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Ölpreis steigt nach OPEC-Bluff weiter, Iran ist der Gewinner

Letzten Mittwoch hat sich die OPEC auf den "sensationellen" Oil Freeze geeinigt, die Einfrierung der Öl-Fördermenge auf 32,5-33 Millionen Barrels pro Tag ab Dezember. Erst am 30. November will man beim offiziellen OPEC-Meeting in Wien klären...

FMW-Redaktion

Letzten Mittwoch hat sich die OPEC auf den „sensationellen“ Oil Freeze geeinigt, die Einfrierung der Öl-Fördermenge auf 32,5-33 Millionen Barrels pro Tag ab Dezember. Erst am 30. November will man beim offiziellen OPEC-Meeting in Wien klären, welches Land wie viel reduziert, oder wo genau man einfriert. Einige wenige Experten (u.a. Kilduff) hatten vorher schon vermutet mit einem Bluff werde man sich ins November-Meeting rüber-retten, mit einer nach außen dargelegten Hoffnung auf eine Einfrierung. Diese ist am Mittwoch verkündet worden, und der Ölmarkt hat den Bluff geschluckt. Das erkennt man ganz eindeutig am stabilen Ölpreis. Mittwoch kurz vor der OPEC-Verkündung stand der WTI-Preis bei 45 Dollar. Seitdem ging es zügig rauf, und der Preis hält sich stabil über 48 Dollar. Ein klares Zeichen der Öl-Trader: Ja, endlich ist die Einfrierung da, lasst uns Öl pushen.

Aber das kann ein gefährliches Szenario sein. Möglicherweise erleben wir in den nächsten acht Wochen stabile oder steigende Ölpreise, und dann beim Meeting in Wien, wenn der Bluff sich als solcher entpuppt, wieder fallende Preise. Denn wie gesagt, welches Land wie viel reduziert, oder wo genau man einfriert, steht noch gar nicht fest. Und damit haben sich viele Teilnehmer schon mehrfach schwer getan. Der Irak, ach ja. Der wird wohl trotzdem einfach weiter auf die Tube drücken. Und der Iran? Der steht als großer Gewinner da. Dem Iran wurde trotz angeblicher Oil Freeze-Vereinbarung zugestanden weiter hochzufahren. Saudi-Arabien sagte letzten Mittwoch der Iran wie auch Nigeria und Libyen sollte es (im Rahmen der OPEC-Vereinbarung) erlaubt sein auf einem maximalen Level zu produzieren, das Sinn mache.

Damit steht es dem Iran de facto offen kräftig auf die Tube zu drücken bis Ende November. Denn erst dann will eine neu einzurichtende „Arbeitsgruppe“ der OPEC in Gesprächen mit den einzelnen Mitgliedern deren Fördermengen festlegen. Aber aufgrund dieser Aussage der Saudis ist diese mögliche Obergrenze für die Iraner mehr als unklar, wenn vielleicht sogar gar nicht vorhanden! Laut iranischer Medien wird der Export aus dem Iran heraus bald 2,35 Millionen Barrels täglich erreichen. Die Exportkapazität liegt angeblich schon bei 4 Millionen Barrels pro Tag. Irans mächtiger Öl-Minister Zanganeh sagte letzte Woche der Iran wolle mehr als 4 Millionen Barrels pro Tag fördern, um die Vor-Sanktionsniveaus zu erreichen. Die wären damit schon überschritten, aber egal. Man war jahrelang abgekapselt, konnte nicht von traumhaft hohen Ölpreisen profitieren – da wird man doch wohl jetzt einen Nachschlag verlangen dürfen? Im August lag man wohl schon über 3,6 Millionen Förderung pro Tag.

Unser Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel war erst am Wochenende in Teheran um mit deutschen Konzernen neues Geschäft im Iran anzuschieben. Und heute werden wohl mit lokalen Unternehmen aus der Golfregion neue Großinvestitionen im Energiesektor vereinbart. Mehr als passend kommt dem Iran das gestrige Statement des IWF gelegen (was für ein zeitlicher Zufall). Die Kurzzusammenfassung: Alles läuft super im Iran, Wachstum ist vorhanden, es geht voran. Schon merkwürdig, dass Saudi-Arabien sich derart freiwillig in die Defensive begibt gegenüber seinem großen Rivalen in der Region. Die finanziellen Probleme mit dem grassierenden Haushaltsdefizit scheinen in Riad viel größer zu sein als Beobachter es bisher vermuten. Man braucht wohl unbedingt zügig höhere Ölpreise in Riad. Freuen werden sich Stand heute die Iraner, und in den nächsten Monaten die Fracker in den USA.



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