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Ölpreis im Fegefeuer des Tanker-Angriffs – „Video-Beweis“

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Der Ölpreis brach am Mittwoch weiter ein nach den weiter steigenden Lagerbeständen für Rohöl in den USA. Dann kam gestern früh der für den Ölpreis „rettende“ Umstand auf den Tisch, dass im Golf von Oman zwei Öltanker angegriffen wurden. Nun geht es um die Frage: Wer hat sie angegriffen, und warum? Ist die Durchfahrt für Öltanker aus Bahrain, Kuwait, Irak, VAE und Saudi-Arabien Richtung offenes Meer noch sicher? Gestern schrieben wir dazu bereits, dass solche Vorfälle im Nahen Osten seit Jahrzehnten nie zu einer auch nur ansatzweise ernsthaften Bedrohung der weltweiten Versorgung mit Öl führten.

Warum sollte der Iran so etwas tun?

Ob es diesmal ein ernsterer Vorfall sein wird? Immerhin geben die USA aktuell dem Iran mit voller Kraft die Schuld an dem Angriff. Aber warum sollte der Iran das tun? Eine gute Frage. Laut US-Außenminister Pompeo handele es sich um eine nicht hinnehmbare Eskalation der Lage durch den Iran. Die USA haben inzwischen ein Video veröffentlicht (hier der Original-Link des US-Militärs), das zeigen soll, wie ein Boot der iranischen Revolutionsgarden eine Haftmine von einem Tanker wieder entfernt, weil diese nicht explodiert war. Also erst die Mine, die nicht hochging. Und danach dann ein Raketenangriff? Den sieht man im Video aber nicht. Ob das Video nun wirklich iranische Aggressoren zeigt, und ob das ein Beweis für folgende iranische Angriffe darstellt? Wir maßen uns dazu kein Urteil an. Nochmal die Frage: Warum sollte der Iran so etwas tun? Oder kann es vielleicht sein, dass innerhalb des iranischen Militärs einzelne Kommandeure aus der Reihe tanzen und eigenmächtig Tanker angreifen?

Die USA bestehen darauf, dass der Iran den Angriff durchgeführt hat. Aber einen wirklichen Beweis für den Angriff selbst konnten sie bisher nicht liefern. Und schon wieder die Frage: Warum sollte der Iran das tun? Um so seine Chancen zu erhöhen doch wieder freien Zugang zum weltweiten Ölmarkt zu bekommen? Damit erreicht man ja wohl eher das Gegenteil. Und der Iran braucht dringend Geld! Die Vorwürfe der USA bezeichnet der Iran inzwischen als „Sabotage-Diplomatie“.

Wohin jetzt mit dem Ölpreis?

Was wird der Ölpreis machen? Gestern früh startete WTI-Öl seinen Anstieg aufgrund der Tanker-Angriffe bei 51,40 Dollar, und stieg dann gestern Mittag bis auf 53,42 Dollar an. Seitdem ist der Preis schon wieder gut zurückgekommen auf 52,13 Dollar. Das aktuell veröffentlichte Video des US-Militärs hat den Ölpreis heute früh aber bislang noch gar nicht beeinflusst. Denn wenn das Video ein echter Beleg für eine iranische Beteiligung an dem Angriff sein sollte, wäre eine weitere Eskalation in der Region durchaus wahrscheinlich.


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Eskaliert dieses Thema weiter, könnte der Ölpreis natürlich deutlich weiter steigen, und alle anderen Themen kurzfristig überschatten. Aber wie wir es schon schrieben. In der Vergangenheit erwiesen sich solche Störungen von Öl-Lieferungen in der Golfregion immer nur als ganz kurzfristige und eher harmlose Events für den Terminmarkt. Nun gilt es für Öl-Spekulanten zu entscheiden. Wird auch dies wieder so ein harmloser Event? Wenn ja, kann die Aufmerksamkeit der Märkte wieder zurückfallen auf die ständig steigenden Öl-Lager in den USA und offenbar zu viel Öl-Angebot auf dem Weltmarkt. Dann könnte WTI-Öl wieder Richtung 50 Dollar schauen. In der Grafik seit dem 4. Juni zeigen wir den fallenden Ölpreis am Mittwoch, und dann seit gestern die Drehung.

