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Ölpreis rauf und runter: Trump und sein Buddy König Salman sind schuld

Claudio Kummerfeld

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am

Die Wähler von Donald Trump brauchen für ihre durstigen dicken Autos einen möglichst niedrigen Ölpreis, was natürlich die Benzinpreise runterbringt. Doch der Ölpreis steigt seit Wochen immer weiter an. Und gleichzeitig gibt es da die US-Ölindustrie, die in den letzten Monaten viele neue Jobs schaffen konnte, weil ihre Förderung durch den hohen Ölpreis immer rentabler wurde. Und die Ölproduktion in den USA nimmt derzeit von Woche zu Woche deutlich zu, wie offizielle Daten es belegen.

Morgen kann es ja wieder ganz anders aussehen, aber für diesen Moment hat sich Donald Trump dafür entschieden mal etwas für seine Wähler an der Tankstelle zu tun. So telefonierte er am letzten Wochenende mit König Salman von Saudi-Arabien. Von saudischer Seite wurde das Telefonat bestätigt. Sehen Sie dazu den entsprechenden Tweet von Donald Trump. Er habe König Salman gebeten die saudische Fördermenge um 2 Millionen Barrels pro Tag zu erhöhen.

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Aus dem Tweet geht es ja klar hervor. Für Trump sind die Benzinpreise zu hoch, und Salman habe dem angeblich zugestimmt. Die Saudis sollten doch bitte die Produktionsausfälle von Venezuela und Iran kompensieren. Aber halt. Da war doch noch was. Ja, gerade erst am 22. Juni hatte sich die OPEC darauf verständigt bis zu 1 Million Barrels pro Tag zu erhöhen um Venezuela und Iran auszugleichen. Auch die Saudis haben dem als Teil der Gemeinschaft zugestimmt.

Wie würde es aussehen, wenn bald bekannt würde, dass die Saudis nach einem kurzen Anruf von Trump durch einen brennenden Reifen springen und im Alleingang um 2 Millionen Barrels pro Tag erhöhen? Sie würden gegenüber allen anderen OPEC-Mitgliedern als Handlanger der USA da stehen, was dann ja auch so wäre! Es ist wenig wahrscheinlich, dass Saudi-Arabien tatsächlich um 2 Millionen Barrels erhöht. Vielleicht wird Salman Donald Trump gesagt haben, dass man sich das mal genauer anschaut usw… denn die Saudis haben im Nachhinein nicht bestätigt, ob und wie viel sie ausweiten werden für Donald Trump.

So unterschiedlich reagiert der Ölpreis in den USA und Europa

Ein US-Analyst sagte dazu jüngst, dass man 2 Millionen zusätzliche Barrels pro Tag nicht mal eben bestellen könne wie eine Tasse Kaffee. Dieser Anruf von Trump bei den Saudis sei nur viel Lärm um nichts. Wie aber reagiert der Ölpreis auf diesen Vorgang? Nun, das europäische Brent-Öl, das für das saudische Öl der wichtigere Gradmesser ist, fällt von Freitag Abend bis jetzt von 79,10 auf 77,89 Dollar. Man könnte also durchaus sagen, dass Trumps Tweet hier etwas bewirkt hat.

Das US-Öl WTI reagierte Montag früh nur ganz kurz wie erwartet, und fiel von 74,24 Dollar auf 72,52 Dollar. Aber wie gesagt, nur ganz kurz. Inzwischen notiert dieser für Nordamerika entscheidende Ölpreis mit 74,66 Dollar höher als Freitag Abend, und auf einem neuen Rekordhoch seit Herbst 2014. Mit diesem Anstieg verringert sich auch die große Spanne zwischen Brent und WTI auf derzeit nur noch 3,23 Dollar.

Wenn der Ölmarkt wirklich glaubt, dass die Saudis im Alleingang deutlich mehr Öl auf den Markt bringen als mit der OPEC vereinbart, dann ist es nachvollziehbar, dass eher Brent fällt als das WTI-Öl. Aber dass WTI inzwischen einen neuen Höchststand erreicht hat, beweist auch: Der Ölmarkt insgesamt drängt momentan weiter nach oben. Die Einigung der OPEC auf „nur“ 1 Million Barrel pro Tag Erhöhung lag nun mal unter der allgemeinen Erwartung von +1,5.

