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Ölpreis steigt kräftig an – OPEC-Drosselung und Asien-Nachfrage

Eine Öl-Pumpe

Der Ölpreis steigt weiter kräftig an. Alleine seit Freitag Abend steigt WTI-Öl von 79,54 Dollar auf aktuell 81,96 Dollar. Am Anfang letzter Woche sah man noch Kurse unter 76 Dollar. Der Ölpreis steigt trotz zwei Wochen in Folge steigenden Lagerbeständen für Rohöl in den USA – dies mag an der hochgefahrenen Produktion im Golf von Mexiko liegen, nachdem die Schäden nach dem Sturm Ida aus August nun endlich überwunden wurden.

OPEC unterstützt Ölpreis-Anstieg durch Passivität

Vor genau einer Woche hat die OPEC entschieden den Weltmarkt nicht mit zusätzlichem Öl zu versorgen, was sicher dämpfend auf den Ölpreis gewirkt hätte. Man erhöht seine Fördermenge wie bisher bereits geplant „nur“ um 400.000 Barrels pro Tag im November. Der massiv steigende Ölpreis zeigt aber, dass der Ölmarkt von einer derzeit viel stärker steigenden Öl-Nachfrage ausgeht. Dies hatten OPEC und IEA in ihren jüngsten Prognosen auch so ausgesagt.

Massiver Nachfragedruck aus Asien

Der Nachfragedruck aus Asien nach Brennstoffen vor Beginn des Winters ist enorm. Das Problem: Da Kohl und Gas in Asien so extrem nachfragt werden und die Preise explodiert sind, weicht man nun gerne auf Öl aus „günstigere“ Brennstoff-Alternativ aus, wodurch auch der Ölpreis immer weiter ansteigt. Carsten Fritsch von der Commerzbank hat dazu in seinem heutigen Marktkommentar interessante Aussagen getroffen. Nach wie vor sorge die Knappheit an den Energiemärkten für Aufwind. Zwar habe sich die Situation am Gasmarkt nach der Beteuerung Russlands, mehr Erdgas nach Europa liefern zu wollen, etwas entspannt. Heute gehe es aber auch dort schon wieder nach oben.

Laut Carsten Fritsch drängt die Zeit, denn die Erdgasspeicher in Europa seien Ende letzter Woche erst zu 76 Prozent gefüllt gewesen, und damit kaum mehr als in der Woche zuvor. Normal zu dieser Jahreszeit sei ein Füllstand von mehr als 90 Prozent. Die Heizsaison und damit die Phase des Lagerabbaus seien nur noch wenige Wochen entfernt. In Indien und in China gibt es laut Carsten Fritsch es Nachrichten über Kohleknappheit und Stromrationierung. China habe bereits Minen in der Inneren Mongolei angeordnet, die Kohleproduktion zu erhöhen. Die Kohleknappheit könne dazu führen, dass beide Länder zumindest übergangsweise die auf Öl basierende Stromerzeugung hochfahren (was den Ölpreis-Anstieg unterstützt). Bangladesch erwägt aufgrund der rekordhohen Preise für Flüssiggaslieferungen (LNG) die Verlängerung von Lizenzen für den Fortbetrieb von fünf ölbasierten Kraftwerken, die kurz vor dem Auslaufen waren. All dies dürfte laut Carsten Fritsch zu einer weiteren Verknappung am Ölmarkt beitragen, zumal die OPEC+ bislang nicht gewillt sei, darauf mit einer stärkeren Angebotsausweitung zu reagieren.

Kohle-Problem in China

Der Experte Stephen Stapczynski berichtet heute wegen Überflutungen über die Schließung von 62 von insgesamt 682 Kohle-Minen in einer wichtigen Förderregion in China. Auch so ein Flut-Ereignis könnte Öl als Ersatzbrennstoff noch mehr in den Fokus der Abnehmer rücken. Wie lange diese Rallye noch in diesem Tempo weiterlaufen kann, wann eine Korrektur einsetzt? Das ist wirklich schwer zu sagen. Schließlich sehen wir seit April letzten Jahres, wo der Ölpreis am Terminmarkt sogar negativ war, bis jetzt eine durchgehende Rallye (mit kurzer Pause im Juli und August 2021) bis auf fast 82 Dollar.

Chart zeigt Kursverlauf im WTI-Ölpreis seit Oktober 2019
Kursverlauf im WTI-Ölpreis seit Oktober 2019.



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3 Kommentare

  1. Ich muss meine Meinung nun revidieren, denn ich glaube nicht mehr das die Schieferölindustrie nachhaltig hohen Output produzieren kann. Persönlich schätze ich sogar das wir in eine neue Ölkrise laufen werden, und sich in Zukunft nur sehr selektiv und nur wenn es unbedingt nötig ist fortbewegt wird. Zudem wird die Wirtschaftsaktivität einbrechen, da Unternehmen und Privatpersonen nur noch wenig Geld für andere Dinge übrig haben werden.

    1. ….“ich glaube nicht mehr das die Schieferölindustrie nachhaltig hohen Output produzieren kann.“

      Das kann die Schieferölindustrie technisch schon.
      Die Frage ist aber, ob die Schieferölindustrie das auch finanziell kann. Um die Schieferölproduktion hochfahren zu können sind erst einmal große Investitionen notwendig.

      Da Investitionen in fossilen Energieträgern böse Investitionen sind müssen die Schieferölproduzenten erst einmal Banken finden, die Bereit sind in diese schmutzige Energieform zu investieren ;-)

    2. 1. Finanzierung wie von richie beschrieben
      2. Insolvenz diverser Förderer und Cluster UN und durchblitzter auch Störungen der anderen
      3. Die Überlebenden müssen ihre Bilanzen nach covid in Ordnung bringen, des öfteren haben Banken letztes Jahr versucht UN durch Kündigung der Kredite in die Pleite zu schicken. Diese fahren fortan niedrigere Verschuldungsgrade
      4. Demokraten verteufeln das fracking
      5. im Bericht von AR ist schön dargestellt, wie viel der Gas/Ölförderung der USA in den nächsten Jahren 5 hobsvgeht und wodurch diese evtl ersetzt wird

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