Ölpreis WTI seit 4. Juni

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Hesterberg

    15. Juni 2019 16:01 at 16:01

    Das Video beweist gar nichts und ja, warum sollte der Iran dahinterstecken? Ich könnte mir gut vorstellen, dass die USA die Anschläge selbst inszeniert haben als Rechtfertigung für einen Angriff auf den Iran und ich würde mich nicht wundern, wenn bald Bomben fallen. Wer will den Krieg? Der Iran will ihn nicht und die Frage, ob ihn die USA, Saudi-Arabien und Israel wollen, kann sich jeder selbst beantworten.

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      Columbo

      15. Juni 2019 20:04 at 20:04

      @Hesterberg
      „Sie können sich gut vorstellen….und würden sich nicht wundern….und dann soll sich die Frage jeder selbst beantworten….“
      Sorry, bitte nicht persönlich nehmen, ist nicht bös gemeint, aber sowas liest man im Gemeindeblatt. Gehts nicht konkreter? Irgendwelche interessante Fakten? Oder was Lustiges?
      Weil…auch ich kann mir gut vorstellen, daß die Eskimos niemals den Iran angreifen werden. Es würde mich sehr wundern. Warum, muß sich jeder selbst beantworten.

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        Put in

        16. Juni 2019 08:38 at 08:38

        @Columbo Haben Sie irgendwelche Fakten, dass das Iran war, außer Ihres gewöhnliches Bla-Bla? Da lustige Video ist ja bereits.

      • Avatar

        Hesterberg

        16. Juni 2019 16:09 at 16:09

        @Columbo
        Es mag ja sein, dass sie eine schwere Kindheit hatten und hier krampfhaft Anschluss suchen. Aber müssen Sie denn immerfort ausgerechnet mich mit Ihren geistlosen Unterkommentaren langweilen? Finden Sie denn da Niemanden anderes? Oder haben Sie schon alle durch?

        • Avatar

          Columbo

          16. Juni 2019 19:46 at 19:46

          @Hesterberg
          Es tut mir leid, aber Sie sind der Einzige. Es ist vielleicht Ihre Art, Binsenwahrheiten zu präsentieren, die mich herausfordert. Ich sollte toleranter sein, gerade im Hinblick auf meine schwere Kindheit. Ich werde mich in Zukunft zurückhalten.

          • Avatar

            Shong09

            17. Juni 2019 23:54 at 23:54

            Oder einfach abnehmen und eine leichte Kindheit haben 😉

            schwierig und schwer; wenn das die Intellektuellen schon nicht hinkriegen

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Devisen

US-Dollar: warum er derzeit so unglaublich stark ist!

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Der US-Dollar dominiert weiterhin die Märkte, aber es handelt sich um Intramarktkorrelationen, d.h. Korrelationen, die innerhalb des Währungsmarktes weiterhin auftreten – wobei die anderen Anlageklassen wichtige Informationen auf die aktuelle Lage geben. Der Greenback hat in der Tat gegenüber allen wichtigen Währungen deutlich an Wert gewonnen, wobei der Euro und der Yen gegenüber dem Dollar die Rolle der schwächsten Währungen spielen. Die Rohstoffwährungen folgen diesen Abwärtsbewegungen – mit Ausnahme des kanadischen Dollars, der stark mit dem Trend von Ölpreis und  Schweizer Franken (immer gegenüber dem US-Dollar) korreliert.

Dollar und Korrelationen zwischen den Märkten

Wenn wir auf der Ebene der Korrelationen zwischen den Märkten argumentieren, d.h. wenn wir uns auf Anlageklassen beziehen, die verschiedenen Märkten angehören, sind wir mit einer besonderen Situation konfrontiert.

