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Märkte

Ölpreis steigen weiter an – dafür gibt es einen Grund

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Der Ölpreis steigt heute weiter an. WTI-Öl steigt nun den fünften Tag in Folge um insgesamt satte 5,40 Dollar. Was ist los? Erst mal ein kurzer Rückblick auf die letzten Tage. Erst gab es letzte Woche ein Hin und Her der Gefühle in Sachen Handelskrieg und Konjunktur. Mal gute Laune, mal schlechte Laune. Dann gab es am Donnerstag fallende Lagerbestände. Am Freitag Abend konnte die leicht rückläufige Zahl aktiver Öl-Bohrstellen in den USA (-4 auf 738) einen kleinen Support für die Öl-Bullen bieten. Dann am Wochenende wurde verkündet, dass der saudische König den weltweit anerkannten saudischen Energieminister Al-Falih entlassen und durch einen seiner Söhne ersetzt hat, Prinz Abdulaziz.

Ölpreis steigt dank OPEC-Hoffnung

Schon gestern war der Ölpreis gegenüber Freitag Abend von 56,70 Dollar auf gestern Abend 58 Dollar angestiegen. Die Hoffnung lautet nämlich: Der König und sein Kronprinz sind unzufrieden, dass Al-Falih den Ölreis einfach nicht so stark zum Steigen bekommen hat, wie man sich das wünscht. Denn die Saudis und ihre Nachbarn leben de facto von ihren Öl-Einnahmen, und produzieren bei einem zu niedrigen Ölpreis gigantische Haushaltsdefizite, die sie nur mit dem Abzapfen der Geld-Reserven kompensieren können, welche in den letzten Jahrzehnten angehäuft wurden. Gestern war diese Euphorie am Markt schon vorhanden, dass der neue Energieminister eine aggressivere Politik vertreten wird als sein Vorgänger Al-Falih.

Also womöglich zeitlich oder mengenmäßig noch mehr Fördermenge kürzen, als bislang mit den OPEC-Partnern und Russland vereinbart? Das würde dem Ölpreis natürlich kurzfristig zu weiteren Anstiegen verhelfen. Aber wie wir gestern bereits schrieben: Die ständig steigende Fördermenge in den USA arbeitet konstant gegen sinkende Fördermengen in der Golfregion. An dieser Problematik scheierete schon Al-Falih in den letzten Jahren. Prinz Abdulaziz ist kein Neuling am Ölmarkt. Seit Jahren ist er schon Mitglied der saudischen Delegation bei der OPEC. Er kennt sich wohl also aus in der Materie. Laut jüngsten Aussagen des Prinzen werde sich die saudische Politik nicht ändern. Das Abkommen zur Fördermengenkürzung (-1,2 Mio Barrels pro Tag) solle aufrechterhalten werden. Die Allianz zwischen OPEC und Russland solle langfristig beibehalten werden.

Wird der Prinz am Donnerstag etwas sagen?

Bislang hat sich Prinz Abdulaziz in den ersten zwei Tagen seiner Amtszeit nur so geäußert, dass man sagen kann: Kontinuität ist gewährleistet, er steht zu den vorhandenen Vereinbarungen. Aber warum wurde Al-Falih dann überhaupt aus dem Amt entfernt? Man kann es drehen und wenden wie man will. Im Augenblick steckt Euphorie im Markt, dass der Prinz die Kürzungsanstrengungen der Saudis ausweiten wird, sei es auch in Eigenregie. Denn man bedenke: Schon in den letzten Jahren hatten die Saudis oft mehr Fördermenge gekürzt als es laut den Vereinbarungen mit den Partnern notwendig war. Der Anführer des Kartells ist sich seiner Verantwortung bewusst, wenn es darum geht den Ölpreis zum Steigen zu bekommen.

Am Ölmarkt erwartet man in der Analystengemeinde für die heute Abend und morgen Nachmittag vermeldeten Rohöl-Lagerbestände in den USA einen erneuten Rückgang von irgendwo um die 2 oder 3 Millionen Barrels. Das würde dem Ölpreis weiter beim Ansteigen helfen. Und wichtig: Am Donnerstag tagt das sogenannte JMMC, ein Lenkungsgremium für die OPEC und ihre externen Partner. Wird es dort mehr Detailaussagen von Prinz Abdulaziz geben? Bis jetzt hält die Euphorie jedenfalls an. Vorhin kletterte der WTI-Ölpreis bis auf 58,50 Dollar. Unsere Meinung zu dem gesamten Themenkomplex dürfte Stammlesern bekannt sein. Je höher der Markt steigt, desto wackliger wird die Nummer. Aber es ist, wie es ist – der Markt hat immer recht. Aber wie schnell ein Trump-Tweet oder schlechte Konjunkturdaten so einen Kursanstieg zerstören können, hat man in den letzten Monaten schon oft gesehen. Auch am folgenden Chart (WTI-Öl seit Anfang August) kann man das nervöse Auf und Ab gut ablesen.

Ölpreis WTI seit Anfang August

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