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Ölpreis weiter abwärts – drei Gründe – Reserven, China, Fed

Bohrinsel für Öl

Der Ölpreis tendiert weiter abwärts. Brent-Öl notierte am 6. März im Hoch bei 137 Dollar, als die Verknappungsangst am Weltmarkt wegen dem Ukraine-Krieg am höchsten war. Seitdem ging es in mehreren Wellen bergab bis auf 98,50 Dollar gestern Abend. Aktuell sehen wir Brent bei 101,31 Dollar, und damit noch gut 5 Dollar höher als kurz vor Beginn des Kriegs. Der WTI-Ölpreis kam seit dem 6. März von über 129 Dollar zurück bis auf 93,86 Dollar gestern Abend – aktuell sehen wir einen Preis von 96,29 Dollar. Trotz des Preisanstiegs von gestern Abend bis jetzt ist der Trend derzeit abwärts gerichtet. Wir schauen auf die IEA-Verkündung, China und die Fed.

Ölpreis fällt – dafür gibt es drei Gründe

Im großen Bild gibt es derzeit drei Gründe, warum der Ölpreis so schwächelt. Wegen dem Ukraine-Krieg haben zahlreiche Länder über das Vehikel der Internationalen Energie-Agentur (IEA) angekündigt Öl-Reserven freizugeben, die das Angebot an Öl auf dem Weltmarkt vergrößern sollen. Seit Tagen gibt es bereits Infos rund um die Freigabe von Lagermengen durch die IEA-Staaten, gestern Abend dann erfolgte die offizielle Bestätigung. Insgesamt werden in den nächsten sechs Monaten 240 Millionen Barrels Öl aus nationalen Reserven auf den Markt geworfen – Deutschland ist mit 6,5 Millionen Barrels dabei. Mit der koordinierten IEA-Aktion soll der Ölpreis runtergedrückt und die Inflation bekämpft werden. In den letzten Tagen scheint bereits die Ankündigung solch großer Volumina am Markt Wirkung erzielt zu haben.

Auch der Corona-Lockdown in China erzielt seine Wirkung. Gerade die große Finanz- und Wirtschaftsmetropole Shanghai musste in den völligen Lockdown. Konsum, Verkehr und Produktion ruhen. Der Hafen arbeitet zwar noch, aber was nützt das, wenn aus den Fabriken keine Produkte mehr geliefert werden? Bei einem so restriktiven Lockdown ist es nur logisch, dass die Nachfrage nach Öl sinkt. Und angeschlossene Lieferketten für den Warenversand ins Ausland werden dadurch auch mit zunehmender Dauer gestört sein, was die Öl-Nachfrage dämpfen und damit für den Ölpreis ein belastender Faktor sein sollte.

Und dann wäre da noch die US-Notenbank Federal Reserve. Sie hat die letzten Tage mehr als klar zum Ausdruck gebracht, dass sie ihre Geldpolitik schnell und deutlich straffen wird, um die Inflation in den USA einzudämmen. Dies dämpfte den Appetit der Anleger nach Risikoanlagen, und stärkte in den letzten Tagen den US-Dollar deutlich. Ein stärkerer Dollar drückt gegen alles, was in Dollar gehandelt wird. Deswegen übt ein starker Dollar auch einen Abwärtsdruck auf den Ölpreis aus. Außerdem dämpfen steigende Zinsen die Konjunktur, was negativ auf die Öl-Nachfrage wirkt.

Aufwärts-Szenario nicht ignorieren

Abseits der Tagesaktualität und dem Blick auf die nächsten Tage sollte man mit Sicht auf mehrere Wochen und Monate nicht das von mir bereits beschriebene Aufwärtsszenario für den Ölpreis nicht vergessen. Europa will in den nächsten Monaten massiv die Abhängigkeit von russischem Öl reduzieren. Deutschland beispielsweise will bis Jahresende ganz wegkommen von russischem Öl. Dies erhöht folglich die europäische Öl-Nachfrage auf dem Weltmarkt, und kann für einen steigenden Ölpreis sorgen. Nicht jetzt sofort, aber in den nächsten Monaten könnte dieser Effekt eintreten. Es ist ein Szenario, das so eintreten kann – oder eben auch nicht. Denn russisches Öl findet bereits seinen Weg zu Abnehmern wie Indien, und womöglich auch noch nach China. Die dortige Nachfrage nach Öl aus dem Nahen Osten könnte dementsprechend sinken, was wiederum dämpfend auf den weltweiten Ölpreis wirken könnte.

Chart zeigt Verlauf im WTI-Ölpreis seit Mitte Februar WTI-Ölpreis seit Mitte Februar.



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1 Kommentar

  1. US-Finanzministerin Janet Yellen geht davon aus, daß der Ölpreis im Falle eines russischen Öl-Embargos durch die Decke gehen könnte. Ich rechne jedoch nicht mit einem russischen Öl-Embargo, da sich der Ministerpräsident des EU-Mitgliedslandes Ungarn Viktor Orban dagegen ausspricht, und im Europäischen Rat das Einstimmigkeitsprinzip gilt. Ministerpräsident Orban betreibt in Sachen russische Ukraine-Invasion eine konstruktive/zielführende Politik, indem er ein Normandie-Format-Treffen in Ungarn anregt. Staatspräsident Wladimir Wladimirowitsch Putin ist nicht generell dagegen. Er fordert Bedingungen. Nun, sowohl die Ukraine, als auch Russland haben in Sachen Minsk-Abkommen ihre Hausaufgaben zu erledigen.

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