Normalerweise, wenn der Markt nicht in einer Phase der Risiko-Aversion ist, sollten Sie, wenn Sie mit einem totalen Zentrismus des US-Dollars konfrontiert sind, sehen, dass Gold in der Regel fällt wenn der US-Dollar stark ist. Auch steigt der US-Dollar zum Yen (USD/JPY) gewöhnlich nur dann stark, wenn die Börsen ständig neue Höchststände erreichen, da die Anleger zur Finanzierung von Risikokäufen Short-Positionen im Yen eröffnen (Carry Trades). Wenn Sie jedoch mit einer erhöhten Risikoaversion konfrontiert sind, kann Gold zusammen mit einem fallenden USD/JPY (was eine Stärkung des Yen bedeutet) steigen. Derzeit haben wir Börsen auf den Höchstständen, Gold steigt, der Yen aber fällt – was bedeutet, dass etwas nicht den Mustern folgt, die sich in den letzten Jahren statistisch immer wieder wiederholt haben.

Was treibt die Preise für den US-Dollar?

Die Frage stellt sich natürlich. Die Kunst besteht darin, eine Antwort zu suchen, die sich an den Fakten, also an den Kapitalströmen orientiert – und nicht darin, um jeden Preis eine Rechtfertigung für die stattfindenden Marktbewegungen finden zu wollen. Unserer Meinung nach lässt sich die Situation gut interpretieren: trotz neuer Allzeithochs an den Aktienmärkten sind die Investoren derzeit durchaus alarmiert!

Seit Monaten liegt die Geldpolitik der großen Zentralbanken auf Eis (keine Zinsänderungen), dagegen sind Zinssenkungen in Australien und Großbritannien absehbar. Der US-Dollar aber hat die höchsten nominalen und realen Zinssätze – und das beginnt angesichts der Unsicherheiten immer schwerer zu wiegen und zieht daher große Kapitalströme in den Greenback.

Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die mit dem Coronavirus verbundenen Befürchtungen die Suche nach sicheren Häfen, die gleichzeitig auch Rendite bieten können, in dieser Welt mit überwiegend Null- oder Negativzinsen, verstärken. Darüber hinaus sind die USA konjunkturell derzeit immer noch in der besten Situation.

Dies erklärt den Anstieg des US-Dollar auf allgemeiner Ebene. Darüber hinaus steht die Frage, die die Gemüter vieler Investoren bewegt: Werden Gewinnmitnahmen bald zu einer Trendwende führen? Wenn diese Bewegungen einsetzen, dann der Einschätzung, dass wir bereits das Top erreicht haben – zusammenhängend mit der Befürchtung, dass sich die Weltwirtschaft aufgrund dieser Epidemie, deren Kurve wir noch nicht verstehen, verlangsamen könnte.

Zu diesem Bild gehört auch folgende Überlegung: Wenn Geld aus den Aktienmärkten fließt, wo kann es dann Rendite erzielen, wenn die meisten festverzinslichen Wertpapiere lächerliche Renditen bieten? All diese Ungewissheiten führen dazu, dass sich die Anleger gegen mögliche Abschwünge an den Aktienmärkten zu schützen beginnen – aber nicht, indem sie auf sie wetten, sondern indem sie das Risiko durch Goldkäufe absichern.

Dazu auch ein letzter Gedanke über das Niveau, das der Schweizer Franken gegenüber dem Euro (EUR/CHF) erreicht hat. Wir haben wichtige Tiefststände erreicht, die 2016 und 2017 berührt wurden – eine Bruch dieser Tiefststände nach unten dürfte der SNB  nicht gefallen und die Aufmerksamkeit auf einen potenziellen Interventionismus lenken, der versuchen könnte, eine (vorübergehende) übermäßige Aufwertung des Frankens einzudämmen.

