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Ölpreis plus 4 Dollar in 24 Stunden – die Hoffnungs-Hausse

Beispielbild einer Öl-Pumpe

Der Ölpreis war letzte Woche in gerade Mal drei Handelstagen um 100 Prozent angestiegen. Gestern folgte dann ein Dämpfer, und der Ölpreis (amerikanisches WTI) rutschte von 20 auf fast exakt 18 Dollar im Tief. Denn nach Aussagen der Trump-Administration über mögliche Sanktionen gegen China gab es Sorgen über ein Aufwärmen des Handelskriegs gegen China. Und heute? Da denkt niemand mehr dran. So schnelllebig ist derzeit der Ölmarkt!

Ölpreis steigt kräftig an – die Hoffnung ist da, aber Vorsicht!

Nun hat der WTI-Ölpreis binnen 24 Stunden weit mehr als 4 Dollar zugelegt auf aktuell 22,53 Dollar. Was für eine Bewegung. Ein Plus von 12,50 Dollar in genau einer Woche! Im Chart sehen wir den Verlauf im Ölpreis in den letzten 30 Tagen. Man sieht mittig den Absturz im Mai-Kontrakt, an den (sinnbildlich gesprochen) der Juni-Kontrakt angeklebt wurde. Er drohte eine  Zeit lang auch gen Null zu crashen – da gab und gibt es Befürchtungen von Beobachtern! Aber aktuell geschieht das Gegenteil. Warum? Seit Tagen steigert sich eine Euphoriewelle immer weiter.

Und liest man aktuell Presseartikel, schaut Fernsehen, und verfolgt die weltweiten Entscheidungen der Regierungen, dann sieht man überall eine ähnliche Entwicklung. Die Einschränkungen des öffentlichen Leben wegen dem Coronavirus werden weltweit an vielen Orten Schritt für Schritt gelockert. Das nährt aktuell die Hoffnung der Trader, dass auch die Nachfrage nach Öl immer weiter ansteigt, und somit auch der Ölpreis. Denn dadurch würde die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage kleiner werden. Aktuell läuft diese Euphorie-Hausse auf Hochtouren. Sie kann aber schnell zerstört werden. Denn genau in diesen Tagen treffen im Golf von Mexiko nach und nach zahlreiche übergroße saudische Öl-Tanker ein, die Ende März/Anfang April in Saudi-Arabien voll beladen mit Öl abgelegt hatten. Sie werden die nächsten Tage die Öl-Lager in den USA noch weiter füllen.

Heute Abend um 22:30 Uhr werden die privat ermittelten API-Daten andeutungsweise zeigen, ob die Lagerbestände in den USA weiter kräftig ansteigen. Und morgen sehen wir dann um 16:30 Uhr die staatlichen Lagerdaten in den USA. Sie könnten die Hausse im Ölpreis beenden – oder bei weniger Lagermengen als erwartet die Hausse befeuern. Letzte Woche zum Beispiel stiegen die Lager „nur“ um 9 Millionen Barrels, bei einer Erwartung von +11 Millionen. Was für eine Erleichterung für die Öl-Bullen (Ironie). Achtung: Auch schlechte Konjunkturdaten können jederzeit voll reinknallen. Man bedenke: So ein gigantischer Anstieg im Ölpreis in so kurzer Zeit bietet viel Rückschlagpotenzial! Aber mitten in einer Hausse – wer kann da schon sagen, wo sie halt macht.

Ölpreis im Verlauf der letzten 30 Tage

Analystenmeinungen

Naeem Aslam von Avatrade sagt heute, dass der Ölpreis höher notiert, weil die Welt zu ihrer neuen Normalität zurückkehre. Ehemalige Pandemie-Hotspots wie Italien und Spanien haben gestern die Lockdown-Maßnahmen gelockert, und der Weg Großbritanniens, den Lockdown zu beenden, wird wahrscheinlich diese Woche festgelegt werden. All dieser Optimismus hat dazu beigetragen, dass der Ölpreis die längste Serie von Tagesgewinnen seit mehr als neun Monaten verzeichnet hat. Dies bestärkt das Argument, dass das Schlimmste für das Öl vielleicht vorbei ist, so Naeem Aslam. Jasper Lawler von der London Capital Group meint heute, dass der Absturz im Mai-Kontrakt intuitiv ein Tiefpunkt gewesen sei. Der Future für den nächsten Frontmonat läuft in gut zwei Wochen aus, so dass sich bärische Händler für den richtigen Moment zurückhalten, um die Lagerkapazität zu bewerten. Es ist immer noch möglich, dass wir Zeuge eines weiteren negativen WTI-Preises werden, wenn niemand eine erneute Lieferung nach Ablauf des Terminkontrakts wünscht. Und da die Tankschiffe voll sind, steuert Brent auf dasselbe Schicksal zu, so Jasper Lawler.



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