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Ölpreis: „Worst-Case-Szenario“ bei 380 US-Dollar – sagt JP Morgan

Russland sitzt am längeren Hebel

Ölpreis JP Morgan 380 Dollar

Die Analysten von JP Morgan warnen vor den Auswirkungen weiteren Sanktionen und Maßnahmen gegenüber Russland, denn eine mögliche Verringerung der russischen Erdölförderung hätte dramatische Auswirkungen für den Rest der Welt: Der Ölpreis könnte in der Spitze bis auf 380 US-Dollar pro Barrel steigen.

Während die G7-Nationen nach komplizierten Möglichkeiten suchen, den Preis für russisches Crude nach oben zu limitieren und so den finanziellen Druck auf Vladimir Putin zu erhöhen, kann man sich in Moskau getrost zurück lehnen und abwarten, welches Eigentor die G7-Mitglieder gerade wieder vorbereiten. Bedenkt man die Abhängigkeit von russischen Rohstoffen, insbesondere bei Energie, schaden die beschlossenen Sanktionen offenkundig mehr den westlichen Volkswirtschaften als der russischen. Eine Studie von JP Morgan legt schonungslos offen, welches Risiko hier von den G7-Nationen eingegangen wird.

JP Morgan sieht Ölpreis bei bis zu 380 US-Dollar pro Barrel

Die Analysten von JP Morgan rechnen vor, dass Russland finanziell so gut dasteht, dass selbst eine Produktionskürzung um fünf Millionen Barrel Öl pro Tag keine oder nur ganz geringe Schäden bei der eigenen, russischen Industrie anrichtet. Für den Rest dieser Welt, die auf Ölimporte angewiesen sind, käme dies aber einem ökonomischen Desaster gleich. Im Falle einer täglichen Produktionskürzung um drei Millionen Barrel sehen die Analysten den Ölpreis bei 190 US-Dollar, bei einer täglichen Kürzung um fünf Millionen Barrel (Worst-Case-Szenario) sehen sie den Ölpreis sogar bei 380 US-Dollar.

Schließlich kann Russland selbst entscheiden, ob es weitere Sanktionen oder Regulationen akzeptiert, oder einfach den täglichen Ausstoß verringert, um selbst den Druck auf den Westen zu erhöhen. Bei der jetzigen Diskussion wird immer wieder erwähnt, dass Russland den Krieg angefangen hat – das ist unumstritten. Aber der sich nun entwickelnde Wirtschaftskrieg mit den harten Sanktionen, die in diesem Umfang noch nie gegen ein Land beschlossen wurden, ist eine Entscheidung der westlichen Politik. Und wie immer deutlicher wird, wirken die Sanktionen wie ein Boomerang. Im Gegensatz zu Behauptungen westlicher Politiker haben die Sanktionen bisher keinen echten Druck auf die russische Führung unter Vladimir Putin ausgeübt.

Ein Gas-Stopp würde die Deutsche Wirtschaft schon über 193 Milliarden Euro kosten

Bedenkt man, welche Folgen ein Sudden-Stopp alleine bei russischem Gas hätte: laut einer Analyse der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) belaufen sich die Schäden auf über 193 Milliarden Euro – so steht langsam die Frage im Raum, was noch alles geopfert und wieviel Risiko noch eingegangen werden soll? Schließlich steht die industrielle Zukunft des ganzen Landes, ja ganz Europas auf dem Spiel!

Deutsche Bundesbank kommt zu ähnlichen Ergebnissen wie JP Morgan

Auch die Bundesbank kommt in ihrer Analyse vom 22. Mai dieses Jahres zu dem Ergebnis, dass „kurzfristig das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland in diesem Fall bis zu 5 Prozent niedriger ausfallen (könnte) als in der März-Prognose der Europäischen Zentralbank (EZB) angelegt. Im Vergleich zum Vorjahr würde das reale BIP um knapp 2 Prozent zurückgehen.“

Die Bundesbank war in ihrem Szenario davon ausgegangen, dass der Handel „mit Russland einschließlich der Energieimporte bis auf Weiteres eingestellt wird und es dann neben Preiseffekten auch zu einer Rationierung des Energieeinsatzes kommen könnte.“

In Ihrer Analyse schreiben die Autoren weiter: „Aufgrund der großen Bedeutung Russlands für zahlreiche Rohstoffmärkte und der bereits vor Kriegsbeginn teils angespannten Versorgungslage auf diesen Märkten bestehen jedoch erhebliche Aufwärtsrisiken für die Rohstoffnotierungen. Diese könnten ihre jüngsten Höchststände noch überschreiten, sollte es zu stärkeren Einschränkungen russischer Rohstoffexporte beispielsweise durch neue Sanktionen oder einen russischen Lieferstopp kommen.“ Die Bundesbank geht in ihrer Analyse von einem Preisanstieg bei der Sorte Brent Öl auf 170 US-Dollar pro Barrel aus und kommt damit dem Ergebnis der JP Morgan Analyse recht nahe.

