Folgen Sie uns

Märkte

Ölpreis steigt seit zwei Wochen – hier die Gründe

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Der Ölpreis (WTI) ist seit dem 15. August gestiegen von 64,50 Dollar auf aktuell 70,23 Dollar. Ein beeindruckender und klarer Anstieg. Die Gründe möchten wir an dieser Stelle ansprechen.

Ölpreis gepusht durch jüngste US-Lagerdaten

Da wären als noch relativ frischer Grund die Öl-Lagerbestände der USA von Mittwoch Nachmittag. Sie fielen beim Rohöl um 2,6 Millionen Barrels bei einer Erwartunv von -0,7. Die Benzin-Lager fielen um 1,6 Millionen Barrels bei einer Erwartung von +0,4. In der Langfristbetrachtung stehen die Rohöl-Lagerbestände kurz davor ihre jüngsten Tiefs zu unterschreiten. Der Trend scheint sich seit mehr als einem Jahr fortzusetzen, dass die Lager sich leeren, was dem Ölpreis auf die Beine hilft!

Markttechnik

Beide folgenden Charts zeigen es (rot eingekreist). Die technische Unterstützung bei ca 64 Dollar konnte am 15. August gehalten werden. Von da an ging es stetig bergauf. Dieses Halten der 64er-Marke sorgt erst einmal für eine stabile Haltelinie auf diesem Niveau.

Iran

Laut „WSJ“ fallen die Öl-Exporte des Iran derzeit viel schneller, als alle Analysten es erwartet hatten. So richtig in Kraft treten die Öl-Sanktionen der USA erst im November, aber Europa scheint sich schon jetzt vom iranischen Öl zu verabschieden. Die iranischen Öl-Exporte sollen von Juli auf August gesunken sein von 2,34 auf 1,66 Millionen Barrels pro Tag – das ist mal eine Hausnummer! Damit wird dem Weltmarkt zügig Angebot entzogen, was dem Ölpreis natürlich Auftrieb verleiht.

US-Dollar

Genau ab dem Punkt, wo der Ölpreis vor zwei Wochen begann seine Aufwärtsphase einzuläuten, fing der US-Dollar an zu verlieren. Der Dollar-Index verlor seitdem von 96,80 am 15. August auf aktuell 94,60 Indexpunkte. Ein schwächerer Dollar hilft dem Ölpreis beim Ansteigen.

Unterm Strich muss man sagen: Die Gründe für den aktuellen Anstieg sind nachvollziehbar, vor allem in ihrer Addition. Schaut man sich aber auf lange Sicht den Preisverlauf an, so könnte dies nur eine weitere mehrwöchige Phase sein, die bald wieder von gegenteiligen Argumenten und Nachrichten abgelöst wird. Aber im Moment hält der Aufwärtstrend noch an.

Der WTI-Ölpreis seit Anfang Juni
Der WTI-Ölpreis seit Anfang Juni.

Ölpreis seit Dezember 2017
Der WTI-Ölpreis in einem größeren Bild seit Dezember 2017.

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Märkte

Ölpreis morgen vor großem Crash? OPEC+ kann ein Debakel auslösen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Eine alte Öl-Pumpe

Der Ölpreis könnte morgen vor einem neuen ganz großen Crash stehen. Die Wahrscheinlichkeit ist durchaus vorhanden, auch wenn man daran glauben kann, dass dieses Szenario eher nicht eintreten wird. Aber wir möchten es erwähnen, weil es realistisch ist. Denken wir zurück an den 9. März diesen Jahres. Zwar begann die aufziehende Coronakrise Aktienmärkte und Ölpreis zu schwächen. Aber genau ab dem 9. März brach der Ölpreis zusammen, ein regelrechter Crash fand statt. Und der hatte nichts mit Corona zu tun. Der WTI-Ölpreis crashte an einem Tag von 46 auf 28 Dollar (aktuell bei 44,87 Dollar). Und in den Folgetagen wurde es immer schlimmer.

Ölpreis-Crash im März

Am Terminmarkt rauschte der WTI-Ölpreis im April sogar weit ins Negative. Unfassbar, negative Ölpreise! Sie kamen zwar nie beim Verbraucher an der Zapfsäule an, aber dennoch war der Weltmarktpreis wochenlang völlig im Eimer. Ein Desaster für die Förderländer, die hauptsächlich vom Ölverkauf ihre Staatshaushalte bestreiten. Und wer war schuld an diesem Ölpreis-Crash? Eben diese Förderländer. Sie konnten sich nicht einigen (Streit vor allem zwischen Russen und Saudis) auf eine klare Regelung zur Kürzung von Fördermengen, welche den Ölpreis beim Ansteigen helfen sollte.

