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Ölpreis: Unwahrscheinlich, dass die OPEC im Dezember ihre Fördermenge senken wird

FMW-Redaktion

Es gibt Gerüchte auf dem OPEC-Treffen im Dezember könnte es zu einer Art Revolte der „armen“ OPEC-Mitglieder kommen, für die der niedrige Ölpreis schon lange nicht mehr tragbar ist. Es ist aber trotzdem sehr unwahrscheinlich, dass die Fördermenge gesenkt wird.

Arme und reiche OPEC-Mitglieder

Warum? Saudi-Arabien bildet zusammen mit Kuwait, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten (hiermit ist eigentlich nur Abu Dhabi gemeint) die reiche OPEC-Fraktion, also die Produzenten, die am günstigsten fördern, ihre Kosten im Griff haben und sich im Laufe der letzten Jahrzehnte gigantische Geldreserven anlegen konnten.

Die armen OPEC-Mitglieder (Angola, Nigeria, Venezuela etc) benötigen natürlich drastisch höhere Preise, also eine Reduktion der Fördermenge. Sie könnten im Dezember-Meeting der OPEC darauf drängen endlich die Fördermenge zu senken. Das würde im Augenblick aber aufgrund der Ausweitung der Fördermenge auch außerhalb der OPEC nicht viel bringen. Es ist eine Art Zweiklassen-Gesellschaft in der OPEC. Halten die verschiedenen Sichtweisen an, könnte sie in zwei Teile zerfallen – die reichen Ölscheichs am Golf einerseits und auf der anderen Seite der Rest, der als eigenständige Öl-Organisation seine Fördermenge drastisch senken könnte. Nur dann steht man da, alle um einen herum produzieren weiter fleißig und drücken den Weltmarktpreis für Öl. Man selbst hat dann durch seine Reduzierung der Fördermenge noch weniger Geld in der Tasche.

Der Iran bildet im Kreis der armen OPEC-Mitglieder eine Ausnahme. Wie schon berichtet, sind die Öllager randvoll und man wartet nur darauf sein Öl auf den Weltmarkt zu schmeißen, sobald die Sanktionen den Export nicht mehr beschränken. Auch die Produktionsmenge soll drastisch steigen.

Globale Produktionssteigerung

Warum werden Saudi-Arabien und Co. wohl kaum daran denken ihre Fördermenge auf dem Dezember-Meeting der OPEC zu senken? Der Ölpreis ist wohl schon weiter gefallen als erwartet. Da gibt es aber ein Problem. Man wollte eigentlich mit der eigenen Ausweitung der Fördermenge die Konkurrenz in den USA plattmachen. Bei einzelnen Unternehmen wirkt der niedrige Ölpreis auch langsam und sie gehen den Bach runter. Aber die Fracking-Industrie als Ganzes ist zäher als angenommen. Man lebt weiter brutal auf Pump und versucht durchzuhalten. Also müssen die Ölscheichs weiter dagegenhalten.

Brasilien z.B. wird laut der „International Energy Agency“ (IEA) in 2016 seine Fördermenge um 6,5% steigern. Warum sollten da gerade die Ölscheichs ihre Produktion drosseln? Ihr Ziel, die Verteidigung ihres Weltmarktanteils und das Plattmachen der Fracking-Konkurrenz in den USA, ist noch nicht endgültig erreicht. Russland fördert derzeit täglich mehr Öl als noch 2014. Statt 7,2 Mio barrel pro Tag förderte man im Schnitt im 1. Halbjahr 2015 pro Tag 7,6 Mio barrel. Und diese Steigerung fließt in den Export, da die Inlandsnachfrage zurückging. Auch in den USA wird die Fördermenge aller Voraussicht nach in 2015 steigen, 2016 evtl.
auch noch mal.

Die einzelnen privaten US-Produzenten sind einfach nicht zentral zu regulieren und verhalten sich entgegen der Marktprinzipien – mehr produzieren und dadurch immer mehr Verluste anhäufen. Und das ist nach wie vor der entscheidende Punkt. Die Fracking-Industrie muss erst richtig ausgeschaltet sein, bevor die Saudis und ihre Nachbarn ihre Fördermenge drosseln. Sie würden es wohl sehr gerne tun, denn wer sieht schon gerne seine Geldreserven schrumpfen? Denn Saudi-Arabien lebt derzeit massiv von seinen Reserven mit einem aktuell prognostizierten Staatsdefizit von 19,5%. Hier mehr dazu.



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