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Ölpreis-Rallye: „Whatever it takes“ war der Auslöser – Meinung

Öl-Pumpe

Am 26. Juli 2020 sprach EZB-Chef Mario Draghi auf einer Konferenz in London die Worte „Whatever it takes“ aus. Es war eine klare Positionierung, welche den Märkten klar machte, dass die EZB alles tun würde um den Euro zu retten. Was hat das mit dem Anstieg im Ölpreis zu tun? Nun, nach meiner persönlichen Meinung gab es so einen Moment auch am Ölmarkt, und zwar am 5. Januar 2021.

Ölpreis mit kräftigem Anstieg

Seitdem ist der WTI-Ölpreis von 47,50 Dollar bis heute auf über 61 Dollar angestiegen. Eine beeindruckende Rallye von immerhin 28,4 Prozent, und das in knapp sechs Wochen. Jetzt könnte man noch frühere Startzeitpunkte für die Rallye aussuchen, dann sähe der Anstieg noch spektakulärer aus. Aber ich glaube, dass gerade der 5. Januar ein „Whatever it takes“-Tag war. Denn da hatte Saudi-Arabien dem Ölmarkt klipp und klar zu verstehen gegeben, dass man es wirklich ernst meint mit dem Drang zu einem deutlich höheren Ölpreis.

Seit Jahren ringt Saudi-Arabien mit seinen Partnern innerhalb und außerhalb der OPEC immer wieder mit Vereinbarungen um eine Begrenzung der Öl-Fördermenge. Mal gelingen Abkommen mehr, mal weniger gut. Mal halten sich die Partner an die Mengenbegrenzungen, mal eher nicht. Und seit Monaten fragte man sich am Ölmarkt, ob die Erholung von der Coronakrise und die Fördermengenbegrenzungen der OPEC ausreichen würden, um den Ölpreis nachhaltig immer weiter hoch zu pushen. Aber dann, wie gesagt, am 5. Januar war es soweit.

Saudi-Arabien mit klarer Ansage

Ich möchte mit diesem Artikel dieses Datum hervorheben. Damals berichteten wir auch schon über dieses wichtige Ereignis, was sich aber nach meiner Meinung im Rückblick als der Auslöser für eine tolle Rallye im Ölpreis erwiesen hat. Denn Saudi-Arabien entschied sich ein klares Signal zu senden. Ohne sich mit seinen Partnern abzustimmen, verkündete man in den Monaten Februar und März die eigene Öl-Förderung um 1 Million Barrels pro Tag zu senken. Und das noch zusätzlich zu den Kürzungsmaßnahmen der OPEC. Hier das Statement der Saudis im Wortlaut:

Das machte dem Ölmarkt klar, dass die Saudis wohl (wie damals die EZB beim Euro) fest entschlossen sind, auf eigene Kosten sehr große Opfer zu bringen, um den Ölpreis weiter kräftig steigen zu lassen. Denn eine weitere starke Senkung der Fördermenge sorgt sachlogisch für einen steigenden Ölpreis – es ist der einfache Mechanismus von Angebot und Nachfrage.

Sicher, es gibt viele andere Faktoren für den gestiegenen Ölpreis in den letzten Wochen und Monaten. Vor allem kehrt die Konjunktur-Hoffnung zurück, nachdem immer mehr geimpft wird – und damit auch die Hoffnung auf mehr Öl-Nachfrage. Aber auf der Angebotsseite, da können die Förderländer wie Saudi-Arabien ganz präzise die Mengen steuern. Und ich denke, dass diese glasklare Ansage vom 5. Januar den kräftigen Schub brachte, der tagelang für Euphorie sorgte, und auch heute noch nachwirkt.

Sicherheit für den Markt

Dieses Statement von Saudi-Arabien gab den Händlern am Ölmarkt eine gewisse Art von Grundsicherheit, dass der de facto Anführer der OPEC letztlich alles notwendige tun wird, damit die Öl-Fördermenge in Relation zur Nachfrage nicht abhebt. Und die Saudis finanzieren diese Angebotsverknappung aus eigener Tasche (Verzicht auf Einnahmen), weil andere Länder (Irak etc?) vermeintlich nicht so verlässlich die Mengen kürzen. Aber wenn die Saudis von einer Kürzungsmenge von 1 Million Barrels pro Tag über zwei ganze Monate hinweg sprechen, dann glaubt man ihnen das am Ölmarkt – es geht um Verlässlichkeit.

Fraglich ist nur, was dann ab April geschieht. Wird Saudi-Arabien dann automatisch wieder 1 Million Barrels pro Tag mehr Öl fördern? Man darf vermuten, dass dann geschaut wird, wie sich die globale Impf-Situation darstellt, und wie die Nachfrageseite sich bis dahin entwickelt. Es ist gut denkbar, dass falls notwendig, weitere Maßnahmen ab April ergriffen werden. Der Schritt vom 5. Januar zeigt: Saudi-Arabien will den Ölpreis nachhaltig und deutlich höher sehen – bis jetzt hat man schon einen guten Erfolg erzielt. Aber reichen den Saudis 61 Dollar im WTI-Öl aus? Oder hat man noch deutlich höhere Ziele? Das ist die Frage. So wie die Saudis dem Ölpreis massiv geholfen haben, könnten sie ihn gefährden mit einer Mengenausweitung ab April, ohne dass die Nachfrage nach oben aufschließen kann. Man könnte eher annehmen, dass Saudi-Arabien durchhält  und einen höheren Ölpreis sehen möchte.

Chart zeigt Kursverlauf im Ölpreis seit Ende 2020



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2 Kommentare

  1. Was ? in 2020 ??????

  2. Die berühmte Draghi-Rede zum Euro fand am 26.07.2012 statt, nicht 2020.

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