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Märkte

Ölpreis seit Wochen im Aufwärtstrend – gewichtige Gründe für Korrektur

Claudio Kummerfeld

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Eine Öl-Bohrplattform im Meer

Der Ölpreis steigt. Vorletzte Woche nach der Entscheidung der OPEC noch auf Niveaus um die 46 Dollar, pendelte WTI-Öl einige Tage gelangweilt herum. Nun geht es aber weiter bergauf mit einem aktuellen Kurs von 47,23 Dollar. Der 30 Tage zurückreichende Chart lässt einen klaren Aufwärtstrend von unter 41 auf jetzt über 47 Dollar erkennen. Woher kommt dieser Optimismus?

Gründe für steigenden Ölpreis

Nun, alles überlagernd ist derzeit die Impfstoff-Euphorie. In Großbritannien begann man letzte Woche mit den Corona-Impfungen, und in den USA verließen gestern die ersten Trucks mit Impfstoffen eine Pfizer-Fertigungsanlage. Auch dort soll es umgehend losgehen mit den ersten Impfungen. Dies schürt die Euphorie der Aktienanleger, dass eine Konjunktur-Erholung absehbar ist. Ebenso wird die Laune der Öl-Trader dadurch verbessert. Denn eine Konjunkturerholung sorgt für mehr Öl-Nachfrage, was den Ölpreis derzeit steigen lässt – zumindest steigt die Hoffnung auf eine Verbesserung der Konjunktur.

Auch wird der steigende Ölpreis unterstützt durch das anstehende neue Konjunkturpaket in den USA. Mehr Stimulus bedeutet vermutlich mehr Öl-Nachfrage, so die einfache Logik dahinter. Und da wäre noch was. Laut Medienberichten gab es in Saudi-Arabien eine Explosion an einem Öl-Tanker. Wer dahinter steckt, ist unklar. Aber so schlimm war der Schaden offenbar nicht. Egal, der Markt hat einen Grund mehr den Ölpreis derzeit steigen zu lassen.

Negative Faktoren werden ignoriert

Wie schon letzte Woche, so können wir auch heute nur betonen, dass die negativen Aspekte, welche einen tieferen Ölpreis eigentlich rechtfertigen könnten, derzeit ignoriert werden. Alles wird durch die Impfstoff-Euphorie überschattet. Man sollte daher vorsichtig sein – Rückschläge im Ölpreis sind möglich. Drei Punkte möchte ich hier ansprechen.

Heute sieht man das, was wir schon direkt nach der OPEC-Entscheidung vorletzte Woche vermutet hatten. Einige Teilnehmerländer der Kürzungsvereinbarungen würden sich nicht an die Vereinbarungen halten. Trotz dem Beschluss ab Januar insgesamt 500.000 Barrels pro Tag Öl mehr zu fördern, könnten einige Länder wie der Irak und andere eigenmächtig mehr Öl fördern als nach der Vereinbarung erlaubt. Und siehe da, heute hört man aus dem Iran, dass man bei niemandem um Erlaubnis fragen werde, wenn man seine Öl-Förderung deutlich ausweitet. Im ersten Quartal 2021 will man seine Endkundenverkäufe wohl um 500.000 Barrels pro Tag ausweiten. Alleine das für sich genommen wäre schon ein gewichtiger Faktor für einen fallenden Ölpreis.

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Der Ölpreis war vorletzte Woche und letzte Woche in der Tendenz weiter positiv, und das obwohl die OPEC beschloss mit den externen Partnern 500.000 Barrels pro Tag mehr zu fördern ab Januar. Der Markt war wohl erleichtert, dass die Fördermengensteigerung nicht noch höher ausfiel. Abgesehen vom Iran wäre als zweiter Grund für einen eigentlich tieferen Ölpreis zu nennen, dass die Öl-Lagerbestände in den USA letzte Woche dramatisch voller gemeldet wurden als gedacht, nämlich mit +15 Millionen Barrels. Eigentlich eine Schocknachricht für alle Öl-Bullen. Aber nein, der Ölpreis fiel nicht.

Und schließlich zeigen die am letzten Freitag veröffentlichten Terminmarktdaten für Öl (veröffentlicht durch die Terminmarktaufsicht CFTC), dass sich ein „beträchtliches Korrekturpotenzial“ aufgebaut, so formuliert es heute der Analyst Carsten Fritsch von der Commerzbank. Er erwähnt, dass die spekulativen Finanzanleger basierend auf den CFTC-Daten weiter auf einen steigenden Ölpreis gesetzt und damit die Rally zusätzlich angeheizt hatten. Die Netto-Long-Positionen bei Brent stiegen in der letzten Berichtswoche um 28.000 auf 274,600 Kontrakte.

Sie erreichten damit den höchsten Stand seit Februar, kurz bevor die Preise auf Talfahrt gingen. Sollten die Erwartungen einer schnellen Nachfrageerholung enttäuscht werden, sei eine Korrektur im Ölpreis möglich, so die Meinung von Carsten Fritsch. Und ja, schaut man sich das Gesamtbild an, dann ist eine Korrektur möglich. Aber wie gesagt, alles wird derzeit überlagert von der Impfstoff-Euphorie. Keine Glaskugel kann sagen, wie stark diese Euphorie ist und wie lange sie anhält.

Chart zeigt Verlauf im WTI Ölpreis in den letzten 30 Tagen

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Finanznews

Aktienmärkte: Ich werde bullisch – schnell verkaufen! Marktgeflüster (Video)

Wenn die Wirtschaft anspringt, dann müssen auch die Aktienmärkte steigen! Deshalb werde ich jetzt extrem bullisch – Aktien steigen immer!

Markus Fugmann

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Die Konjunktur in den USA brummt, wie heutige Daten zeigen – also werde ich jetzt bullisch für die Aktienmärkte! Denn wenn die Wirtschaft anspringt, dann müssen auch die Aktienmärkte steigen, oder? Dazu kommt jetzt auch noch der Stimulus in den USA – besser geht nicht! Und nächste Woche werden Apple, Facebook und Tesla ihre Zahlen berichten – das wird sicher extrem bullisch werden, denn die tollen Zahlen sind bestimmt noch nicht ausreichend eingepreist, oder? Ausserdem: Aktien steigen immer – das zeigt schon der Blick in die Geschichte! Und heute ist Janet Yellen als Finanzministerin bestätigt worden – können Sie sich an einen einzigen Tag erinnern, an dem die Aktienmärkte gefallen sind, als Yllen noch Fed-Chefin war? Eben..

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Allgemein

Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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Konjunkturdaten

Aktuell: Öl-Lagerbestände +4,4 Mio Barrels (jetzt 486,6 Mio)

Claudio Kummerfeld

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Die wöchentlich vermeldeten Öl-Lagerbestände in den USA (Rohöl) wurden soeben mit 486,6 Mio Barrels veröffentlicht. Dies ist im Vergleich zur Vorwoche ein Plus von 4,4 Mio Barrels, wobei die Erwartungen zur Vorwoche bei -1,1 lagen.

Die Benzinbestände wurden im Vergleich zur Vorwoche mit -0,3 Millionen Barrels veröffentlicht. Die Erwartungen gegenüber der Vorwoche lagen bei +2,8 Millionen Barrels.

Die Dienstag Abend um 22:35 Uhr veröffentlichten API-Lagerbestände wurden mit +2,6 Mio Barrels beim Rohöl gemeldet (-0,3 erwartet).

Der Ölpreis (WTI) reagiert in den ersten Augenblicken nach Verkündung mit -7 Cents bei 52,43 Dollar.


source: tradingeconomics.com

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