Märkte

Ölpreis steigt wegen Verknappungsangst – IEA-Aussagen stehen dagegen

Öl-Bohrstelle

Der Ölpreis steigt spürbar. Seit gestern früh von 96 Dollar klettert WTI-Öl bis jetzt auf 101,76 Dollar. Bis Anfang der Woche fiel der Markt noch, vor allem wegen dem Corona-Lockdown in Shanghai und damit wohl weniger Öl-Nachfrage. Nun hat sich die Lage geändert.

Gründe für derzeit steigenden Ölpreis

Als Grund für den aktuell steigenden Ölpreis kann man sagen, dass OPEC-Generalsekretär Barkindo gestern gewarnt hat, dass es im Falle von Sanktionen oder freiwilligen Maßnahmen unmöglich sei die wegfallenden russischen Ausfuhren von Öl in Höhe von 7 Millionen Barrel pro Tag zu ersetzen. Also ist ganz schnell die Verknappungsangst wieder da. Der Commerzbank-Experte Carsten Fritsch verweist heute darauf, dass die russische Ölproduktion am Montag offenbar erstmals seit Juli 2020 unter die Marke von 10 Millionen Barrel pro Tag gefallen sein soll. Weniger Angebot lässt den Ölpreis logischerweise steigen.

IEA mit Monatsbericht

Heute hat aber die Internationale Energie-Agentur (IEA) ihren Monatsbericht veröffentlicht. Ihre Aussagen klingen nicht ganz so eindeutig. Und der Ölpreis könnte deswegen eine Wende hinlegen? Denn in der Headline-Aussage spricht die IEA davon, dass das Risiko eines drastischen Defizits auf den globalen Ölmärkten aufgrund von Unterbrechungen der russischen Lieferungen sich aufgrund der niedrigeren Erwartungen für die globale Ölnachfrage, des stetigen Angebotswachstums und der umfangreichen Freigabe von Vorräten durch die IEA-Mitglieder verringert habe.

Strenge neue Abriegelungsmaßnahmen angesichts des Anstiegs der Covid-Fälle in China haben laut IEA dazu geführt, dass die Agentur ihre Erwartungen für die weltweite Ölnachfrage im zweiten Quartal 2022 und für das gesamte Jahr nach unten korrigiert hat. Die schwächer als erwartet ausgefallene Nachfrage in den OECD-Ländern zu Beginn des Jahres habe diesen Rückgang noch verstärkt. Infolgedessen wurde die IEA-Schätzung für die weltweite Ölnachfrage für das Jahr gegenüber dem Bericht vom letzten Monat um 260.000 Barrels pro Tag gesenkt, und die Nachfrage dürfte nun im Jahr 2022 durchschnittlich 99,4 Millionen Barrels pro Tag betragen, was einem Anstieg um 1,9 Millionen Barrels pro Tag gegenüber 2021 entspricht.

Das weltweite Ölangebot stieg im März um 450.000 Barrels pro Tag auf 99,1 Millionen Barrels pro Tag, angeführt von Nicht-OPEC+. Die IEA erwartet, dass das russische Ölangebot im April um 1,5 Millionen Barrels pro Tag zurückgehen wird, wobei sich die Stilllegungen ab Mai auf etwa 3 Millionen Barrels pro Tag beschleunigen dürften. Trotz der Unterbrechung der russischen Öllieferungen dürften laut IEA die niedrigeren Nachfrageerwartungen, die stetigen Produktionssteigerungen der OPEC+-Mitglieder sowie der USA und anderer Nicht-OPEC+-Länder und die massive Freigabe von Lagerbeständen durch die IEA-Mitgliedsländer die Entstehung eines deutlichen Defizits verhindern.

Fazit

Also: Einerseits verringert sich die Öl-Nachfrage, andererseits sinkt das russische Öl-Angebot deutlich. Aber glaubt man der IEA und ihrer Schlussfolgerung, dann wird der Rückgang des russischen Öl-Angebots durch mehrere Faktoren aufgefangen, und es kommt nicht zu einem globalen Angebotsdefizit bei Öl. Also, wird der Ölpreis heute wieder gen Süden drehen?

Chart zeigt WTI-Ölpreis im Verlauf der letzten zehn Tage WTI-Ölpreis im Verlauf der letzten zehn Tage.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. 7 Millionen Barrel kann die OPEC locker ersetzen, sie will nur nicht weil das Kartell den Ausfall Russlands nutzen will um die Preise in etwa auf diesem Niveau zu halten. In den nächsten Wochen und Monaten werden nicht unerhebliche Mengen an Schieferöl an den Markt kommen, das sagt einfach die Entwicklung der Rig-Counts. Zudem besteht bei anderen Öl-produzierenden Ländern noch erhebliches Steigerungspotenzial.

    Aber soweit können Trader von Natur aus nicht denken.

  2. Von daher bleibt zu hoffen, daß auf künftigen E-Gipfeln nicht doch noch ein russisches Öl-Embargo beschlossen wird. Konstruktiv/zielführend finde ich jedoch den Vorstoß von Ministerpräsident Markus Söder, die eigenen Ölvorkommen im Freistaat Bayern/Bundesrepublik Deutschland zu erörtern.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage