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Große Wende am Ölmarkt? Ölpreis steigt deutlich – Saudis mit klarer Ansage

Der Ölpreis legt seit gestern Abend einen spürbaren Anstieg hin. Saudi-Arabien macht Andeutungen in Sachen Öl-Fördermenge.

Öl-Bohrplattform

Zuletzt sah der Ölpreis schwach aus. Der immer stärker werdende US-Dollar drückt gegen Öl, genau so wie die in Europa und den USA womöglich anstehende Rezession (weniger Öl-Nachfrage) und das womöglich anstehende Atomabkommen mit dem Iran, wodurch viel zusätzliches Öl auf den Weltmarkt kommen könnte. Aber gestern Abend hat sich etwas auf dem Ölmarkt geändert, was den Ölpreis ansteigen ließ.

Saudis mit klarer Ansage – Ölpreis steigt

Gestern Nachmittag war der WTI-Ölpreis bis auf 86,59 Dollar gefallen. Dann wurde ein Interview mit dem saudischen Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman veröffentlicht. Hohe Volatilität und geringe Liquidität den den Ölmärkten würden falsche Signale senden in Zeiten, in denen Klarheit am nötigsten sei. Die OPEC verfüge über das Engagement, die Flexibilität und die Mittel im Rahmen der bestehenden Mechanismen der Kooperationserklärung, um mit solchen Herausforderungen umzugehen, einschließlich der Kürzung der Produktion zu jeder Zeit und in verschiedenen Formen, wie dies in den Jahren 2020 und 2021 eindeutig und wiederholt bewiesen wurde, so seine Worte.

Es ist also letztlich die klare Ansage der Saudis: Man will einen höheren Ölpreis sehen, und ist bereit dafür die Fördermengen zu kürzen. Und ja, wenn die Saudis alleine oder im Rahmen der OPEC plötzlich eine spürbare Reduzierung der Fördermenge verkünden, wäre das ein klares Signal der Verknappung an Öl, und der Ölpreis könnte einen Satz nach oben machen. Und genau dieses drohende Szenario hat der Ölmarkt gestern Abend umgehend eingepreist nach dieser Aussage. Denn WTI-Öl stieg von 86,59 Dollar deutlich an, bis heute Vormittag auf aktuell 91,46 Dollar.

Aussagen im Detail

Was hat Prinz Abdulaziz bin Salman genau gesagt? Der Ölmarkt sei in einen sich selbst verstärkenden Teufelskreis aus sehr geringer Liquidität und extremer Volatilität geraten, der die wesentliche Funktion des Marktes, nämlich eine effiziente Preisfindung, untergräbt und die Kosten für die Absicherung und das Risikomanagement für die physischen Nutzer unerschwinglich gemacht habe. Dies wirke sich negativ auf das reibungslose und effiziente Funktionieren der Ölmärkte, Energierohstoffe und anderer Rohstoffe aus, und schaffe neue Arten von Risiken und Unsicherheiten. Verstärkt werde dieser Teufelskreis durch unbegründete Meldungen über die Zerstörung der Nachfrage, durch immer wiederkehrende Nachrichten über die Rückkehr großer Angebotsmengen sowie durch Unklarheit und Unsicherheit über die möglichen Auswirkungen von Preisobergrenzen, Embargos und Sanktionen.

Ohne ausreichende Liquidität können die Märkte laut Prinz Abdulaziz bin Salman die Realität der physischen Grundlagen nicht sinnvoll widerspiegeln und ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln, wenn die Kapazitätsreserven stark begrenzt sind und das Risiko schwerwiegender Unterbrechungen hoch bleibt. Heutzutage müsse man nicht lange suchen um dies zu erkennen. Der Papier- und der physische Markt haben sich seiner Aussage nach zunehmend voneinander abgekoppelt. In gewisser Weise befinde sich der Markt in einem Zustand der Schizophrenie, was zu einer Art Jo-Jo-Markt führt und falsche Signale aussendet – und das in Zeiten, in denen mehr Transparenz und Klarheit sowie gut funktionierende Märkte mehr denn je erforderlich seien, damit die Marktteilnehmer die enormen Risiken und Unsicherheiten, mit denen sie konfrontiert sind, effizient absichern und verwalten können.