Und so entschieden sich die Saudis ihre Fördermenge kräftig zu erhöhen. Der Weltmarkt wurde überflutet mit Öl, und das zu viel vorhandene Öl ließ den Ölpreis in die Tiefe rauschen. Dies war eine absichtliche Strategie der Saudis, um „Partner“ wie Russland zurück an den Verhandlungstisch zu bringen, und andere Mitglieder der OPEC und externe Partner zu disziplinieren. Nach dem Motto „wollt ihr alle nicht endlich mal diszipliniert die Fördermenge kürzen, dann machen wir euch den Ölpreis kaputt“.

Wiederholung des März-Szenarios?

Und jetzt könnte ein vergleichbares Szenario drohen. Am Montag sollte eigentlich von der OPEC bei ihrer regulären Sitzung beschlossen werden (so war es vom Markt erwartet worden), dass man die Fördermengen, die ab Januar wieder planmäßig steigen sollten, erst mal drei weitere Monate auf aktuellem Niveau belässt. Denn die globale Konjunktur soll mehr Zeit bekommen sich von Corona zu erholen, bevor man wieder zu viel Angebotsmenge auf den Weltmarkt bringt. Die Angst ist groß, dass der Ölpreis bei zu viel Angebot wieder abstürzt.

Aber es kam am Montag zu keiner Einigung der OPEC-Mitglieder. Die eigentlich für gestern geplante nachfolgende Sitzung der OPEC+ (OPEC sowie externe Partner wie Russland) findet nun erst am morgigen Donnerstag statt. Der Ölpreis hängt in der Schwebe. Gestern und heute laufen offenbar kleinteilige Gespräche zwischen einzelnen Förderländern, wo ausgelotet wird, wie doch noch eine Einigung hinzubekommen ist. Das Problem lautet Disziplin. Viele Förderländer tun das selbe wie die letzten Jahre auch. Man hält sich nicht an die eigenen Zusagen zu Fördermengenkürzungen. Jetzt verlangen wohl die fleißigen und braven Mitglieder, die in Eigenregie extra mehr Menge kürzen, dass auch die anderen ihren Beitrag leisten.

Die unartigen Mitglieder sollen diese Woche offenbar auch zustimmen, dass sie bisher zu viel gefördertes Öl nachträglich weniger fördern. Sie müssten also auf viel Geld verzichten. Was kompliziert klingt, ist eigentlich nur der Ruf nach Ordnung und Gerechtigkeit innerhalb eine Gruppe von Ölproduzenten, die sich auf eine bestimmte Strategie geeinigt hatten. Es könnte nun passieren, dass den Saudis morgen erneut der Kragen platzt, und sie wie im März den letzten großen Joker ziehen, und den Markt mit Angebot überfluten. Ölpreis-Crash, und zack, die unartigen Mitglieder wollen wieder brav sein, und weniger Öl fördern?

Ob es so kommt? Es ist ein mögliches Szenario. Wahrscheinlicher wirkt es aber, dass man sich für die Öffentlichkeit einen optisch netten Kompromiss ausdenkt, bei dem alle Beteiligten halbwegs ihr Gesicht wahren können, und bei dem vor allem der Ölpreis nicht abrutscht. Denn die Teilnehmer am Terminmarkt können sehr gut zwischen den Zeilen lesen. Heute und morgen kann es sehr spannend werden beim Ölpreis! Gleich um 16:30 Uhr werden in den USA die staatlichen Daten zu den Öl-Lagerbeständen veröffentlicht. Sie können jetzt kurzfristig auch für etwas Bewegung im Ölpreis sorgen. Wir werden gleich darüber berichten.

Chart zeigt Verlauf im Ölpreis in den letzten zwölf Monaten
Der Chart zeigt den Verlauf vom WTI-Ölpreis seit Ende letzten Jahres. Gut sieht man den Crash ab März verursacht durch die Überflutung des Weltmarktes durch die Saudis.

weiterlesen

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Riskante Euphorie

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Besprochen wird die derzeit riskante Euphorie an der Wall Street.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Indizes

Aktienmärkte: Großbritanniens FTSE 100, vor einer Aufholjagd?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Stehen die Aktienmärkte Großbritanniens, vor allem der FTSE 100, vor einer Aufholjagd? Knapp viereinhalb Jahre dauert das Gezerre um den EU-Austritt Großbritanniens schon, der Brexit, der mit dem Referendum vom 23. Juni 2016 eingeleitet wurde. Jetzt ist es nur noch ein Monat bis zum letzten Datum. Entsprechend gelitten haben die britischen Aktienmärkte, weil Anleger eine starke Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen auf der Insel erwarten. Eine Chance für ein Comeback international aufgestellter Titel?