(Hinweis: Der Autor Matteo Paganini ist chief market strategist bei dem australischen Broker Pepperstone)

Kapitalströme unterstützen den US-Dollar derzeit stark

 

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Gold/Silber

Goldpreis über 1.600 Dollar – Gründe, ETF und Meinungen

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Gold Barren Beispielbild

Mit 1.612 Dollar notierte der Goldpreis gestern Abend sogar 2 Dollar über dem Hoch vom 8. Januar. Auch wenn Gold aktuell bei 1.609 Dollar notiert, so ist dieses gestrige Überschreiten des Januar-Hochs ein doch positives Zeichen auf dem Weg nach oben? Erst gestern berichteten wir über die doppelte Stärke im jüngst gestiegenen Goldpreis. Denn der US-Dollar (sichtbar im Dollar-Index) steigt und steigt und steigt. Das spräche eigentlich für Schwäche im Gold. Und auch die Aktienkurse zeigen sich robust. Der Risikoappetit (Risk On) ist vorhanden – auch das spräche gegen einen steigenden Goldpreis – aber er steigt. Eine echte eigenständige Stärke in dem Edelmetall!

Goldpreis steigt wegen der hohen Nachfrage

Schon der Degussa-Experte Thorsten Polleit wies jüngst auf die hohen Geldzuflüsse in börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds) hin. Privatanleger wie auch große institutionelle Investoren scheinen derzeit wie wild ihr Geld in Gold-ETF zu pumpen, was natürlich für einen steigenden Goldpreis sorgt! Laut Daten der US-Börsenaufsicht SEC erhöhte der weltweit größte Vermögensverwalter BlackRock seinen Anteil am weltweit größten Goldfonds SPDR Gold Trust im letzten Quartal um 318%. Auch Goldman Sachs erhöht seine Anlagen in Gold kräftig! Auch daher ist es nicht verwunderlich, wenn der Goldpreis steigt, während gleichzeitig die Aktienkurse von Rekord zu Rekord klettern. (Buch: Die Wohlstandsvernichter: Wie Sie trotz Nullzins, Geldentwertung und Staatspleiten Ihr Vermögen erhalten)

Gründe und Meinungen

Was sind die Gründe für den steigenden Goldpreis? Während viele Anleger weiter euphorisch im Aktienmarkt investieren und Angst haben Gewinne zu verpassen, gibt es offenbar genug Anleger, die parallel dazu den „Sicheren Hafen“ suchen. Aber nicht nur das. Seit geraumer Zeit treibt im größeren Bild gesehen das Nullzinsumfeld die Anleger in das zinslose Gold. Und derzeit ist die Angst vor weiter fallenden Zinsen weltweit real vorhanden, dank Industrie-Rezession und Coronavirus. Denn man weiß ja… droht eine Krise, wollen die Notenbanken sofort wieder irgendwas stimulieren!

Degussa-Experte Thorsten Polleit benennt als Gründe für den Drang ins Gold vor allem die anhaltend niedrigen Zinsen. Und die wachsenden Risiken im internationalen Geld- und Kreditsystem befördern die Nachfrage nach Gold zu Anlage- und Absicherungszwecken. Das zeige sich recht unmissverständlich auch im Zufluss in die Gold-ETFs, so Polleit. Auch möchten wir ergänzen: Der deutsche Privatanleger dürfte wohl mehr und mehr zu Gold drängen, wenn (wie die Tendenz ja aktuell aussieht) die Banken immer mehr zu Negativzinsen auch bei kleineren Guthaben übergehen. (Buch: Der größte Crash aller Zeiten: Wirtschaft, Politik, Gesellschaft. Wie Sie jetzt noch Ihr Geld schützen können)