Die OPEC+ hat laut Prinz Abdulaziz bin Salman in der Vergangenheit ein sehr viel schwierigeres Umfeld erlebt und ist daraus stärker und geschlossener denn je hervorgegangen. Die OPEC+ verfüge über das Engagement, die Flexibilität und die Mittel im Rahmen der bestehenden Mechanismen der Kooperationserklärung, um mit solchen Herausforderungen umzugehen und Orientierungshilfen zu geben, einschließlich Produktionskürzungen zu jeder Zeit und in verschiedenen Formen, wie dies in den Jahren 2020 und 2021 deutlich und wiederholt bewiesen wurde. In Kürze werde man mit der Arbeit an einem neuen Abkommen für die Zeit nach 2022 beginnen, das auf den „bisherigen Erfahrungen, Errungenschaften und Erfolgen“ aufbauen soll. Man sei entschlossen das neue Abkommen noch wirksamer zu gestalten als bisher. Wenn wir miterleben, wie die jüngste schädliche Volatilität im Ölpreis die grundlegenden Funktionen des Marktes stört und die Stabilität der Ölmärkte untergräbt, wird dies die Entschlossenheit (der OPEC und OPEC+) nur noch verstärken.

WTI-Ölpreis im Verlauf der letzten fünf Tage WTI-Ölpreis im Verlauf der letzten fünf Tage.



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7 Kommentare

  1. Da die Saudis selbst russisches Öl mit Rabatt kaufen, können sie ja auch leicht die Fördermengenkürzug ankündigen.
    Sie werden auch wohl die Fördermenge kürzen, und mit russischem Öl ausgleichen.
    Wer kann sollte sich noch einmal den Heizöltank voll machen.
    Ich schätze mit Gas heizen wird im Hebst und Winter 3 bis 5 x teurer als mit Öl. Ich meine den Heizölpreis von heute.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Das Königreich Saudi-Arabien/die Öl-Allianz OPEC+ ist ein Garant für ein funktionierendes Ölgeschäft/eine funktionierende Ölindustrie, im Interesse der/einer globalen Ölversorgung.

  3. Wir müssen uns unabhängig von importieren Energien machen, sonst sind wir erpressbar, das gelingt nur über Forschung und Entwicklung und da darf man nicht kleckern sondern glotzen. Ich werde wahnsinnig, wenn ich Berichte über die Entsorgung des Atom Kraftwerkes Greifswald sehe, die Milliarden verschlingt und Jahrzehnte dauert, das ist Sackgassen-Technologie auf Kosten der Steuerzahler dem Lobbyismus geschuldet.
    Die Situation in Saporischschja zeigt
    daß ein AKW eine Waffe sein kann, also raus aus der Technologie.

  4. Ich werde den benzinpreiseen entsprechend mein fahrzeug führen. Soll heissen andere müssen auf landstrassen mit 70 kmh hinter mir herfahren.auf autobahnen max 90.innerorts ist überholen nicht möglich auch wenn vor euch einer mit 40 fährt. Das gibt Krieg auf den Strassen. Wird nur noch arm und reich geben. Wie USA…..und co

    1. Ich fahre schon seit 20 Jahren mit 80 auf der Landstraße und mit 100 auf der Autobahn obwohl mein PKW für 300km/h gut wäre. Es sind vor allem die übermotorisierten SUV Fahrer, die es besonders eilig haben, und im Sinne der in Deutschland 🇩🇪 üblichen Selbstjustiz mit Lichthupe und den bekannten Handzeichen ihrem Unmut versuchen, Luft zu machen. So lange es auf Staßen keine Mindestgeschwindigkeit gibt, ist die Schleicherei rechtlich vollkommen bedenkenlos.

      1. Mein Auto hat laut Werksangaben einen Durchschnittsverbrauch von 4 Litern Diesel auf 100 Kilometer.

        Dieser Verbrauchswert wurde bei der Nutzung der Vorwärtsgänge ermittelt.

        Daher fahre ich jetzt einfach die ganze Zeit Rückwärts.

  5. Hier ist noch ein Artike und ein Video von meinem letzten Urlaub in Los Angeles.

    https://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Los-Angeles-Rueckwaertsfahrer-sorgt-auf-Youtube-fuer-Aufsehen-id34791512.html

    Leider ist mein Spritverbrauch durch das Rückwärtsfahren noch nicht negativ geworden. Mache ich etwas falsch?

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