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Ölpreis: Preisanstieg als Vorbote für große Inflation?

Der Ölpreis hat eine beeindruckende Rally absolviert – man wettet auf eine starke Erholung der Konjunktur einerseits, andererseits sorgen OPEC+ und geopolitische Spannungen (Saudi-Arabien/Jemen) für Preisauftrieb. Wier aber geht es nun weiter mit dem Ölpreis – sorgen die gestiegen Preise für einen Schub der Inflation?

Backwardation und Contango, zwei spezielle Begriffe aus dem Optionshandel, könnten in diesem Jahr wieder mehr ins Licht der Öffentlichkeit geraten. Schließlich geht es in diesem Zusammenhang um Erdöl, dem so genannten schwarzen Gold, welches nach wie vor einen großen Einfluss auf die Weltwirtschaft und auch auf das Thema Inflation besitzt. Es geht speziell um Ölkontrakte, die am Optionsmarkt gehandelt werden und die bei ihren Verfallsterminen in den nächsten Kontrakt „gerollt“ werden müssen, der entweder billiger oder teurer ist, je nach Marktaussicht. Bei Backwardation werden künftig niedrigere Preise erwartet, bei Contango das Gegenteil.

Ölpreis: Das extreme Jahr 2020

Es scheint schon in ferner Vergangenheit zu liegen, in unserer schnelllebigen Zeit, aber es war damals eine richtige Sensation. Gibts nicht, gibt es nicht an der Börse, so kann man die Situation vom April 2020 bezeichnen, als der Ölpreis (bei einem bestimmten Kontrakt) negativ wurde. Infolge des totalen Nachfrageeinbruchs durch den „Super-Lockdown“ zu Frühlingsbeginn gab es eine massive Überversorgung mit dem Rohstoff – auch ausgelöst durch den Kampf der Förderländer Russland und Saudi-Arabien, die sich nicht auf Förderkürzungen einlassen wollten. Da es kaum mehr Lagerstätten gab und das Öl irgendwo hin musste, zahlte man sagenhafte 37 Dollar für die Abnahme des Öls. Was für eine Situation, für Produzenten, Händler und Spekulanten und die Folge konnte nur sein, dass die Preise in Zukunft nur steigen konnten, Optionskontrakte teurer wurden, Contango eben.

Das Wiedererwachen der Weltwirtschaft

Aber bereits kurz danach begannen der Ölpreis zu steigen, zum einen weil sich die Öl-Förderländer darauf verständigt hatten, die Produktion um acht Millionen Barrel auf 94,5 Millionen zu drosseln und weil die Chinesen, früh aus dem Lockdown kommend, Unmengen an billigem Öl orderten, um einen Teil davon später zu viel höheren Preisen zu verkaufen. Ein gutes Geschäft – und gleichzeitig konnte man die Öl-Förderstaaten ein wenig ärgern. In der Summe bedeutete dies aber, dass die amerikanische Sorte WTI bis zum Jahresende wieder auf 45 Dollar gestiegen war. Bei den Ölkontrakten wurde der Preisanstieg berücksichtigt, es herrschte Contango vor.

Zu Jahresende kam es an den Börsen zum großen Game Changer, Impfstoffhoffnungen, die Branchenrotation zu Old Economy und bis zum gestrigen Tag ein weiter steigender Ölpreise (WTI) bis auf fast 68 Dollar, wie wir es täglich auf FMW von Claudio Kummerfeld erfahren konnten.

Geht es weiter nach oben?

Eine seltsame Gemengelage trieb den Ölpreis in immer größere Höhen: Die nicht erwartete Einigkeit in der OPEC, plus Russland, die Fördermengen nicht zu erhöhen, Angriffe von jemenitischen Huthi-Rebellen auf Saudi-Arabien und eine weitere Erholung der Industrieproduktion, lassen die Ölvorräte derzeit um zwei Millionen Barrel pro Tag schrumpfen.

Manche Analysten sprechen schon von dreistelligen Notierungen, was natürlich zu Gegenmaßnahmen führen müsste. Aber eines ist sicher: Aufgrund des Basiseffekts wird die Inflation in den kommenden Monaten steigen, Morgan Stanley sprach schon vor den letzten Preisanstiegen von einem Effekt von 0,7 Prozent.

Steht eine Angebotserweiterung durch die Fracker bevor?

Was werden die amerikanischen Schieferölproduzenten aufatmen, angesichts der gestiegenen Ölpreise. Man hatte so viele unrentable Bohrlöcher schließen müssen, bei vielen überschuldeten Firmen drohte ein Massensterben. Die USA waren unter Donald Trump zum größten Ölproduzenten der Welt geworden. Warum also nicht sofort die Produktion erhöhen, mit der Folge rasch fallender Notierungen?

