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Ölpreis verliert deutlich – hier die Gründe, die der Markt wochenlang ignorierte

Der Ölpreis ist gestern ab 16:45 Uhr deutscher Zeit kräftig abgesackt. Das WTI-Öl verlor von 52,70 auf 50,03 Dollar in nur 3 1/2 Stunden. Danach beruhigte man sich über Nacht und liegt jetzt bei…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Der Ölpreis ist gestern ab 16:45 Uhr deutscher Zeit kräftig abgesackt. Das WTI-Öl verlor von 52,70 auf 50,03 Dollar in nur 3 1/2 Stunden. Danach beruhigte man sich über Nacht und liegt jetzt bei 50,52 Dollar. Was sind die Gründe für diesen deutlichen Abrutsch? Nun, gestern um 16:30 Uhr wurden die wöchentlich vermeldeten US-Lagerbestände für Öl und Ölprodukte bekanntgegeben. Die Lager für Rohöl in den USA stiegen um 8,2 Mio auf 528,4 Millionen Barrels an.

Das war der neunte Wochenanstieg in Folge. Eigentlich hätte den Marktteilnehmern schon vor Wochen auffallen müssen, dass die Lager immer voller werden, Woche für Woche. Und nicht nur das. Es ist keine Frühjahres-Schwankung oder etwas anderes. Die Lager in den USA sind auf Rekordniveau, mit Abstand so voll wie noch nie seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen der US-Energiebehörde EIA im Jahr 1982.

Der Chat in diesem Artikel zeigt den Verlauf der Lagerbestände seit Oktober 2015. Wir hatten erst vor wenigen Tagen geschrieben über die merkwürdige Entwicklung von Lagerbeständen in Relation zu einem Ölpreis, der einfach nicht fallen will. Denn der Markt gibt als natürlichen Mechanismus stets vor: Steigt das Angebot immer weiter, dazu noch deutlich schneller als die Nachfrage, muss der Preis (eigentlich!) fallen. Die starke Zunahme der Lager auf ein Rekordniveau seit 35 Jahren zeigt eindeutig, dass zu viel Angebot da ist, das nicht von Nachfragern abgenommen werden kann. Daher muss der Überschuss in die Lager.

Die Öl-Bullen haben in blinder Hoffnung den Ölpreis oben gehalten, weil man an die „Heilkräfte“ der OPEC-Kürzung von 1,2 Mio Barrels pro Tag glaubt (+0,6 Mio von Nicht OPEC-Ländern). Auch ist seit Wochen bekannt, dass die US-Produzenten ihre Förderung immer weiter ausbauen. Auch das wollte der Markt wohl nicht sehen. Terminmarkthändler bestätigen aktuell, dass es wohl vielen Großzockern wie Hedgefonds gestern endlich mal gedämmert hat, dass es zu gefährlich war ihre großen spekulativen Long-Positionen weiter so aufrecht zu erhalten.

Deswegen kam es gestern zu diesem schnellen Abverkauf mit einem Verlust von gut 2,70 Dollar. Der Chart ganz unten zeigt mit dem Abwärtspfeil ganz gut den deutlichen Abfall über Nacht. Davor im Kasten sieht man wochenlang einen Ölmarkt, der trotz ständig voller werdender Lager nicht fallen will. Man schaute seit Ende November im Bullen-Lager nur noch auf den OPEC-Deal, der zwar tatsächlich deren Fördermenge gesenkt hat. Man wollte aber gleichzeitig nicht die steigende Fördermengen an anderen Orten wahrnehmen. Es soll nicht sein, was nicht sein darf.

Aus Finanzkreisen hört man, dass man erwartet, dass wie schon in der Vergangenheit bald wohl mehrere OPEC-Offizielle mal wieder hier und da (rein zufällig) an Mikrofonen vorbeilaufen werden, und mit ihren Kommentaren versuchen werden die Terminpreise für Öl zu pushen. Wahrscheinlich wird man andeuten (das vermuten wir jetzt mal), dass man ab Ende Mai, wo die Fördermengen-Kürzung ausläuft, den Deal womöglich verlängern wird, und dass die Chancen für so eine Verlängerung gar nicht so schlecht stünden usw. Wir erinnern nochmal daran: Erst letzte Woche hat die US-Ölproduktion den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr erreicht!


Die US-Öllagerbestände seit Oktober 2015.


Der WTI-Ölpreis seit September 2016.

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Hoggel77

    9. März 2017 11:02 at 11:02

    naja das Ding ist halt, fällt der Ölpreis jetzt noch ein wenig, sind die Fracker bald wieder raus:D
    spannende Taktik der Saudis.