Naeem Aslam von Avatrade meint, dass die technischen Indikatoren bei einem Goldpreis über dem kritischen Niveau von 1.600 Dollar bestätigen würden, dass der Bullenlauf kurz davor stehe, eine ernsthafte Stärke zu erlangen. Jasper Lawler von der London Capital Group erwähnt, dass das aktuelle Niveau im Goldpreis immerhin der höchste Stand seit 2013 ist (siehe Langfristchart in US-Dollar seit dem Jahr 2010). Seine „beste Annahme“ sei, dass der Ausbruch nach oben halte, und dass sich die Preise in relativ kurzer Zeit in Richtung 1.650 Dollar pro Unze bewegen. Also, so unsere Frage zum Schluss: Rauscht der Goldpreis weiter nach oben? Oder gibt es erstmal ein Durchschnaufen mit leicht fallenden Kursen, weil steigender Dollar und steigende Aktien doch zu stark gegen Gold drücken?

Goldpreis in US-Dollar seit 2010

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Indizes

Aktienmärkte: Sind die Investoren irrational bullish?

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Sind die Investoren derzeit geradezu irrational bullisch für die Aktienmärkte? Die monatliche Umfrage der Bank of America Merril Lynch ist ein sehr beachteter Hinweisgeber, schließlich geben dort milliardenschwere Fonds Auskunft über ihre Investitionen sowie ihre Einschätzung zu den Märkten.

Derzeit steht alles im Zeichen des Coronavirus, der die Fondsmanager aber immer noch nicht stark ängstigt.

Aktienmärkte: Die Phase der Gewinnwarnungen

Es wird kaum jemanden überraschen, dass die Konjunktur in vielen Ländern einen Dämpfer erhalten muss, wegen Covid-19. Die wochenlange Stilllegung von Fabriken in der zweitgrößten Volkswirtschaft, der Werkbank der Welt, die Quarantäne von Abermillionen chinesischer Konsumenten und die Isolation Chinas müssen sich in den Umsätzen und Gewinnen zahlloser Unternehmen widerspiegeln. Ergo stehen wir vor einer Kaskade an Gewinnrevisionen, von denen Apple als Billionen-Dollar-Konzern die größte Außenwirkung, insbesondere bei Konkurrenten und Zulieferern, erzeugte. Bis man sich wieder besann: das Ganze werde nur vorübergehend sein und die Firmen werden in den nächsten Quartalen vieles davon wieder aufholen – daher bleiben auch die Aktienmärkte stark.

So auch der Tenor in der letzten Umfrage von Bank of America Merril Lynch. Die 190 Fondsmanager, die immerhin ein Vermögen von 630 Milliarden Dollar verwalten, sehen den Coronavirus nur als drittwichtigstes Ereignis an, nach den US-Wahlen 2020 und der Sorge um Verwerfungen an den Anleihemärkten.

Was erwarten die großen Geldverwalter?

Die Fondsmanager erwarten zwar nicht den ganz großen Einbruch der Aktienmärkte durch Covid-19, aber für die Wirtschaftsentwicklung im Jahre 2020 macht sich doch eine zunehmende Zurückhaltung breit. Zum ersten Mal seit dem Herbst 2019 haben die befragten Manager ihre Erwartungen an das globale Wirtschaftswachstum gesenkt. Derzeit glauben nur noch 18 Prozent der Geldverwalter, dass die Weltwirtschaft im laufenden Jahr im Vergleich zu 2019 anziehen wird. Gerade nur noch halb so viele wie vor Monatssicht.

Auch erwarten nur noch 15 Prozent der von der BofA Befragten, dass die Unternehmen weltweit in den nächsten zwölf Monaten mehr verdienen werden, auch eine Halbierung gegenüber dem Vormonat.

Das Festhalten an der Aktie

Trotz dieser Skepsis für die Entwicklung der Wirtschaft halten die Fondsmanager ihr Investment in Aktienmärkte aufrecht. Die Umfrage zeigt, dass ein Drittel der Investoren in Aktien übergewichtet sind. Dies ist sogar ein höherer Wert, als vor einem Monat, als das Coronavirus noch keine Rolle spielen konnte. Das bedeutet, dass die großen Geldverwalter in den USA die Aktienanlage noch höher ansetzen, als es die aus verschiedenen Anlageklassen zusammengesetzten Vergleichsindizes für ihre Investmentfirmen in Summa vorgeben.