Ölpreis JP Morgan Ukraine

DGB-Chefin spricht von „Sprengstoff für den sozialen Zusammenhalt“

Auch Yasmin Fahimi, Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), mahnt in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der BamS (Bild am Sonntag): „Wir haben eine echte Notlage. Wegen der Gas-Engpässe drohen ganze Industriezweige dauerhaft wegzubrechen: Aluminium, Glas, die chemische Industrie. Ein solcher Kollaps hätte massive Folgen für die komplette Wirtschaft und die Arbeitsplätze in Deutschland.“ Sie geht sogar so Weit und sieht die Krise als „Sprengstoff für den sozialen Zusammenhalt“.

Russland sitzt am längeren Hebel

Die notorische Knappheit von Rohstoffen, ihre geostrategische Verteilung und der weltweite, unstillbare Hunger nach Öl, Gas und Kohle sind die eigentlichen marktbeherrschenden Kräfte, denen sich auf Dauer kein Politiker entziehen wird können. Ein Gas-Stopp in Kombination mit einer verringerten Erdöl-Produktion wäre für die Eurozone ein kaum zu verkraftender wirtschaftlicher K.O.-Schlag. Auch wenn es den meisten Politikern schwer fällt, das zu akzeptieren, aber Russland sitzt am längeren Hebel.

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8 Kommentare

  1. .Wie ich schon vor über einem Jahr bemerkt habe.
    Der Westen pokert und der Osten spielt Schach oder Go.
    Die Kosten und das Leid hat leider wie immer die Bevölkerung zu tragen.

  2. Das ist grüne Politik, sogar von der EZB.
    Neue Ölquellen erschließen wird nicht mehr finanziert, die riesigen Gasfelder vor Griechenland will man auch nicht.
    Wir können ja mit grünem Wasserstoff die Industrie versorgen, und den Rest mit Strom aus… ja, woher soll es denn nur kommen
    Ich meine in den nächsten Jahren, und besonders in den nächsten Wintern.

  3. In der Tat: Russland hat den Krieg angefangen, jedoch nicht die Ursache des Ukraine-Konflikts zu verantworten. Staatspräsident Wladimir Wladimirowitsch Putin muß weiterhin zu Verhandlungen aufgefordert werden. Bei entsprechenden Resultaten gilt es wieder die Russische Föderation mit entsprechender Technologie gegen Erdöl und Erdgas auszustatten. Deutschland bekommt hierbei hoffentlich wieder einen Premiumstatus in Form moderater Energiepreise. Nein zu einem möglichen Ölpreis in Höhe von ca. 380 US-Dollar.

    1. So ein Schwachsinn!
      Was ist denn die Ursache des Ukraine-Konflikts? Dass die „Nazis“, also ein überwiegender Großteil der ukrainischen Bevölkerung, seit 2013 EU-Mitglied werden wollen. Dass die damalige kreml-gesteuerte Marionetten-Faschisten-Regierung bei Protesten im Februar 2014 mehr als 100 Demonstrierende abgeschlachtet hat. Dass daraufhin Russland gleich auch noch völkerrechtlich die ukrainische Halbinsel Krim überfiel und annektierte und in der Folge irgendwelche Separatisten in zwei international nicht anerkannten „Republiken“ ausrüstete und somit einen Bürgerkrieg provozierte. Und dass Putin einen sog. „Genozid“ erdichtet hat, obwohl weder die OSZE noch die UN auch nur die geringsten Hinweise auf einen Völkermord haben.

      1. Antwort und mögliche weitere ähnliche hierzu als demokratisch zur Kenntnis genommen.

      2. Oh oh Herr Ras Putin.
        Wohl zuviel ARD/ZDF geschaut ?

        1. Und du RT, Komsomolskaja Prawda und Rossija 1.
          Oder wo sonst informierst du dich? Internet, Telegram, YouTube, Twitter…?
          Lass mich in Ruhe, Putinfreund!
          Schreib zur Sache, wie du sie einschätzt. Beweise mir das Gegenteil, aber geh nicht mich an.

  4. Und morgen ist 1. Advent !
    Eine Studie der Citi sagt z.B. das der Oelpreis in Baelde bei 65 USD stehen koennte.

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