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Ölpreis steigt kräftig trotz OPEC-Schwemme – die aktuellen Gründe

Sommer-Boom, Diesel-Knappheit und schärfere Sanktionen gegen Russland: Der Ölpreis steigt spürbar, trotz OPEC-Ölschwemme.

Ölraffinerie in Houston
Ölraffinerie in Houston. Foto: Mark Felix/Bloomberg

Der Ölpreis steigt! Seit Mittwoch Mittag ist amerikanisches WTI-Öl im Aufwind von 65,70 Dollar auf 68,40 Dollar. (Chart zeigt Verlauf der letzten drei Wochen). War der Ausblick auf einen überschwemmten Ölmarkt und stark fallende Preise ein großer Irrtum? Immerhin hatte die OPEC+ am 5. Juli entschieden, im August 548.000 Barrel Öl pro Tag zusätzlich auf den Weltmarkt zu bringen (am Folgetag notierte der Ölpreis um 66 Dollar). Und das bei jeweils 411.000 zusätzlichen Barrels in den drei Monaten zuvor. Die letzten Tage verfestigte sich am Markt offenbar das Bild, dass genug Nachfrage vorhanden sein wird, um diese Mehrmengen zu absorbieren. Eine gewagte These?

Chart zeigt Ölpreis-Verlauf in den letzten drei Wochen

Ölpreis im Aufwind trotz OPEC-Schwemme

Aktuell jedenfalls pushen zwei Faktoren den Ölpreis nach oben. Da wäre zum einen die Sommer-Fahrsaison. Diesel ist gefragt, und es wirkt so, als vermuten Händler eine Verknappung. Und die EU verschärft aktuell Sanktionen gegen Russland, und modifiziert deswegen die bisherige starre Preisobergrenze für russisches Öl, die derzeit bei 60 Dollar pro Barrel liegt. Künftig künftig soll sie dynamisch auf 15 Dollar unter dem jeweiligen Marktpreis festgelegt werden. Droht deswegen weniger russisches Öl auf den Weltmarkt zu gelangen? Dieses Szenario spräche für einen steigenden Ölpreis.

Diesel-Knappheit?

Bloomberg schreibt aktuell: Der Ölpreis stieg leicht an, da die starke Sommernachfrage nach Kraftstoffen wie Diesel die Sorgen über ein mögliches Überangebot im weiteren Jahresverlauf ausglich, während Händler auch neue Sanktionen gegen Russland bewerteten. Der Ölpreis tendiert seit Anfang Mai höher, wobei sowohl Morgan Stanley als auch Goldman Sachs darauf hinweisen, dass es in Regionen, die keinen großen Einfluss auf die Preisbildung haben, zu einem weltweiten Aufbau von Rohölvorräten gekommen ist. Unterdessen ist der Dieselmarkt insbesondere in Europa und den USA angespannt.

„Die Logik, dass die Knappheit bei Diesel die Rohölpreise stützt, bleibt unverändert“, sagte Huang Wanzhe, Analyst bei Dadi Futures, und fügte hinzu, dass die Hochsaison einen soliden Start hingelegt habe. „Die entscheidende Frage ist, wie lange diese Stärke anhalten kann“, sagte sie.

EU-Sanktionen gegen Russland

Die Europäische Union hat sich im Rahmen ihres 18. Sanktionspakets gegen Russland wegen dessen Krieg gegen die Ukraine auf eine niedrigere Preisobergrenze für russisches Rohöl geeinigt. Die Maßnahmen umfassen Beschränkungen für Kraftstoffe aus russischem Erdöl. Obwohl der Markt das Paket noch verdaut, könnten die Sorgen über die möglichen Auswirkungen auf die Dieselversorgung den Rohölpreisen zusätzlichen Auftrieb geben.

„Das Sanktionspaket hat die Rohölpreise aufgrund der Sorgen um die Dieselversorgung Europas angehoben“, sagte Florence Schmit, Strategin bei der Rabobank in London. „Die Stärke des Diesels hat den Ölpreis (Rohöl) in den letzten Wochen auf einem hohen Niveau gehalten.“

Im Rahmen der jüngsten Sanktionen wurde eine große Ölraffinerie in Indien, die teilweise im Besitz der staatlichen russischen Rosneft PJSC ist, auf die schwarze Liste gesetzt. Europa importiert den Kraftstoff aus dem asiatischen Land, das große Mengen russischen Rohöls kauft.

Die Auswirkungen auf den Markt bleiben jedoch laut Giovanni Staunovo, Analyst bei der UBS in Zürich, abzuwarten. „Die Maßnahme gegen die indische Raffinerie ist neu und sollte beobachtet werden“, sagte er. „Die Aufstockung der Schattenflotte um neue Tanker sowie die Preisobergrenze haben die russischen Exporte bislang nicht eingeschränkt.“

Auf den breiteren Märkten milderten starke US-Daten die Sorgen um die größte Volkswirtschaft der Welt und trugen dazu bei, die Risikobereitschaft und die globale Aktienrally zu stützen. Asiatische Aktien legten zu.

Rohöl-Futures sowie Gasöl-Futures bleiben in den näheren Monaten ihrer Kurven in Backwardation, was bedeutet, dass Händler mehr zahlen müssen, um sich sofortige Lieferungen zu sichern. Dieses Muster deutet auf angespannte Bedingungen hin, obwohl das Produzentenkartell OPEC+ seine Förderbeschränkungen rasch lockert.

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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1 Kommentar

  1. Dankenswerterweise hat die Bundeskanzler Friedrich Merz-Bundesregierung/Koalition die bestehenden Wettbewerbsverzerrungen für unsere Bauern in Sachen Agrar-Diesel innerhalb der EU beendet. Nun könnte es sein, daß Brüssel aufgefordert wird, entsprechende Agrarhilfen auf den Weg zu bringen.

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