Aktienmärkte: Es ist der Glaube an die Notenbanken

Wie oft wurde schon darüber geschrieben, aber es bestätigt sich immer wieder.

Die Diskrepanz zwischen Entwicklung der Aktienmärkte und wirtschaftlicher Lage speist sich einmal mehr durch den Glauben der Investoren an die Geldpolitik der Notenbanken. „In Fed we trust“, die Zentralbank würde bei einer Beeinträchtigung der Konjunktur gewaltig Gas geben. Und es gibt auch noch das für viele schon leidige Thema „TINA“. Die niedrigen Zinsen halten die Anleger, die noch eine Rendite (nach Inflation) erzielen wollen, in den Aktienmärkten.

Der Sonderfall Deutschland

Nicht nur in den USA ist der Anlagenotstand erkennbar. In Deutschland herrscht vonseiten der Zinsen absolute Ebbe, schließlich bekommt man nicht einmal mehr bei griechischen Staatspapieren eine Rendite, die oberhalb der Inflationsrate liegt. So verwundert es nicht, dass der Nachzügler Dax trotz schlechter Unternehmensaussichten steigt. Schließlich wird auch für diesen Index vonseiten amerikanischer Analysehäuser geworben. Hat nicht bereits die Summe der auf unverzinslichen Geldkonten parkenden Gelder die unglaublich Zahl von 2,5 Billionen Euro erreicht? Das Doppelte der Marktkapitalisierung des gesamten Dax.

Düster hingegen steht es um die Unternehmensaussichten.

Einer Studie von Ernst&Young zufolge gab es bereits 2019 die Rekordzahl von 171 Prognosesenkungen durch Unternehmen, mehr als die Hälfte aller im Prime Standard gelisteten Firmen. Dabei ging es bisher nur um Abstufungen aufgrund der weltwirtschaftlichen Störungen durch den Handelsstreit. Die große Welle durch die Implikationen durch den Coronavirus ist hier noch gar nicht berücksichtigt. Hauptwarner ist die Automobilindustrie, deren Zulieferer und die Chemieindustrie. Gerade dort dürfte es in den nächsten Wochen so richtig zur Sache gehen. Ein weiteres Kapital zum Thema Fundamentalbaisse versus Liquiditätshausse der Aktienmärkte.

Fazit

„Die Investoren sind irrational bullish“, so der Kommentar des Chefanlagestrategen der Bank of America Merrill Lynch, Michael Hartnett.

Der Coronavirus wird schon überwunden werden, wie der SARS-CoV von 2002/03 oder der Mers-CoV von 2012 und wird man vieles nachholen oder wenn nicht, werden die Notenbanken die Aktienmärkte mit Liquidität fluten, so die große Überzeugung der befragten Fondsmanager.

Damit gibt es eine bereits für Deutschland angesprochene Gefahr, verursacht durch die hohe Investitionsquote der Anleger – in den USA auch durch die großen Kapitalsammelstellen. Zuviel schlechte Nachrichten verträgt eine solche Disposition nicht, es fehlt das Auffangnetz durch Außenstehende.

Da wären wir wieder bei dem großen Thema „schwarzer Schwan“ Covid-19. Wird die Lungenkrankheit tatsächlich zu einem unerwarteten Ereignis von unerwarteter (wirtschaftlicher) Tragweite? Oder bekommen die Fondsmanager recht? Die heute Nacht aus Peking gemeldeten Zahlen zu den rückläufigen Neuinfektionen verwirren einmal mehr.

Trotz Coronavirus sind die Investoren geradezu irrational bullisch für die Aktienmärkte

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