    • Avatar

      HansWurst

      9. März 2017 11:22 at 11:22

      Und was verstehen sie unter „ein wenig“?
      Keiner weiß genau wo die Gewinnzone ist, selbst als der WTI Kurs die 30$ Marke streifte, haben einige Fracker noch gebohrt.

      • Markus Fugmann

        Markus Fugmann

        9. März 2017 11:25 at 11:25

        @HansWurst, die Kosten für die Fracker fallen durch technischen Fortschritt – sie liegen durchschnittlich derzeit bei 35 Dollar..

  2. Avatar

    MK

    9. März 2017 11:26 at 11:26

    der Trump wird halt dann die Fracker subventionieren, zumindest verbal, mehr hat er nicht drauf!!

  3. Avatar

    Dieter G.

    9. März 2017 11:54 at 11:54

    Es gib ja auch keinen Grund Öl long zu nehmen. Ich tanke doch lieber für 1,10 als für 1,40. Daher verstehe ich den Hype nicht, ob Öl jetzt endlich steigt. Auch die Diskussion, ob jetzt eine inverse SKS ausgebildet wird, ist schon extrem nervig.

    Hoch die Tassen auf einen Ölpreis von 25 Euro.

    Liebe Grüße

    Dieter

    • Avatar

      KSchubert

      9. März 2017 12:16 at 12:16

      25 …naja, noch nicht direkt absehbar :-)

      Aber ich denke auch, dass wir uns den Rest des Jahres wieder mit dem „Phänomen“ des sinkenden Ölpreises auseinandersetzen werden. Irgendwas zwischen 40 und 42 scheinen mir sehr wahrscheinliche nächste Marken bei Öl zu sein – ist nur die Frage, wie direkt der Preis dahin gelangt.

      Viele Grüße!

  4. Avatar

    DiMü

    9. März 2017 12:11 at 12:11

    Die Amis fördern nur ca 60% des eigenen Bedarfes. Warum die die Läger so vollknallen ist sonnenklar. Den Amis ist bewusst dass die derzeitigen Preise nur kurzfristig so niedrig sein werden. Jetzt wie verrückt alles aufzukaufen was da nur irgendwo auf den Weltmeeren in Tankern herumschwimmt ist wie sich das Sparbuch (das falsche Wort in diesem Forum) aufzufüllen. Wenn die Preise wieder auf sagen wir einmal 80$ gehen spült ihnen das ordentliche Gewinne in die Kassen. Ende 2017 sind wir bei 80$, ist nur eine Vermutung. Aber die Leute die sich die Tanks mit Millionen Barrels Öl anfüllen haben mehr Einsicht in den Markt als irgendein Börsenfuzzi der es verabsäumt hat etwas ordentliches zu lernen.

    • Avatar

      Dieter G.

      9. März 2017 13:07 at 13:07

      Halt ich dagegen. Von mir aus für einen Kasten Milch. :-) Wir bewegen uns stramm auf neue Technologien hin, bei denen Öl keine große Rolle mehr spielt. Würde der Ölpreis wieder drastisch steigen, wird der Wechsel in der E-Mobilität beschleunigt. Nicht ohne Grund interveniert die Autobranche in Richtung Verbrennungsmotor.

      Das Nachsehen haben natürlich die Saudis, die sich ihr schwarzes Gold aufs Brot streichen können. Ferrero hat dafür ja auch schon vor langer Zeit einen Namen kreiert: Nutella

      Wohl bekommt´s.

      Lieben Gruß

      Dieter

      • Avatar

        DiMü

        9. März 2017 13:45 at 13:45

        https://www.iea.org/Sankey/#?c=IEA Total&s=Balance

        verschiebe einmal den Schieber auf der Zeitachse. Dann wirst du sehen dass der Verbrauch beim Transport immer nur gewachsen ist. Lastwagen of E-Basis gibts auch nicht und wird es auch nicht geben. Schiffe auch nicht.

        Wenn die Welt umstellt auf E-Mobilität dann schaut es in Europa düster aus. Dann gibt es Millionen Arbeitslose vor allem in D, F, Slowakei, Ö, ..-. überall dort wo Autos hergestellt werden. E-Autos benötigen wesentlich weniger Arbeitsschritte und weniger Komponenten. Dann können viele Gießereien, Hüttenbetriebe, usw. zusperren. Ein E-Auto wird dann mit 110% Sicherheit in Pakistan oder Indien hergestellt und nicht im teuren Europa. Wenn die Welt umstellt auf E-Autos kann in Europa die teure Infrastruktur nicht mehr aufrechterhalten werden. Renten, Krankenhäuser, Müllabfuhr, sauberes Trinkwasser, Sicherheit wird sich alles ändern.
        Wer sollte das also wollen ??????

        Grüße Dieter

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