Ölpreis WTI und Brent im Vergleich
Der Ölpreis (WTI vs Brent) seit letztem Donnerstag. Gut sichtbar ist hier der abweichende Verlauf der beiden Preise (rot eingekreist der Übergang von Freitag Abend auf Sonntag Abend beim Neustart des Handels).

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Märkte

Ölpreis steigt wie im Rausch – warum das eine wacklige Nummer ist

Claudio Kummerfeld

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am

Eine Öl-Pumpe in der Wüste

Der Ölpreis steigt seit Freitag Abend immer weiter an. Gestern berichteten wir bereits. Der Dow Jones erreichte mit über 30.000 Punkten ein neues Rekordhoch. Die Kapitalmärkte fahren deutlich mehr Risiko. Denn das Risk On-Umfeld wird immer belieber nach mehreren guten Impfstoff-Meldungen und einer nun offenbar geregelten Amtsübergabe von Donald Trump auf Joe Biden. Je mehr Hoffnung die Anleger haben auf eine schnellere Erholung der globalen Konjunktur, und je mehr man nun Hoffnung auf neue Stimulus-Billionen der neuen Biden-Administration hat, desto mehr glaubt man auch an eine steigende Öl-Nachfrage. Sie treibt seit Freitag Abend den WTI-Ölpreis von glatt 42 Dollar bis jetzt auf 45,46 Dollar nach oben. Aber ist das nachhaltig? Geht es so weiter mit dem klaren Anstieg?

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Die gestern Abend vermeldeten API-Daten für die Öl-Lagerbestände in den USA zeigen einen Zuwachs beim Rohöl von 3,8 Millionen Barrels in den Lagertanks, was eigentlich gegen einen steigenden Ölpreis sprechen würde. Aber diese Daten wurden über Nacht vom Terminmarkt einfach ignoriert. Heute um 16:30 Uhr deutscher Zeit werden in den USA die staatlich ermittelten Lagerbestände für Öl veröffentlicht. Sie könnten dem Ölpreis einen neuen Impuls geben. Eugen Weinberg von der Commerzbank ist der vielleicht anerkannteste Rohstoff-Experte in Deutschland. Er erwähnt heute in seiner Analyse zum immer weiter steigenden Ölpreis, dass die Terminkurve erstmals seit Juni in Backwardation gedreht ist, d.h. der nächstfällige Futures-Kontrakt liegt oberhalb der späteren Kontrakte. Eine fallende Terminkurve werde häufig als Zeichen einer Angebotsknappheit interpretiert. Diese könne man seiner Meinung nach zumindest in den aktuellen Lagerdaten nicht erkennen.

Kräftiger Anstieg im Ölpreis übertrieben?

Auch macht Eugen Weinberg heute Aussagen, die vermuten lassen, dass der aktuelle Anstieg im Ölpreis doch auf durchaus wackligen Beinen steht. So gebe es von der Angebotsseite bei Öl wenig Positives zu berichten. Die Internationale Luftverkehrs-Vereinigung IATA erwarte, dass im nächsten Jahr 2,8 Milliarden Passagiere reisen werden, 1 Milliarde mehr als im Jahr 2020, aber 1,7 Milliarden weniger als 2019. Das Ausmaß der Krise werde deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass die eigentliche Nachfrage nach Flugtransport, gemessen in Passagierkilometern (PKM bzw. die Anzahl zahlender Passagiere multipliziert mit der zurückgelegten Strecke), im Jahr 2021 voraussichtlich 50 Prozent höher sein soll als in diesem Jahr, aber 50 Prozent niedriger als im letzten Jahr. IATA rechnet daher mit einer langen und schwierigen Erholung, wobei das Passagieraufkommen frühestens 2024 wieder das Niveau von 2019 erreichen soll.

Für den Zusammenhalt der OPEC+ könnte sich der jüngste Anstieg im Ölpreis laut Eugen Weinberg als kontraproduktiv erweisen. Denn er könnte die Allianzmitglieder eher zu einer „laissez-faire“-Haltung verleiten beziehungsweise eine Einigung auf schmerzhafte freiwillige Einschnitte unwahrscheinlicher machen. Ja, und so meine ich als Abschluss-Anmerkung… man sieht die letzten Jahre, was für ein wackliges Gebilde die OPEC doch ist. Bei großspurigen Einigungen zu Fördermengenkürzungen mussten in erster Linie die Saudis auf eigene Kosten deutlich mehr Produktionsmenge kürze, weil andere OPEC-Mitglieder sich nicht an ihre Kürzungszusagen hielten. Steigt der Ölpreis jetzt zu schnell und zu deutlich an, könnten Länder wie zum Beispiel der Irak der Meinung sein, dass eine weitere stringente Haltung bei den Fördermengenkürzungen nicht mehr so richtig notwendig ist. Erhöhen die Förderländer wieder die Mengen, und die globale Konjunktur erholt sich nicht so kräftig wie gedacht, hat der Weltmarkt schnell wieder ein Überangebot an Öl, und der Ölpreis könnte wieder kräftig abstürzen.

