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Ölpreis ist über das Wochenende einem OPEC-Risiko ausgesetzt

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Der Ölpreis schien noch bis Dienstag nur eine Richtung zu kennen. Mit 76,63 Dollar sah WTI-Öl sein Hoch am Dienstag. Oberhalb von 77 Dollar hätte man das höchste Preisniveau seit 2014 erreicht, und aus charttechnischer Sicht wäre dann viel Platz nach oben gewesen. Aber dann folgte am Mittwoch der Rückgang von 4,6 Millionen Barrels in den wöchentlich vermeldeten Rohöl-Lagerbeständen in den USA. Das war der erste Rückgang in den US-Lagertanks seit acht Wochen.

OPEC-Angst schwebt über das Wochenende im Ölpreis

Nun ist der WTI-Ölpreis bis jetzt auf 74,32 Dollar zurückgefallen. Denn aktuell beherrscht eine gewisse Angst rund um die OPEC den Ölmarkt. Das Kartell könnte nämlich den seit Monaten so kräftig gestiegenen Ölpreis nutzen um durch eine höhere Fördermenge noch mehr Geld zu verdienen. Das hat man sich auch redlich verdient nach so üblen Staatsdefiziten der Öl-Länder in der Coronakrise? Denn letztes Jahr fiel der Terminmarktpreis für Öl sogar unter die Null-Linie, und Staaten die ihre Budgets auf Öl-Einnahmen aufbauen, fuhren gewaltige Staatsdefizite ein.

Nicht nur, dass die Gelegenheit bei den jetzt so hohen Preisniveaus glänzend scheint, mehr Öl auf den Markt zu werfen. Noch besser sieht es aus, wenn man auf die Nachfrage- und Angebotsmengen schaut. Und da scheint aktuell Luft für mehr Öl-Förderung durch die OPEC vorhanden zu sein. Laut heutiger Analyse der Commerzbank hat die OPEC im September ihre Fördermenge auf 27,31 Millionen Barrels pro Tag erhöht – aber die Nachfrage soll im 4. Quartal laut Schätzung der OPEC bei 28,9 Millionen Barrels liegen. Folglich ist bei der Fördermenge Luft nach oben vorhanden?

Mehr Fördermenge?

Derzeit erhöht die OPEC planmäßig ihre Fördermenge „nur“ um 400.000 Barrels pro Monat, um vorige Kürzungen (wegen der Coronakrise) wieder abzubauen. Nur 400.000 pro Monat sind es um den Ölmarkt nicht zu schnell zu überfluten nach der Coronakrise. Dies könnte ja ruckartig den Ölpreis zum Abrutschen bringen. Laut aktuellen Gerüchten besteht nun die Möglichkeit, das die OPEC+ (OPEC + externe Partner) am Montag eine stärkere Anhebung der Fördermenge verkündet als bislang geplant. So könnte geplant sein am Montag für November die Menge um 800.000 statt 400.000 Barrels pro Tag auszuweiten, und dann im Dezember gar nicht. Dies wäre also das Vorziehen der Dezember-Erhöhungsmenge auf November. Ob das reichen würde, damit der Ölpreis fällt? Oder müsste dafür ein klareres Signal für mehr Öl-Förderung von der OPEC kommen?

Mehr Fördermenge an Öl würde global gesehen dem Preisdruck entgegenwirken, und der Ölpreis könnte daher am Montag schnell negativ auf eine Nachricht zu mehr Fördermenge reagieren. Bis dahin schwebt heute Nachmittag und Montag früh diese Gefahr über dem Markt.

Chart zeigt Kursverlauf im WTI-Ölpreis seit Herbst 2019
Chart zeigt WTI-Ölpreis seit Herbst 2019.



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