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Ölpreis schwach – Blick auf wichtigen OPEC-Entscheid

Der Ölpreis zeigt sich seit Freitag schwach. Wir schauen auf die Gründe, und blicken auf den morgigen wichtigen OPEC-Entscheid.

Öl-Förderanlage in Kanada

Der WTI-Ölpreis ist seit Freitag von über 101 Dollar auf heute aktuell 93,62 Dollar gefallen. Was ist hier passiert? Der in den letzten Tagen deutlich gefallene US-Dollar hätte doch eigentlich Öl stützen können? Wir besprechen mehrere Gründe für den Preisrückgang und bieten einen Ausblick auf die morgige OPEC-Entscheidung.

Ölpreis fällt deutlich – die Gründe

Schwache Konjunkturdaten aus China sorgten gestern für Schwäche im Ölpreis. Denn je schwächer die Konjunktur, desto weniger Öl wird von Unternehmen und Verbrauchern nachgefragt. Seit Monaten schwankt der Ölmarkt zwischen Rezessionsangst und Verknappungsangst – und jetzt überwiegt mal wieder die Rezessionsangst. Aber es gibt noch weitere Gründe für die Ölpreis-Schwäche. Libyen ist wieder verstärkt auf den globalen Ölmarkt zurückgekehrt. Die Ölproduktion ist wieder auf 1,2 Millionen Barrels pro Tag gestiegen, das höchste Niveau seit April. Wegen der ständigen Instabilität in Libyen kommt es immer wieder mal zu Problemen bei Produktion und Export, aber für diesen Augenblick ist Libyen mit seiner Ölförderung wieder da. Ca 600.000 Barrels an Öl pro Tag sind nun zusätzlich auf dem Weltmarkt im Angebot gegenüber den letzten Monaten.

Die Experten der Commerzbank merken auch noch folgendes an: Der Großteil des jüngsten Rückgangs im Ölpreis sei allerdings darauf zurückzuführen, dass der Oktober-Kontrakt als neuer Referenzkontrakt zum Zeitpunkt des Kontraktwechsels rund sechs USD niedriger notierte als der inzwischen ausgelaufene September-Kontrakt. Der WTI-ÖlPreis sei ohne die Besonderheit des Kontraktwechsels gefallen von am Freitag in der Spitze erreichten 102 USD je Barrel bis auf 92,5 USD. Damit markierten beide Ölpreise den niedrigsten Stand seit Mitte Juli.

Ausblick auf die Entscheidung der OPEC

Morgen steht die wichtige Entscheidung der OPEC an. Die Gesamtgruppe namens OPEC+, zu der auch Russland gehört, hatte die September-Ausweitung der Fördermenge auf Juli und August vorgezogen. Damit hat man theoretisch die Mengenkürzungen (wegen der Coronakrise) wieder rückgängig gemacht, über einen langen Zeitraum mit Schritt für Schritt steigenden Fördermengen. Nun ist die Frage, ob das Kartell morgen einen neuen Beschluss fassen wird. Hilft man dem Westen mit noch mehr Ölförderung, damit der Ölpreis fällt und die Tankstellenpreise fallen können?

Möglich wäre das. Nur durch einen gemeinsamen Beschluss der OPEC und der Gesamtgruppe OPEC+ könnten Länder wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate mehr Öl auf den Markt werfen. Denn in der Praxis haben viele OPEC-Mitglieder ihre auf dem Papier vereinbarten höheren Fördermengen nicht erreicht, aufgrund von Kapazitätsproblemen. Saudis und VAE hätten aber noch Luft nach oben bei der Fördermenge.

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Man kann aber vermuten, dass Russland als elementar wichtiger Partner innerhalb der OPEC+ sich morgen gegen eine weitere Ausweitung der Fördermenge ausspricht. Denn mit mehr Ölförderung könnten die Golfstaaten den Westen beliefern, als Ersatz für russische Lieferungen. Man könnte durchaus vermuten, dass Russland genau das verhindern will. Kommt es morgen zu keiner neuen Vereinbarung für eine höhere Ölförderung, wäre das womöglich ein Signal für den Ölpreis den Weg nach oben einzuschlagen.

Verlauf im WTI-Ölpreis in den letzten zehn Tagen Verlauf im WTI-Ölpreis in den letzten zehn Tagen.



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1 Kommentar

  1. Gut möglich, daß Russische Föderation-Staatspräsident Wladimir Wladimirowitsch Putin und Königreich Saudi-Arabien-Kronprinz Mohammed bin Salman al-Saud momentan das aktuelle OPEC+-Treffen in Sachen künftige Ölfördermenge thematisieren.

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