Chart zeigt Kursverlauf im Ölpreis seit Juli
Der Chart zeigt den Verlauf im WTI-Ölpreis seit Juli.

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Gold/Silber

Goldpreis: Charttechnische Ampeln springen auf „Gelb“

Jörg Bernhard

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am

Der Goldpreis rutschte in den vergangenen Handelstagen aufgrund einer nachlassenden Risikoaversion auf den tiefsten Stand seit vier Monaten ab. Dadurch hat sich die charttechnische Situation erheblich eingetrübt.

Goldpreis wirkt charttechnisch angeschlagen

Weltweit sind derzeit vor allem riskantere Anlageklassen wie zum Beispiel Aktien oder Kryptowährungen gefragt. Die Hoffnung, dass die Welt in Kürze möglicherweise mit drei Impfstoffen die Pandemie eindämmen kann, führte insbesondere bei Gold-ETFs zu massiven Abflüssen. Allein beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares war im November bei der gehaltenen Goldmenge ein Rückgang von 1.257,67 auf 1.199,74 Tonnen (minus 57,93 Tonnen) registriert worden.

Unter charttechnisch orientierten Goldinvestoren herrscht gegenwärtig aus zwei Gründen eine starke Verunsicherung. Erstens: Mit dem jüngsten Kursrutsch in Richtung 1.800 Dollar bewegt sich das gelbe Edelmetall in einer leichten Unterstützungszone, die sich in der ersten Julihälfte herauskristallisiert hat und nun akut gefährdet ist. Zweitens: Außerdem verläuft die langfristige 200-Tage-Linie ebenfalls im Bereich von 1.800 Dollar. Im Falle eines signifikanten Unterschreitens dieses Kursbereichs entstünden gleich zwei Verkaufssignale und somit möglicherweise zusätzlicher chartinduzierter Verkaufsdruck für den Goldpreis.

Doch eines sollten Anleger bei jedem Verkaufssignal stets im Hinterkopf behalten: Nicht selten erweisen sie sich als Fehlsignal. Im März dieses Jahres stürzte zum Beispiel der Goldpreis für einige Tage relativ deutlich unter seine 200-Tage-Linie, um sich nachfolgend innerhalb von weniger als fünf Monaten wieder um in der Spitze 600 Dollar auf ein neues Rekordhoch zu verteuern. Ein bisschen treffsicherer erwies sich ein solches Verkaufssignal Mitte 2018, schließlich folgte damals eine technische (temporäre) Korrektur von immerhin zehn Prozent.

Ein bisschen Optimismus verbreitet aktuell der Timingindikator Relative-Stärke-Index (RSI). Mit aktuell 32 Prozent ist dieser nicht mehr weit von der überverkauften Zone (< 30 Prozent) entfernt. Sollte der RSI die 30-Prozent-Hürde in den kommenden Wochen von unten nach oben durchschneiden, gilt dies in der Chartlehre nämlich als Einstiegssignal.

Fazit

Unter fundamentalen Gesichtspunkten sollten sich Anleger mit langfristigem Anlagehorizont keine großen „Goldsorgen“ machen. Als Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz dürfte die Geldalternative in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiterhin wertvolle Dienste leisten, schließlich werden sich selbst im Falle eines Siegs über die Pandemie die weltweiten Schuldenberge nicht in Wohlgefallen auflösen.

Der Goldpreis ist zuletzt unter Druck gekommen

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Indizes

Aktienmärkte: Abkühlung gefällig nach dem Novemberwunder?

Der Börsenmonat November wird in die Statistik eingehen, als Ausnahmemonat für die Aktienmärkte, wie es ihn in Jahrzehnten nicht gegeben hat!

