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Ölpreis rauf oder runter? Eine schwierige Gemengelage

Der Ölpreis (WTI) notiert aktuell nur einen Dollar unter dem Höchstwert von 75,22 Dollar vom 3. Juli. Höher notierte der Ölpreis seit Ende 2014 nicht mehr. Schafft er es über dieses Hoch, ist aus technischer Sicht mal wieder Luft nach oben. Aber was sagen die Nachrichten? Da wird es etwas kniffliger.

Sinkender Ölpreis?

Angeblich hat Saudi-Arabien jüngst der OPEC mitgeteilt, dass man im Juni seine Fördermenge bereits um 500.000 Barrels pro Tag hochgefahren habe. Und das, wo die OPEC-Einigung auf insgesamt +1 Mio Barrels pro Tag erst am 22. Juni beschlossen wurde. Haben die Saudis also in Eigenregie schon mal vorher hochgefahren? Das und die möglichen Ausweitungen von Ländern wie Russland sollte Druck auf den Ölpreis ausüben. Deutlich mehr Angebot bedeutet fallende Preise.

Steigender Ölpreis?

Dagegen drücken aktuell folgende Nachrichten. In Norwegen wird aktuell ein Streik von Ölarbeitern erwartet, weil sie ein Angebot für Lohnerhöhungen abgelehnt haben. Das könnte für Knappheit von norwegischem Öl führen, zumindest kurzfristig. Wohl auch deswegen konnte Brent-Öl seit Freitag Abend auch um 1,5 Dollar steigen.

Und in Kanada gibt es aktuell den Ausfall bei der Syncrude Ölsand-Produktionsanlage. Daher fließen derzeit 360.000 Barrels pro Tag weniger Öl per Pipeline nach Süden zum Hauptumschlagplatz für Öl in den USA in Cushing, Oklahoma. Diese Knappheit könnte kurzfristig dem Ölpreis nach oben helfen.

China

Die Chinesen befinden sich bekanntlich am Massivsten derzeit im Handelskrieg mit den USA. Da verwundert es nicht, dass offenbar chinesische Öl-Importeure wie die „Dongming Petrochemical Group“ wie aktuell verkündet ihr Öl nicht mehr in den USA kaufen, sondern offensichtlich auf iranisches Öl ausweichen. Das ist gleich ein doppelter Schlag für die USA.

Einerseits verlieren die US-Fracker Kunden, und andererseits schießen die Chinesen gegen die Iran-Sanktionen der USA. Das sollte dank mehr vorhandener Ölmenge in den USA für Druck auf den WTI-Preis sorgen. Gleichzeitig zeigt dieser Vorgang, dass iranisches Öl wohl auch nach November 2018 seinen Weg auf den Weltmarkt finden wird. Global gesehen bedeutet das also nicht den Verlust der gesamten iranischen Fördermenge für den Weltmarkt, was wiederum negativ für den Ölpreis insgesamt gesehen ist.

Was sagt uns das? Die Gesamtlage ist schwierig. Es gibt derzeit Argumente für fallende wie auch steigende Kurse. Das Chartbild zeigt aktuell, dass es durchaus die Möglichkeit gibt, dass mit ein bisschen Schub das Hoch vom 3. Juli überwunden werden kann. Dann, wie gesagt, ist aus charttechnischer Sicht erstmal Luft nach oben.

Ölpreis WTI seit Ende Mai
Der WTI-Ölpreis seit Ende Mai.



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