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Märkte

Ölpreis verliert 3,5 Dollar in drei Tagen – das sind die zwei Gründe

Claudio Kummerfeld

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am

Schauen Sie bitte zunächst erst einmal auf den Chart in diesem Artikel. Man sieht hier den Ölpreis-Verlauf (WTI) seit Januar. Man sieht, wie stets die vorigen Höchstpunkte durch neue Höchststände überlaufen wurden. Das ist charttechnisch ein gutes Zeichen für einen steigenden Markt. Und der hielt ja auch lange Zeit an.

Wie wir in den letzten Wochen mehrfach berichteten, gibt es jüngst nicht wenige Kommentatoren und Analysten, die Preisziele von bis zu 100 Dollar in den Ring werfen. Möglich ist das vor allem, weil Venezuela immer weniger fördert, und weil die USA das iranische Öl ab November komplett vom Weltmarkt fernhalten wollen. Bislang war zuletzt nur fraglich, ob Saudi-Arabien und Russland zügig mehr Öl auf den Markt werfen um diese Lücke zu schließen. Die Anzeichen dafür sahen zuletzt ganz gut aus.

Aber der Ölmarkt ließ sich davon bislang nicht überzeugen, und die Kurse stiegen weiter. Nun aber tritt eine Änderung ein. Wie am Freitag bekannt wurde, haben US-Beamte durchblicken lassen, dass man offenbar Ausnahmen von den Iran-Sanktionen in Sachen Öl gewähren wolle. Das wolle man von Fall zu Fall entscheiden bei Ländern, die ihre Importe aus dem Iran auch wirklich gesenkt haben. Also nach dem Motto „hast Du schon fleißig gesenkt im Sinne unserer Vorgaben, darfst Du auch unter den Sanktionen weiterhin ein bisserl Öl aus dem Iran kaufen“.

Dies kann man als Zeichen werten, dass Washington dem Ölmarkt ein Signal geben will, dass der Ölpreis nun auch gerne wieder fallen darf. Schaut her Leute, es kommt doch noch iranisches Öl auf den Weltmarkt!? Konkret ist dies erkennbar an den aktuellen Aussagen aus Indien, dass der zweitgrößte Abnehmer iranischen Öls im November offenbar ca 300.000 Barrels pro Tag kaufen will, nach ca 500.000 im September. Indien scheint so eine Ausnahme schon erhalten zu haben von den USA. Schon lustig oder bizarr. Die USA erteilen einzelnen Ländern Erlaubnisse und Verbote, mit welchen anderen Ländern sie wie viel Handel treiben dürfen.

Möglicherweise könnten Japan, die EU und Südkorea auch Ausnahmeregelungen erhalten. Den USA geht es dabei nicht um das Wohlbefinden der iranischen Volkswirtschaft, sondern nur darum, dass am Weltmarkt genug Angebot vorhanden ist, damit der Ölpreis jetzt fallen kann. Donald Trump braucht zügig sinkende Benzinpreise für seine Wähler daheim. Erkennt der Terminmarkt dieses Zeichen der Amerikaner, und beginnt nun die große Trendumkehr? Das kann bezweifelt werden.

Der zweite Grund für den schwachen Ölpreis

Letzten Mittwoch wurden die wöchentlichen Öl-Lagerdaten für die USA veröffentlicht. Mit +8 Millionen Barrels war es der stärkste Wochenanstieg seit 19 Monaten. Das war enorm! Völlig gegen die Logik stieg der WTI-Ölpreis danach an von 75,00 auf 76,87 Dollar innerhalb von drei Stunden. Aber von da an ging es bis jetzt diese 3,5 Dollar bergab. Ein Teil dieses kleinen Preisverfalls kann man also als Kompensation betrachten, weil der Ölpreis eigentlich hätte fallen müssen nach den Lagerdaten (mehr Rohöl in den Lagern bedeutet mehr Angebotsmenge und damit Druck auf den Ölpreis).

Betrachtet man diesen Langfristchart, dann scheint der Aufwärtstrend noch intakt zu sein. Können diese Lockerungen der USA sowie mehr Fördermenge durch Saudis und Russen die Lücke von Iran und Venezuela schließen? Das weiß im Augenblick noch niemand.

Ölpreis WTI

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Beobachter

    8. Oktober 2018 18:45 at 18:45

    Vielleicht möchten einige grosse Player über den Ölpreis /Börse dem besten Präsidenten aller Zeiten die Zwischenwahlen vermasseln. (China u.s.w.)
    Was mich u.viele am meisten überrascht ist,dass Powell 1 Monat vor den Zwischenwahlen so hawkisch auftritt u.die Börsen belastet.Ich hätte eher gedacht, dass er im Sommer so gehandelt hätte u. die Wahlen dann wieder in den Aufschwung gefallen wären. Was er sich jetzt leistet ist ja schon fast ein „ SCHWARZER SCHWAN“
    Anderseits dauerten die letzten Korrekturen nur kurze Zeit, u.er könnte bewusst jetzt eine kleine Korrektur provozieren u.dann Ende Monat kurz vor den Wahlen einen „ DOVISHEN FURZ“ loslassen u.die Börsenwelt wäre wieder in Ordnung ?

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Allgemein

EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Rüdiger Born: Die aktuelle Lage bei Dax und Nasdaq – dazu die UBER-Aktie

Rüdiger Born

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Devisen

Aktuell: Goldpreis fällt 30 Dollar nach guten US-Daten

Claudio Kummerfeld

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Ein Stapel Barren aus Gold

Der Goldpreis fällt in den letzten Minuten von 1.867 auf 1.837 Dollar. Gleichzeitig springt der US-Dollar nach oben. Der Dollar-Index (Währungskorb) steigt von 92,10 auf 95,49 Indexpunkte. Der Grund dahinter ist zu finden in den vorhin veröffentlichten Einkaufsmanager-Daten aus den USA, die deutlich besser ausfielen als erwartet (hier die Details). Die veröffentlichten Preise zeigen einen Rekordanstieg – dadurch, so die Logik, entsteht Inflations-Druck, was wiederum die US-Notenbank perspektivisch zu Zinsanhebungen zwingen könnte!

Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf seit Freitag in rot-grün gegen den US-Dollar in blau. Die negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar ist mehr als eindeutig. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie unsere Bericherstattung von heute Mittag über Gold, und welche Faktoren bis 15:45 Uhr den Goldpreis bewegt hatten.

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