Wolfgang Müller

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Wenn es noch ein paar Tage so weitergeht, wird der Börsenmonat November in die Statistik eingehen, als Ausnahmemonat für die Aktienmärkte, wie es ihn in Jahrzehnten nicht gegeben hat. Doch gemach, zieht man die zwei vorherigen Monate mit in die Betrachtung, sieht es schon erheblich unspektakulärer aus. Dennoch lagen die Indizes am gestrigen Börsenschluss wieder deutlich im Plus und die Frage wird täglich aufs Neue gestellt: Wann kommt die Abkühlung?

Aktienmärkte: Die aktuelle Novemberbilanz

Vier Handelstage vor dem Monatsultimo – in den USA wegen Thanksgiving nur zweieinhalb – bahnt sich eine extrem gute Monatsbilanz der Aktienmärkte an. Am Ende des gestrigen Tages lagen sowohl Dow Jones, als auch S&P 500 mit 10 Prozent auf Monatssicht im Plus. Besonders spektakulär das Durchbrechen der 30.000-Punkte-Marke beim altwürdigen Index. Hatte nicht Präsident Trump davon gesprochen, dass die Aktienmärkte dramatisch einbrechen würden, falls er nicht wiedergewählt werden sollte? Ich hatte schon am 5.11. in einem Artikel („Aktienmärkte und Wahlausgang: Warum fallen die Märkte nicht?“) mit historischen Daten belegt, warum die Rolle des Präsidenten für die Aktienmärkte überschätzt werde, es geht um andere Kriterien. Erstaunlicherweise liegt der Dax mit 11,5 Prozent seit der US-Wahl plus noch vor den US-Indizes, sicher auch wegen der Branchenrotation hin zu Value und weil der deutsche Leitindex einfach stets volatiler daherkommt.

Damit hätte der Monat bereits die durchschnittliche Jahresperformance der großen Indizes, über mehrere Jahrzehnte gerechnet, übertroffen. Und dies in einer Phase, in der viele Staaten gerade wieder in eine Rezession abrutschen. Aber das ist wiederum sehr häufig an der Börse, auch wenn Beobachter wieder viele unheimliche Kräfte für das Spiel verantwortlich machen. Wenn ein Wirtschaftsabschwung auf ein Ende zugeht, kommen oft die größten Zuwächse, wenn er dokumentiert wird, die Gewinnmitnahmen. Oder, „wenn die Nacht am dunkelsten ist, ist die Dämmerung am nächsten.“

Die aktuelle Konjunkturlage

Am gestrigen Tag wurde das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal in Deutschland veröffentlicht, es fiel mit plus 8,5 Prozent besser aus, als die vorherige Schätzung. Was aber kurstechnisch keine Rolle spielt, denn „fürs Gehabte gibts nichts“ so ein bekannter Börsenspruch aus der Vergangenheit. Aber vermutlich auch nicht für den Ifo-Index, der bereits zum zweiten Mal in Folge gefallen ist und die ständig weiter nach unten geschraubten Wachstumszahlen für Q4 des laufenden und Q1 des kommenden Jahres. Eine „Double-Dip-Recession“ steht in vielen Industriestaaten an, dennoch dürfte sich der Kursschaden (temporär) sehr in Grenzen halten, denn es gibt gewaltige Gegenkräfte. Doch dazu später mehr.

Die Branchenrotation

Auch wenn es bisher nicht zum Abverkauf der dominanten Hightech-Titel gekommen ist, wie ETFs auf „Information Technology“ beweisen, so ist doch eine gewaltige Rotation hin zu Value, zu Industrietiteln und vor allem zu Nebenwerten erkennbar (Russel 2000). Die Techwerte laufen seitwärts, die Zurückgebliebenen haussieren.

So im SPDR Industrial erkennbar, einem ETF auf amerikanische Industriewerte, genau wie in einem Sammelindex für die Luftfahrtindustrie, in einem Bankenindex, bei Versicherungen, bei Reise- und Freizeitindizes, im Energiesektor und bei Grundstoffwerten. Am stärksten lief die Rally bisher im Nebenwerte-Segment, dessen Index sich schon über 25 Prozent von seinem Aufwärtstrend nach oben abgesetzt hat.

Was sagt uns das alles? Die Aktienmärkte blicken nicht auf die Aktualität, wie eigentlich immer, auch wenn dies viele, gebannt durch die tägliche Berichterstattung nicht wahr haben wollen, sondern deutlich in die Zukunft. Und da erwartet man die Rückkehr zur Normalität, die Coronazeit wird ausgepreist.

