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Ölpreis steigt weiter an – OPEC liefert Argumente

Der Ölpreis kann seit gestern wieder kräftig zulegen. Nachdem China belastete, macht die OPEC den Bullen viel Hoffnung.

Grafik für Öl-Bohrstelle

Der Ölpreis steigt weiter an. Seit dem gestrigen Tief bei 73,65 Dollar sehen wir heute einen deutlich gestiegenen Kurs beim amerikanischen WTI-Öl auf 78,72 Dollar (Chart zeigt Kursverlauf auf CFD-Basis seit dem 9. November). Gestern sah man noch einen spürbaren Absturz, weil China „das Problem“ war. Es gab massive Corona-Lockdowns und zuletzt umfangreiche Proteste. Das ließ eine sinkende Ölnachfrage in China vermuten. Aber nun ändert sich die Lage? Und wir schauen auf die OPEC, die aktuell die Aufwärtshoffnung bei Öl befeuert.

Verlauf im WTI-Ölpreis seit dem 9. November

China als wackliger Faktor für Ölpreis

Peking kündigte laut Bloomberg an die Impfungen von Senioren zu verstärken, ein Schritt, der von Gesundheitsexperten als entscheidend für die Wiederbelebung der Wirtschaft angesehen wird. FMW: Andererseits reagiert die Regierung in Peking mit harten Maßnahmen gegen die Proteste. Man will wohl keine Schwäche zeigen. Es bleibt unklar, ob es in den nächsten Wochen eher zu Lockerungen für die breite Bevölkerung kommt, oder ob weiterhin rigide an Corona-Beschränkungen festgehalten wird. Welches Signal China in den nächsten Tagen für die Ölnachfrage liefert, ist weiterhin ungewiss.

Hoffnung auf die OPEC treibt die Kurse hoch

Die OPEC und ihre Verbündeten, darunter auch Russland, werden bei ihrem Treffen am bevorstehenden Wochenende laut Bloomberg möglicherweise Lieferkürzungen in Erwägung ziehen und damit die bei ihrem letzten Treffen im Oktober vereinbarten Drosselungen weiter verschärfen (FMW: Das wäre fürd en Ölpreis eindeutig bullisch, was aktuell schon eingepreist wird). Das Treffen findet vor einem Stichtag statt, bis zu dem die Europäische Union die russischen Fördermengen drosseln muss, da sich der Block nicht auf eine Preisobergrenze einigen kann.

Befürchtungen, dass eine straffere Geldpolitik den Ölverbrauch bremsen wird, sowie Zweifel an der Nachfrage in China veranlassten die OPEC+ im vergangenen Monat, eine umfangreiche Produktionskürzung anzukündigen, und Delegierte der Gruppe sagen nun, dass zusätzliche Kürzungen eine Option sein könnten. Gleichzeitig hat sich die Form der Terminkurve in den letzten Wochen gedreht und deutet auf einen schwächeren Markt als zuvor hin.

„Die Struktur des Marktes scheint eine tiefere Kürzung durch die OPEC+ zu rechtfertigen“, so die Analysten von RBC Capital Markets, darunter Helima Croft, in einer Mitteilung an Kunden. „Die gleiche Dynamik, über die sich die OPEC vor fast zwei Monaten besorgt geäußert hatte, ist nun in der Terminkurve sichtbar.“

Marktbeobachter wägen den nächsten Schritt der Allianz ab. Nach Ansicht des Branchenberaters FGE könnte die Gruppe auf dem Treffen am 4. Dezember beschließen, die Fördermenge um weitere 2 Mio. Barrel zu reduzieren, um einem schwächelnden Markt entgegenzuwirken, während RBC entweder keine Änderung des Angebots oder eine Reduzierung um bis zu 1 Mio. Barrel erwartet, was zum Teil davon abhängt, wie sich der Ölpreis in dieser Woche entwickelt.

Analystenkommentar

Der Analyst Ole Hansen von der Saxo Bank schreibt aktuell in seinem Ölkommentar: Auslöser für die jüngste Trendwende im Ölpreis waren neue Spekulationen, wonach die OPEC+ eine zusätzliche Produktionskürzung in Erwägung ziehen könnte, die über die auf ihrem letzten Treffen vereinbarte Kürzung um 2 Millionen Barrel pro Tag für November hinausgeht. Da die russische Ölproduktion mit Sanktionen zu kämpfen hat, wird eine zusätzliche Kürzung für Dezember wieder in erster Linie von den vier großen Produzenten des Nahen Ostens – Saudi-Arabien, VAE, Kuwait und Irak – vorgenommen werden.

Die Sitzung wird von Unsicherheiten überschattet, da die Entwicklungen in China und das EU-Embargo gegen russische Rohölverkäufe auf dem Seeweg ebenfalls nächste Woche beginnen, während der US-Anleihemarkt eine nahezu sichere Rezession in den USA irgendwann im nächsten Jahr einpreist. Letztlich strebt die von Saudi-Arabien angeführte Gruppe Preisstabilität an, vorzugsweise auf 90-Dollar-Kursniveaus für Brent. Und vor diesem Hintergrund kann ein starkes Signal der Unterstützung oder eine tatsächliche Kürzung der Produktion nicht ausgeschlossen werden.

FMW/Bloomberg/Saxo Bank/Chart TradingView



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1 Kommentar

  1. Der Ölpreis als Frühindikator..

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