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Ölpreis verliert 3,5 Dollar in drei Tagen – das sind die zwei Gründe

Schauen Sie bitte zunächst erst einmal auf den Chart in diesem Artikel. Man sieht hier den Ölpreis-Verlauf (WTI) seit Januar. Man sieht, wie stets die vorigen Höchstpunkte durch neue Höchststände überlaufen wurden. Das ist charttechnisch ein gutes Zeichen für einen steigenden Markt. Und der hielt ja auch lange Zeit an.

Wie wir in den letzten Wochen mehrfach berichteten, gibt es jüngst nicht wenige Kommentatoren und Analysten, die Preisziele von bis zu 100 Dollar in den Ring werfen. Möglich ist das vor allem, weil Venezuela immer weniger fördert, und weil die USA das iranische Öl ab November komplett vom Weltmarkt fernhalten wollen. Bislang war zuletzt nur fraglich, ob Saudi-Arabien und Russland zügig mehr Öl auf den Markt werfen um diese Lücke zu schließen. Die Anzeichen dafür sahen zuletzt ganz gut aus.

Aber der Ölmarkt ließ sich davon bislang nicht überzeugen, und die Kurse stiegen weiter. Nun aber tritt eine Änderung ein. Wie am Freitag bekannt wurde, haben US-Beamte durchblicken lassen, dass man offenbar Ausnahmen von den Iran-Sanktionen in Sachen Öl gewähren wolle. Das wolle man von Fall zu Fall entscheiden bei Ländern, die ihre Importe aus dem Iran auch wirklich gesenkt haben. Also nach dem Motto „hast Du schon fleißig gesenkt im Sinne unserer Vorgaben, darfst Du auch unter den Sanktionen weiterhin ein bisserl Öl aus dem Iran kaufen“.

Dies kann man als Zeichen werten, dass Washington dem Ölmarkt ein Signal geben will, dass der Ölpreis nun auch gerne wieder fallen darf. Schaut her Leute, es kommt doch noch iranisches Öl auf den Weltmarkt!? Konkret ist dies erkennbar an den aktuellen Aussagen aus Indien, dass der zweitgrößte Abnehmer iranischen Öls im November offenbar ca 300.000 Barrels pro Tag kaufen will, nach ca 500.000 im September. Indien scheint so eine Ausnahme schon erhalten zu haben von den USA. Schon lustig oder bizarr. Die USA erteilen einzelnen Ländern Erlaubnisse und Verbote, mit welchen anderen Ländern sie wie viel Handel treiben dürfen.

Möglicherweise könnten Japan, die EU und Südkorea auch Ausnahmeregelungen erhalten. Den USA geht es dabei nicht um das Wohlbefinden der iranischen Volkswirtschaft, sondern nur darum, dass am Weltmarkt genug Angebot vorhanden ist, damit der Ölpreis jetzt fallen kann. Donald Trump braucht zügig sinkende Benzinpreise für seine Wähler daheim. Erkennt der Terminmarkt dieses Zeichen der Amerikaner, und beginnt nun die große Trendumkehr? Das kann bezweifelt werden.

Der zweite Grund für den schwachen Ölpreis

Letzten Mittwoch wurden die wöchentlichen Öl-Lagerdaten für die USA veröffentlicht. Mit +8 Millionen Barrels war es der stärkste Wochenanstieg seit 19 Monaten. Das war enorm! Völlig gegen die Logik stieg der WTI-Ölpreis danach an von 75,00 auf 76,87 Dollar innerhalb von drei Stunden. Aber von da an ging es bis jetzt diese 3,5 Dollar bergab. Ein Teil dieses kleinen Preisverfalls kann man also als Kompensation betrachten, weil der Ölpreis eigentlich hätte fallen müssen nach den Lagerdaten (mehr Rohöl in den Lagern bedeutet mehr Angebotsmenge und damit Druck auf den Ölpreis).

Betrachtet man diesen Langfristchart, dann scheint der Aufwärtstrend noch intakt zu sein. Können diese Lockerungen der USA sowie mehr Fördermenge durch Saudis und Russen die Lücke von Iran und Venezuela schließen? Das weiß im Augenblick noch niemand.

Ölpreis WTI



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1 Kommentar

  1. Vielleicht möchten einige grosse Player über den Ölpreis /Börse dem besten Präsidenten aller Zeiten die Zwischenwahlen vermasseln. (China u.s.w.)
    Was mich u.viele am meisten überrascht ist,dass Powell 1 Monat vor den Zwischenwahlen so hawkisch auftritt u.die Börsen belastet.Ich hätte eher gedacht, dass er im Sommer so gehandelt hätte u. die Wahlen dann wieder in den Aufschwung gefallen wären. Was er sich jetzt leistet ist ja schon fast ein „ SCHWARZER SCHWAN“
    Anderseits dauerten die letzten Korrekturen nur kurze Zeit, u.er könnte bewusst jetzt eine kleine Korrektur provozieren u.dann Ende Monat kurz vor den Wahlen einen „ DOVISHEN FURZ“ loslassen u.die Börsenwelt wäre wieder in Ordnung ?

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