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Ölpreis steigt nach OPEC-Scheitern – Tanz auf dem Vulkan

Eine Öl-Pumpe in der Wüste

Der steigende Ölpreis ist der Gewinner einer drei Tage nacheinander schaurig schlechten Vorstellung der OPEC. Donnerstag verschob man seine Sitzung ergebnislos auf Freitag, und am Freitag dann erneut ergebnislos auf Montag. Gestern am Montag wurde die Sitzung dann ebenfalls erfolglos abgebrochen, und ein neuer Termin steht nicht fest. Er werde zu „gegebener Zeit“ bekanntgegeben, so die OPEC wortwörtlich in ihrer Mitteilung.

Ölpreis steigt nach Absage Scheitern des OPEC-Treffens

Das Entscheidende für Öl-Trader ist kurzfristig die Tatsache, dass bei Ausbleiben einer Einigung und Verschieben des Treffens auf unbestimmte Zeit erst einmal keine weitere Erhöhung der Fördermenge beschlossen wurde. Das ist zumindest kurzfristig ein rosiges Szenario für Spekulanten, die auf einen weiter steigenden Ölpreis gesetzt haben. Denn seit letztem Donnerstag ist der WTI-Ölpreis von 73,50 Dollar auf heute früh 76,95 Dollar in der Spitze gestiegen (aktuell 76,46 Dollar) – das höchste Preisniveau seit Herbst 2018.

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Was war passiert? Offenbar hängt alles an den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die aus der Reihe tanzen und eine Extra-Behandlung haben möchten. Es ging in dieser am Donnerstag gestarteten Sitzung darum, wie stark die OPEC und ihre externen Partner (vor allem Russland) von August an ihre Öl-Fördermenge erhöhen werden. Es geht nämlich um den Balanceakt, dass man nur so stark erhöht, dass die Nachfragesteigerung immer noch größer ist, so dass der Ölpreis nicht abstürzt.

Angedacht waren +400.000 Barrels pro Tag Förderung im August – die selbe Menge sollte auch in den folgenden Monaten hinzukommen, so dass man bis Jahresende einen Zuwachs von 2 Millionen Barrels pro Tag gesehen hätte. Dazu hätte die OPEC-Konferenz dann jedem Mitgliedsland eine bestimmte höhere Fördermenge zugestanden. Aber offenbar wollten die VAE für sich einen höheren Zuwachs der Fördermenge durchsetzen. Und es ging auch um die Verlängerung der Gruppen-Vereinbarung über April 2022 hinaus. Offenbar wollten sich die VAE nicht jetzt schon für längere Zeiträume an diese Rahmenvereinbarung binden lassen. Gestrige Berichte zeigen, dass Energieministerium der VAE den Vorschlag, das Abkommen für das gesamte Jahr 2022 zu verlängern, ohne die Förderquote der VAE zu erhöhen, als „unfair“ gegenüber den VAE bezeichnet habe.

Wie auch immer. Eine Einigung kam in drei Verhandlungstagen und sicher auch in unzähligen Hintergrundgesprächen am Wochenende nicht zustande. Der Ölpreis ist deswegen aktuell wohl so guter Laune, weil der Ölmarkt das aktuelle Scheitern bei der OPEC dahingehend interpretiert, dass das bisherige Abkommen, nach dem die Produktion der OPEC+ (OPEC + externe Partner) von August 2021 bis April 2022 unverändert belassen wird, nach wie vor gilt – dieser Meinung ist in seiner aktuellen Analyse jedenfalls Eugen Weinberg von der Commerzbank, Deutschlands womöglich bester Rohstoffexperte.

Tanz auf dem Vulkan für Long-Spekulanten

Seiner Meinung nach könnte das Scheitern des Produktionsabkommens aber auch dazu führen, dass sich die VAE und andere Länder nicht mehr an das Abkommen halten und ihre Produktion schneller und stärker als vereinbart erhöhen werden. Aktuell sei die Stimmung am Ölmarkt sehr positiv, und die Marktteilnehmer würden sich auf das sich abzeichnende Angebotsdefizit fokussieren. Ein weiterer Anstieg im Ölpreis könne aber nicht nur die Nachfrage belasten, weil er durch die künstliche Verknappung verursacht wird, sondern auch die Nicht-OPEC-Produktion anschieben.

Mittelfristig wäre das Scheitern der OPEC+ für den Ölpreis laut Eugen Weinberg also tendenziell schädlich. Ich möchte da noch hinzufügen: Aktuell mögen die Spekulanten ihr Glück kaum fassen können, dass die Ölproduktion der OPEC und ihrer Partner erst einmal nicht weiter anzusteigen scheint. Der Ölpreis steigt. Aber das ist ein Tanz auf dem Vulkan. Auch wenn es die nächsten Tage oder Wochen nicht zu einer Einigung kommen sollte – die einzelnen OPEC-Mitglieder sehen den steigenden Ölpreis und die global anstehende Unterversorgung mit Öl. Man kann vermuten, dass Länder wie der Irak und einige andere auf eigene Faust mehr Öl fördern um ihre Kassen voll zu machen.

Und dass es noch zu einer offiziellen Einigung für eine höhere Öl-Förderung ab August kommt, das ist doch stark anzunehmen. Denn warum sollten die Öl-Produzenten nicht die Chance ergreifen bei Unterversorgung und steigenden Preisen etwas mehr Öl zu fördern? Wer jetzt noch auf einen weiter steigenden Ölpreis wettet, lebt äußerst gefährlich. Plötzliche Nachrichten über eigenständige Fördermengenausweitungen einzelner OPEC-Mitglieder oder über ein neues OPEC-Treffen könnten die Rallye im Ölpreis beenden.

Chart zeigt Ölpreis-Verlauf seit Herbst 2017
Verlauf des WTI-Ölpreis seit Herbst 2017.



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