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Straße von Hormus gesperrt Ölpreis steigt bis zu 13 % – Iran-Krieg bringt Öl-Knappheit?

Um 13 % springt der Ölpreis nach oben. Der Iran-Krieg bringt die Sperrung der Straße von Hormus. Wir zeigen aktuelle Expertenaussagen.

Öl-Fässer
Grafik: subsri13-Freepik.com

Der Iran-Krieg lässt die Sorgen um eine Verknappung des globalen Öl-Angebots massiv ansteigen. De facto ist die Straße von Hormus gesperrt, über die Öl aus dem Golf auf den Weltmarkt gelangt. Damit sind Millionen von Barrel pro Tag vor allem für die Versorgung in Asien nicht verfügbar, was sich auf den weltweiten Handel mit Öl auswirkt. Der Ölpreis machte heute Nacht gegenüber Freitag Abend einen Sprung um bis zu 13 %. Aktuell sehen wir: WTI-Öl steigt gegenüber Freitag Abend von 67,28 auf 71,99 Dollar. Brent-Öl steigt von 73,20 auf 78,52 Dollar.

Kursverlauf bei Brent- und WTI-Ölpreis in den letzten vier Wochen

Ölpreis steigt wegen Iran-Krieg – Szenarien

Können andere Förderländer ihre Kapazitäten hochfahren als Ersatz? Oder wird der Krieg nur einige Tage dauern, und die Öltanker gelangen nach ein paar Tagen wieder auf das offene Meer? Der Blick auf die letzten Jahrzehnte zeigte: In der Regel waren alle geopolitischen Ereignisse im Nahen Osten zwar Auslöser für Volatilität in verschiedenen Assetklassen, aber die Aufregung legte sich doch wieder recht schnell. Ein Chance für Öl-Trader, jetzt Short zu gehen, weil der Ölpreis in ein paar Tagen wieder fallen wird? Eine riskante Wette, aber ein mögliches Szenario.

Aber man weiß ja nie, ob ein Krieg in Nahen Osten doch mal das Muster durchbricht? Eskaliert der Krieg zwischen Iran und Israel/USA weiter, und es kehrt keine Ruhe ein, und es gibt auch keinen Volksaufstand im Iran? Dann könnte die Straße von Hormus länger gesperrt bleiben. Und dann folgende reale Knappheiten mit der Versorgung von Rohöl in großen Verbrauchsländern könnten den Ölpreis noch höher treiben. Die erweiterte OPEC-Gruppe OPEC+ hat am Wochenende auf den Iran-Krieg reagiert. Man erhöht die Fördermenge, wenn auch nur geringfügig mit +206.000 Barrel Öl im April.

Analystenkommentare

Ole Hansen von der Saxo Bank schrieb vor zwei Stunden: Einige Stunden nach Handelsbeginn am Montag hat sich die kollektive Stimme der Märkte geäußert. Nach den anfänglichen Spitzen im Ölpreis und sicheren Häfen hat sich die Stimmung in Richtung Vorsicht verschoben, wobei die Marktteilnehmer eine abwartende Haltung einnehmen. Insgesamt blieben die meisten Bewegungen hinter den am Wochenende befürchteten Extremen zurück. Ob dies das Vertrauen widerspiegelt, dass sich die Lage nicht weiter verschlechtern wird, bleibt vor der Eröffnung der europäischen und später der US-Märkte abzuwarten. Auch wenn sich die Lage ohne einen klaren Weg zu einer Lösung noch verschlechtern könnte, müssen Händler auch das Risiko einer plötzlichen Kehrtwende des Weißen Hauses berücksichtigen.

Bloomberg berichtet aktuell: Ob sich die Preise auf hohem Niveau halten, hängt nun vom weiteren Verlauf ab. Wenn der Tankerverkehr “rasch wieder aufgenommen wird oder es eine glaubwürdige Deeskalation oder diplomatische Gespräche hinter verschlossenen Türen gibt, dann werden Sie ein Nachlassen sehen”, erklärte Haris Khurshid, Chief Investment Officer bei Karobaar Capital in Chicago. “Andernfalls werden wir uns wahrscheinlich auf erhöhtem Niveau einpendeln.”

Auch die Citigroup erwartet ein anhaltend hohes Niveau im Ölpreis. “In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass Brent-Öl zumindest in der kommenden Woche in einer Spanne von 80 Dollar bis 90 Dollar je Barrel gehandelt wird”, schrieben Analysten um Max Layton vor Handelsbeginn am Montag.

“Unsere Grundannahme ist, dass sich die iranische Führung verändert oder dass sich das Regime so weit verändert, dass der Krieg innerhalb von ein bis zwei Wochen beendet wird, oder dass die USA sich zur Deeskalation entschließen, nachdem sie einen Führungswechsel gesehen und Irans Raketen- und Atomprogramm im gleichen Zeitraum zurückgeworfen haben.”

Morgan Stanley hat die Brent-Prognose für das zweite Quartal von 62,50 Dollar auf 80 Dollar je Barrel angehoben.

Der Tankerverkehr „scheint erheblich gestört zu sein, da viele Reeder, Ölproduzenten und Versicherer zu einer vorsichtigen abwartenden Haltung übergegangen sind“, so die Analysten der Goldman Sachs Group Inc. um Daan Struyven in einer Mitteilung. „Nach unserem Kenntnisstand gibt es keine bestätigten Schäden an der Ölförderung oder der Ölexportinfrastruktur.“

Wenn der Tankerverkehr in der Straße von Hormus nicht schnell wieder aufgenommen wird, könnten die Ölpreise laut Wood Mackenzie 100 Dollar pro Barrel überschreiten. Selbst wenn die OPEC ihre Produktion im April erhöht, werden die zusätzlichen Mengen und Reservekapazitäten des Kartells nicht verfügbar sein, wenn die Wasserstraße geschlossen bleibt, hieß es.

Öl-Anlagen im Nahen Osten

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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2 Kommentare

  1. Der Ölpreis agiert momentan als Frühindikator.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Ölpreise von über 100 waren bis Mitte Juni 2014 normal. Alles darunter galt als Krise.

    Öl stieg von unter 10 im Dezember 98 bis auf über 147 im Sommer 08 ,bevor die Finanzkrise zuschlug. Dann ging’s runter bis unter 35 ,bevor die Liquidität der Notenbanken die Preise schnell wieder auf über 100 trieb.

    Angeblich hätte Obama seinerzeit angeordnet die Ölpreise runter zu treiben, um Putin zu schaden, wegen der der Besetzung der Krim plus Donbass.
    Jedenfalls fiel Öl von über 100 bis unter 35 im Februar 16 bevor die OPEC zuschlug und die Förderung kürzte.
    Erst danach erholte sich der Ölpreis deutlich.
    Wir erinnern uns an die Achtziger. Die Sowjetunion besetzt Afghanistan und Reagan ordnet angeblich an die Preise zu drücken damit O Ton der Russe ausblutet.
    Die Achtziger waren das Jahrzehnt der niedrigen Ölpreise. Meist pendelt er in einer Spanne zwischen 10 bis 20 Dollar das Barrel.
    Obwohl damals Krieg in der Region herrschte und zwar zwischen dem vom Westen unterstützen Irak und dem vom Osten unterstützen Iran.
    Trotzdem kam der Ölpreis nicht aus dem Knick während die Märkte langsam in’s Rollen kamen…so stieg alleine der Dow von um die 800 in 82 auf über 2000 im Sommer 87.

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