Nicht so einfach, da gibt es zum einen auch hier die gestiegenen Zinsen und zum anderen einen neuen Präsidenten. Für Joe Biden ist der Umweltschutz ein wichtiges politisches Vorhaben, für das Erreichen seiner Klimaziele wäre ein Hochfahren der „schmutzigen“ Ölbranche nicht in seinem Sinne, höhere Auflagen drohen in jedem Fall.

Aus Contango wird Backwardation

Dennoch wird die Ölproduktion mit großer Wahrscheinlichkeit künftig hochgefahren. Daraus ergibt sich die Situation, dass die gegenwärtigen Ölkontrakte am Optionsmarkt teurer sind, als die später fällig werdenden. Ein nicht zu häufig eintretender Fall, aber die derzeitige Nachfrage führt zu dieser Backwardation.

Der am nächsten fällige Kontrakt kostet 67 Dollar, der WTI-Kontrakt für Januar 2022 – 60 Dollar. Noch fernere Fälligkeiten sind noch billiger, so dass man eigentlich von Roll-Gewinnen profitieren könnte.

Fazit

Wieder ein Beispiel für meine schon auf viele Situationen an den Kapitalmärkten geäußerte These, dass sich das Börsenjahr 2021 vermutlich total von seinem Vorgänger-Jahr unterscheiden werde. Bei Zinsen, Inflation, Anleihen, Aktien, Rohstoffen und damit auch im Bereich des Ölsektors. Durch den Anstieg beim Ölpreis über längere Zeit ist ein nicht zu unterschätzender Preistreiber für Inflation am Wirken.

Ich gehöre zu der Generation, die bereits den Ölpreisschock in den 70-er-Jahren miterlebt hat, mit seinen Sonntagsfahrverboten im November 1973, für uns jugendliche Radfahrer in München damals eine unglaubliche Erfahrung. So weit ist es heute natürlich bei Weitem nicht, aber Ölpreisanstieg, CO2-Abgabe, Steuererhöhungen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, von denen es noch 47 Mullionen alleine in Deutschland gibt – bei zusätzlich 4 Millionen Ölheizungen – ein nicht zu vernachlässigender Faktor. Da ist das Signal an den Öl-Terminmärkten eigentlich ein Gutes, denn Backwardation heißt, dass sich das Öl in Zukunft wieder verbilligen wird. Zunächst müssen wir inflationstechnisch aber den Supervergleich überstehen: April 2021 versus April 2020!

Sorgt der weiter steigende Ölpreis für ein starkes Anziehen der Inflation?



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2 Kommentare

  1. Fazit : Das ist Unsinn, der Markt, wir alle, müssen aus Corona raus, lieber Wolfgang, und genau das wird passieren, wahrscheinlich bis Jahresende. Was das ganze „Inflationsgerde“ soll ? – Na ja… jeder so wie er will.
    Ölheizungen sind bei Bestandschutz nicht verbietbar. ;D :D

    „Zu Jahresende kam es an den Börsen zum großen Game Changer, Impfstoffhoffnungen, die Branchenrotation zu Old Economy und bis zum gestrigen Tag ein weiter steigender Ölpreise (WTI) bis auf fast 68 Dollar, wie wir es täglich auf FMW von Claudio Kummerfeld erfahren konnten.“.

    Ja, aber trotzdem ist der Markt „im Eimer“, so eine Marktbewegung ist eine normale Gegenbewegung, beim Öl. so was wird sich erst dann auflösen, wenn es genügend ‚Impfstoff“ gibt. Nebst den Corona Mutationen , welche ebenso da sind.

    Wolfgang, Hut ab, Du kannst was !

    Und das meine ich Ernst!

    Ich hab übrigens Öl zum Billigstpreis gekauft. ;) :D

    Viele Grüße

    Marko

  2. Und sowas kann ich mir gar nicht ansehen, die Chinesen sind der Ursprung Coronas.

    https://www.onvista.de/news/der-osten-steigt-auf-waehrend-der-westen-im-niedergang-ist-chinas-erfolg-ueber-das-virus-macht-xi-jinping-selbstbewusst-usa-als-groesste-bedrohung-fuer-weiteren-aufstieg-440396813
    .
    Sie geben es bist heute nicht zu, „stolze Asiaten“ usw. Der „Osten ist weiter“, usw…

    Viele Grüße

    Marko

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