Die Notenbankpolitik

Hat nicht vor kurzem eine US-Großbank von einem Re-Balancing bei Mischfonds gesprochen, dergestalt, dass man die Aktien/Anleihe-Relation von 60/40 wiederherstellen müsse und damit bis zum Jahresende weltweit Aktien in Höhe von 300 Milliarden Dollar zu verkaufen wären? Aber was ist diese Summe gegen die Geldflut der Notenbanken (Fed, EZB, BoJ, BoE, SNB), um nur die Größten zu nennen, die demnächst aktiv werden? Soll nicht Janet Yellen neue US-Finanzministerin werden, die ehemalige Chefin von Jerome Powell? Der Fed-Chef wird sich eher mit der Professorin in Verbindung setzen, als mit Steven Mnuchin zu diskutieren, der in gut 30 Handelstagen sowieso nichts mehr zu sagen hat und wenn, könnte es die Neue umgehend wieder korrigieren.

Was nichts anderes heißt, als dass man in der schwierigen Phase des nochmaligen Anschwellens der Coronazahlen die Notenpresse in Gang hält, um zu unterstützen, wie es Jerome Powell erst kürzlich betont hat. In Kürze jährt sich der Kommunikationsgau von Powell zum zweiten Mal, als er 2018 die Aktienmärkte mit „hawkishen“ Bemerkungen bis fast ins Bärenterritorium gejagt hatte. Er wird gerade in der Phase der „transition“, des Übergangs, alles Marktschädliche unterlassen.

Die Impfhoffnung und die möglichen Konsequenzen

Auch wenn die Kursreaktionen nach jeder Impfstoffmeldung abnehmen, verbleibt das Vakzin gegen Covid-19 der fast alles bestimmende Faktor. Hunderte Impfzentren entstehen allein in Deutschland und wie viele werden es wohl weltweit werden, demnächst? Wird die Meldung für die Zulassung eines Impfstoffes und damit dem Beginn der Impfungswelle nicht noch einmal für einen Kurssprung sorgen? Wenn es Realität würde, dass man in 2 Minuten einen Menschen impfen könnte, so wie es in Deutschland berichtet wurde und das tausendfach in hunderten Impfzentren.

Würde dann die Zahl der Geimpften nicht schneller steigen, als es die Zahl bei den Infektionen in der Spitze getan haben – nur dann kontinuierlich? Ist es das, was die Märkte für das nächste Halbjahr einpreisen?

Fazit

Es kommt schon Vieles zusammen im Nebelmonat November. Ein Wahlkrimi, der anlegertechnisch in eine gewaltige Short Squeeze mündete und in eine Branchenrotation, die es nur ganz selten in dieser Ausprägung gab. Dann kamen noch die Impfstoffmeldungen, als Game Changer oben drauf, die das Ganze noch verstärkten. Als Turbo für viele ängstliche Investoren, die plötzlich Licht am Horizont sahen und eine Notwendigkeit für viele Investmentfonds, wenn man nicht endgültig gegen die passiven Vehikel ins Hintertreffen geraten will.

Am 9. November wurde durch die Märkte das Ende von Corona ausgerufen. Das Ergebnis ist eine Euphorie, die in normalen Situationen in einen gewaltigen Kurseinbruch münden würde. Wahrscheinlich aber nicht zum Ende des Coronajahrs 2020, in dem sich zwei Kräfte gegenseitig potenzieren: Die Hoffnung auf einen Anstieg der Wirtschaft zur Jahresmitte 2021, wenn „tote“ Branchen aufgrund der Impfauswirkungen zum Leben erweckt werden und eine Geldversorgung durch Notenbanken, die die Kapitalanleger „noch“ in eine Anlageklasse zwingt. Dennoch: Sollte es tatsächlich noch bis zum Monatsende mit den Kursen weiter nach oben gehen, der Monat November zum Jahrhundertrekord avancieren? Ich denke spätestens dann im Anschluss sollte die Schwerkraft mal kurz und kräftig zuschlagen. Ich bin nur auf den Anlass gespannt, wenn es wieder heißt „die Kurse machen die Nachrichten“  und die Aktienmärkte dann eine Zwischenkorrektur einlegen..

Die Aktienmärkte erleben im November eine Art Wunder

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