Gesponserter Inhalt

Wollen Sie aktiv Devisen oder Rohstoffe handeln? bietet ein besonders hochwertiges Trading-Tool für Sie! Je enger die Spreads sind, also je geringer der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs, desto schneller kommen Sie bei einem positiven Trade in die Gewinnzone. Sichern Sie sich für bestimmte Märkte besonders günstige Sonderkonditionen für ihren aktiven Börsenhandel, . Eröffnen Sie hier ein Konto und starten Sie Ihr Trading. Viel Erfolg!

Aktienmärkte in Großbritannien: Die Einpreisung der Schwierigkeiten

Betrachtet man sich die Performance der Leitindizes verschiedener Länder, so kann man feststellen, dass die Investoren aufgrund des britischen Sonderweges einen kleinen Bogen um die Insel gemacht haben. Seit dem Referendum sahen die Entwicklungen der internationalen Aktienmärkte wie folgt aus (bis Ende November):

S&P 500 pus 73 Prozent
Dax plus 32 Prozent
CAC 40 plus 27 Prozent
FTSE 100 minus 14 Prozent

Auch die britische Währung hat unter dem Sonderweg stark gelitten, von 0,76 zum Euro auf aktuell 0,90 EUR/GBP.

Großbritanniens Schwäche ist auch ein relativ hohes Leistungsbilanzdefizit, also der Handel von Waren und Dienstleistungen mit dem Ausland. 2019 lag dieses Defizit bei 4,0 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die britische Volkswirtschaft ist auf Kapitalzuflüsse aus dem Ausland angewiesen –  aber würde eine Abwertung des britischen Pfunds nicht auch Vorteile für die Exportwirtschaft generieren?

Gibt es ein Comeback britischer Aktien?

Die ersten Fondsmanager rechnen mit einem Aufschwung des britischen „Footsies“, denn britische Aktien haben im Vergleich zu den internationalen Märkten ein 50-Jahrestief erreicht. Es gibt viele Aktien, die in der Skepsis gegenüber der eigensinnigen Politik von Premier Boris Johnson über Gebühr verloren haben. Ob aus dem Pharmasektor – es gibt auch noch andere Werte als AstraZenecca -, dem Bankensektor (mit niedrigsten Kurs/Buchverhältnissen) oder aus dem Energiebereich, der an der Wall Street gerade so ein gewaltiges Comeback gefeiert hat. BP und Shell sind Energieriesen, die aber sehr von der Entwicklung des Ölpreises abhängen.

Für 2021 sind Fondsmanager der Hoffnung, dass die Bewertungslücke zu Europa wieder etwas geschlossen wird. Vor allem wenn es zu einem Handelsabkommen mit der EU kommen sollte. Außerdem darben derzeit viele britische Aktien im Sammelindex FTSE 100, die als Global Player ihre Gewinne außerhalb Großbritanniens einfahren. Mitgefangen, mitgehangen – aber wie schnell sich die Aktienmärkte umorientieren können, haben wir in letzter Zeit bei der Branchenrotation zwischen Growth und Value beobachten können. Auf der anderen Seite gilt es zu bedenken, dass Empfehlungen von Investmentbanken wie Morgan Stanley eigentlich nur bedeuten können: man hat schon einen Fuß in der Tür.

Fazit

Die Aktienmärkte und damit zahllose Investoren hatten Zeit genug, um die wirtschaftlichen Konsequenzen des britischen Sonderwegs in die Kursentwicklung einfließen zu lassen.

Was ist also, wenn es doch nicht so schlimm kommt, wie man es vorsorglich bedacht hat? Oder wenn es doch noch eine Lösung auf den letzten Drücker gibt? So oder so dürfte der 31. Dezember nicht mehr viel an großen negativen Überraschungen liefern, die Zeit bis zum Jahresende bleibt aber spannend. Beim Kampf um die Impfstoffzulassung, beim Fight um eine Jahresendrally für die Aktienmärkte – und um die Jahresperformance in der aktiven Fondsbranche und beim ersten Vortasten auf aussichtsreiche Investments für das Jahr 2021.

Die Aktienmärkte Großbritanniens: Potential für den FTSE 100 nach dem Brexit?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage