Tag zu erhöhen und damit 50 Prozent stärker als bislang vorgesehen. Dennoch stieg der Brent-Ölpreis um rund 4 Dollar auf 118 USD je Barrel. Denn die OPEC+ habe lediglich die für die kommenden drei Monate vorgesehenen Produktionserhöhungen auf die nächsten zwei Monate vorgezogen. Mehr Öl stehe dem Markt, wenn überhaupt, nur kurzfristig zur Verfügung.

Auch betont Carsten Fritsch, dass sich die OPEC+ zur künftigen Rolle Russlands entgegen vorheriger Medienberichte nicht geäußert hat. Dies bedeute, dass Russland weiterhin vollwertiges Mitglied der OPEC+ bleibt. Eine nennenswerte Erhöhung der Ölproduktion sei damit wegen der voraussichtlich fallenden russischen Produktion unmöglich, solange andere Länder ihre Produktion nicht stärker ausweiten dürfen.

Interessant ist laut Carsten Fritsch an der gestrigen Pressemitteilung der OPEC, dass Ländern mit Abweichungen vom Produktionsziel bis zum Dezember Zeit gegeben wird, diese auszugleichen. Ursprünglich waren damit vorherige Abweichungen nach oben gemeint, also eine Überproduktion verglichen mit der erlaubten Menge. Heute seien es fast nur noch Abweichungen nach unten. Allerdings sei unklar, wie Länder, die ihre Produktion aufgrund von Kapazitätsbegrenzungen bislang nicht erhöhen konnten, dazu bis zum Jahresende in der Lage sein sollen. Eine derartige ausgleichende Produktionsausweitung könnte – wenn überhaupt – nur von Ländern mit freien Förderkapazitäten erfolgen. Dies sei laut den gestrigen Beschlüssen allerdings nicht vorgesehen.

Die Vereinbarung erlaubt laut Anmerkung von Carsten Fritsch Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Irak und Kuwait lediglich, die Ölproduktion um insgesamt 110.000 Barrel pro Tag stärker zu erhöhen als ursprünglich vorgesehen. Letzten Endes macht seiner Aussage nach die gestern beschlossene stärkere Produktionserhöhung im Juli und August für den Ölmarkt somit keinen großen Unterschied. Die OPEC+ dürfte auch weiterhin deutlich weniger Öl an den Markt bringen als vereinbart und somit nicht für die erhoffte Entlastung sorgen. Der Preisanstieg gestern nach der Sitzung bestätige dies.

Wie geht es weiter?

Nun, die erhoffte Entlastung für den Ölmarkt durch deutlich mehr OPEC-Öl ist ausgeblieben. Auch wenn es auf den ersten Blick gut ist, dass das Kartell mehr Öl fördert, so ist es eben keine wirklich Entlastung für einen Weltmarkt, der nach einer spürbar höheren Ölfördermenge gelechzt hat. Der Ölpreis hat einen guten Teil der Wochenverluste wieder aufgeholt, und nach dem Ölembargo der EU gegen Russland, und dank der massiven Benzinknappheit an der Ostküste der USA, könnte es mit dem Ölpreis am Terminmarkt womöglich weiter bergauf gehen.

Chart zeigt WTI-Ölpreis im Verlauf seit Montag WTI-Ölpreis im Verlauf seit Montag.



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2 Kommentare

  1. Könnte es sein das die Opec neue Ziele verfolgt?
    Komm Fiffi mach Platz sagt die USA.
    Jetzt wollen die nicht.
    Also unerhört

  2. Die kompetente Energie- und Rohstoffpolitik von China und Indien wird weiterhin einen grundsätzlich hohen Ölpreis mit sich bringen.

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